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Photobücher bis 1838

1589/1651: Erste Beschreibung der Camera obscura als Zeichenmaschine

Magiae Naturalis. Libri viginti. Ab ipso quidem authore adaucti, nunc vero ab infinitis, quibus editio illa scatebat mendis, optime repurgati: in quibus scientarum Naturalium divitae & deliciae demonstrantur. / Joh[ann] Baptist PORTA. – Lugd. Batavorum [Leyden]: Petrus Leffen 1651. – 16°. [8] S. mit Frontispiz und Titelholzschnitt, 670 S. Text mit [21] Textholzschnitten, [22] S. Index. Hldr.-Einband des 19. Jahrh.

Im 17. Buch beschreibt Johann Baptist Porta (1540-1602) erstmals ausführlich die Anwendungsmöglichkeiten der Camera obscura als Zeichenmaschine und als «Kino». Die Erstausgabe erschien zwar bereits 1558, diese enthielt aber erst die ersten 4 Bücher. Der Text über die Camera obscura erschien dann erstmals in der zweiten Auflage der auf zwanzig Bücher erweiterten Ausgabe von 1589. - Die entscheidende Stelle über die Camera obscura als Zeichenmaschine lautet (zitiert nach der ersten deutschen Ausgabe von 1715): «Dass einer, der des Mahlens gantz unerfahren ist, das Bildnus eines Dinges oder eines Menschen wol abmahlen kann. Wenn er nur lernet die Farben recht ähnlich mischen: Welches kein geringes Kunststücke ist. Nemlich es solle die Sonne an dem Fenster scheinen, und um das Loch gewisse Bilder oder Menschen stehen, die man abmahlen will: Diese soll die Sonne bestrahlen nicht aber das Loch. Gegen das Loch über aber soll man ein weisses Papier aufstellen, und den Menschen so lange an dem Liecht hin und wieder näher und weiter richten, biss vermittelst der Sonne sein Bildnus sich vollkommen am obgemeldtem Papier vorstellet. Wer nun mahlen kann, darf nur die Farben auftragen, wie er sie auf dem Papier vor sich findet, und im übrigen die Bildung des Gesichts umzeichnen, wenn hernach das Bild weggethan wird, so bleibt der Schein auf dem Papier nicht anders als ein Bild im Spiegel zu sehen ist.» - Die 21 Holzschnitte behandeln Magnetismus (4), Destillation (4), Optik (10) und Physik (3).

Ref.: Die deutsche Übersetzung von 1713 ist zu finden in: Eder, Bd. 1, S. 62-64, und: Nekes, Von der Camera obscura zum Film, S. 8 (hier auch seitenverkehrtes dt. Frontispiz auf S. 7).

Photobibliothek.ch 2260

Einband

Frontispiz

Titelblatt mit Titelhozschnitt


1671: Die Grosse Kunst von Licht und Schatten

Ars magna Lucis et Umbrae. In X. Libros digesta. Quibus Admirandae Lucis & Umbrae in mundo, atque adeo universa natura, vires effectusque uti nova, ita navia novorum reconditoumque speciminum exhibitione, ad varios mortalium usus, panduntur. / Athanasius KIRCHER. – Editio altera priori multo auctior [zweite Auflage]. – Amstelodami [Amsterdam]: Joannes Janssonium à Waesberge, & Haeredes Eilzaei Weyerstraet, 1671. – 2°. Titelkupfer, Titelblatt, Porträt (fehlt), [3] Bl. Dedikation, [2] Bl. Vorwort, [9] Bl. Inhaltsverzeichnis, S. 1-424 und 525-810 sowie [4] nicht paginierte Blätter mit XXXIV, [8] Kupfertafeln (Tafel XX fehlt) sowie zahlreichen Holzschnitten, [5] Bl. Index. Pergament-Einband aus dem 20. Jahrhundert.

Das Buch ist berühmt für seine Kupferstiche, darunter die erste Darstellung einer Camera obscura als Zeichenhilfe (Tafel XXVIII). Diese hatte die Grösse eines Zimmers. Der Zeichner konnte in der Camera obscura stehen und das auf dem Kopf stehende Bild abpausen. Ausserdem befinden sich im Buch die ersten bildlichen Darstellungen zweier Laternae magicae (Seite 768/769). Die beiden Kupferstiche sind aber noch voller Fehler: Die zu projiziernden Bilder stehen nicht auf dem Kopf, sie befinden sich nach der Linse anstatt davor, und der Brennpunkt des Hohlspiegels befindet sich nicht auf Höhe der Flamme. Ausserdem enthält das Buch mehrere Hundert Holzschnittbilder, darunter eine Camera obscura mit Teufel. Dieser Holzstich kommt gleich zweimal vor auf den gegenüberliegenden Seiten 94 und 95. – Kollationierung: Es fehlen 2 Tafeln: 1) das Porträt «Johann Friedrich von Waldstein», dem Kircher das Werk widmete (zwischen Titelblatt und Dedikation); 2) die Falttafel «Horoscopium Catholicum Societ. Iesu» (zwischen S. 414 und 415. Der Sprung in der Paginierung von S. 424 auf S. 525 wird in jeder antiquarischen Beschreibung als Irrtum erwähnt. Innerhalb der paginierten Seiten sind 4 Bl. nicht paginiert: 2 Bl. Tabellen zwischen S. 292 und 293, die Falttafel XX zwischen S. 414 und 415 (diese fehlt) und die Tafel XXII zwischen S. 422 und 423. Die Tafel VI gibt es ein zweites Mal, und weitere 7 Kupferstichtafeln sind nicht numeriert, somit gibt es 8 Tafeln ausserhalb der Numerierung.

Ref.: Internet: W. P. Watson Antiquarian Books; Charles Agvent. – Provenienz: Giovanni Bosio, Magliano Alpi, Italien. – Zustand: Porträt Waldstein und Tafel XX fehlen

Photobibliothek.ch 12464

Einband

Titelkupfer

 Titelblatt

Zimmergrosse Camera obscura

Laterna magica 1

Laterna magica 2


1677: Erste Beschreibung einer handlichen Camera obscura

Magia Universalis Naturae et Artis. Sive Recondita Naturalium & Artificalium, rerum Scientia, cujus Ope per variam Applicationem... Opus Quadripartium. Pars I. Optica. / Gasparus [Kaspar] SCHOTT. – Bamberg: Joh. Martin Schönwetter 1677. – 8°. Titelkupfer, [40], 538, [14] S., XXV Kupfertafeln. Ldr. der Zeit mit Goldprägung.

Der früheste Hinweis auf eine kleine, tragbare Camera obscura findet sich auf S. 199-201. Kaspar Schott (1608-1666) schreibt hier, dass ein Reisender in Spanien eine kleine Camera obscura gesehen habe, die man unter dem Arm tragen oder unter dem Mantel verbergen könne. Schott konstruierte deshalb eine eigene kleine Camera obscura, bestehend aus zwei zur Scharfstellung ineinander schiebbaren Kästen. Dies ist exakt der Kameratypus, den später Niepce, Talbot und Daguerre als erste photographische Kamera verwendeten. - Schott war Athanasius Kirchers (1602-1680) Schüler und Freund. Deshalb sind zahlreiche Experimente von Kircher auch bei Schott beschrieben: Tafel XIII, Fig. II, Camera obscura in Zimmergrösse. Tafel XXI, Fig. V, Schiffe in Brand setzen. Ausserdem interessant: Tafel II, Längenanamorphose. Tafel XI, Zylinderanamorphose. Tafel XIII, Fig. I, Fexierbild. - Die Erstausgabe erschien 1657

Ref.: Gernsheim, Geschichte der Photographie, S. 20. Füsslin u. Hentze, Anamorphosen, Abbildungen aus Schott S. 22/23 (Längenanamorphose) u. S. 54 (Zylinderanamorphose). Ganz, Die Welt im Kasten, S. 34/35. Universale Bildung im Barock, S. 83 u. 115. – Provenienz: Ex Libris «Libreria Barla». Good, Liste Winter 2000. – Zustand: Seiten teilweise papierbedingt braun

Photobibliothek.ch 11227

Einband

Titelkupfer

Titelblatt

Tafel XII, Figur II: Vereinfachte Darstellung einer zimmergrossen Camera obscura ähnlich der bei Kircher abgebildeten (siehe 1671)


1710: Beschreibung weiterer Zeichenmaschinen

Perspectiva Practica, Oder Vollständige Anleitung zu der Perspectiv-Reiss-Kunst, Nutzlich und nothwendig Allen Mahlern, Kupferstechern, Baumeistern, Goldschmieden, Bildhauern, Stickern, Tapezierern und andern so sich der Zeichen-Kunst bedienen. / Erstmahls durch Ein unbenahmtes Mit-Glied der Societät JEsu [= Jean DUBREUIL] in Paris heraus gegeben, Nun aber aus dem Frantzösischen ins Teutsche übersetzt Durch Johann Christoph Rembold. – Augspurg: Jeremias Wolff 1710. – 4°. Frontispiz, [14], 150 S. Text, 150 S. Kupferstiche, [5] S. Register. Ldr. d. Zt.

Nach Porta, Kirchner und Schott beschrieb Jean Dubreuil, hier anonym als «unbenahmte Mit-Glied der Societät JEsu» bezeichnet, zwei weitere Zeichenmaschinen, «vermittelst deren man solche Risse gantz schön und genau, ohne an einige Regel sich zu binden auffreissen kan». Ähnliche Zeichenmaschinen hatte schon Dürer beschrieben.

Ref.: Newhall, Geschichte der Photographie, 1984, S. 8.

Photobibliothek.ch 2261


1713: Wichtige spanisches Erstausgabe zur Optik

Compendio Mathematico, en que se contienen todas las materias mas principales de las Ciencias que tratan de la Cantidad. Tomo VI. Que comprehende Optica, Perspectiva, Catoptrica, Dioptrica, Metheoros. / Thomas Vicente TOSCA. – [Erstausgabe.] – Valencia: Vicente Cabrera 1713. – Kl.8°. [6], 542, [4] S., 24 Tafeln. Pergament.

Tomas Vicente Tosca (1651-1727) war bresbyterianischer Professor für Mathematik an der Universität von Valencia. Sein Hauptwerk «Compendio Mathematico» erschien in zahlreichen Auflagen, zuletzt im Jahre 2000 als Faksimile-Ausgabe. Beim vorliegenden Band VI über die Optik handelt es sich um die Erstausgabe (die Tafeln sind auch vollständig im Internet zu finden). - Neben zahlreichen Tafeln zur Perspektivlehre sind besonders bemerkenswert: Tafeln 13/14/17, Anamorphose;  Tafel 15, Bildertrommel; Tafel 16, Linienraster-Bilder; Tafel 21, Laterna magica.

Zustand: Obere Kapitalschnur gerissen

Photobibliothek.ch 11228

Tafel 21, Figur 39-51: Verschiedene Linsen-Kombinationen. Figur 52: Laterna magica. Figur 53: Versuch zur Darstellung der Lichtbrechung.


1715: Die Camera obscura als Fingerzeig Gottes

Sämptliche geistreiche Bücher vom wahren Christenthum. Beneben derselben anhängigen Tractätlein von heylsamer Busse, hertzlicher Reue und Leyd über die Sünde und wahrem Glauben. / Des weyland hochverehrten Theologi, Herrn Johann ARNDTen. – Franckfurt am Mayn: Matthias Andrea 1715. – 8°. [2] w. Bl., [2] Bl. Frontispiz, [2] Bl. Titel, [4], 60, 1232, [70] S., [56] Bl. Kupferstiche. Leder-Einband mit Schliessen der Zeit, Goldschnitt.

Johann Arndt (1555-1621) deutete physikalische Phänomene als Fingerzeig Gottes. Seine Emblemata gilt als eines der erfolgreichsten protestantischen Erbauungsbücher. Das Werk erschien erstmals 1606 und wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein in unzähligen Ausgaben veröffentlicht. Die erste mit Emblemen illustrierte Ausgabe von 1678/79 wurde in Riga veröffentlicht. Unter den zahlreichen Ausgaben gilt die vorliegende Ausgabe von 1715, die auch im Internet teildigitalisiert vorliegt, als eine der schönsten.

Ref.: Meyer, Bd. 1, S. 850/851. Bayerische Staatsbibliothek, exakt diese Ausgabe teildigitalisiert im Internet. – Zustand: Schliessen unvollständig

Photobibliothek.ch 12468

Tafel neben Seite 8: «Verfinstert und verkehrt – Hier wird abgebildet die so genannte Camera obscura, welche ist, wenn die Stube biss auff ein Schössgen gantz verfinstert, und ein gewisses Glass vor das Schössgen gehalten wird, da geschieht es, dass die Leute [...] gantz verkehrt auf den Köpfen gehen. Hiemit wird angedeutet, dass  der Mensch durch den kläglichen Sünden Fall in seinem Hertzen und Verstand leider, gantz verfinstert, ja ein verkehrtes Bild worden, nemlich aus dem Bilde Gottes ein Bild des Satans.»


1716: Makulatureinband, der Vorläufer des Schutzumschlags

Politischer Welt-Spiegel, Oder Neu-vermehrter Politischer Nachtisch, Darinnen Alle Reiche und Staaten der gantzen Welt curieux und gründlich in Fragen und Antworten vorgestellt werden. Nebst einem Anhange aller Käyser, Könige, Päbste, Churfürsten, Fürsten, und der vornehmsten Hertzoge in der Welt Leben und Thaten, herausgegeben und bis auf gegenwärtige Zeit continuiert [...]. [Zwei Teile in einem Band.] / [Karl SCHARSCHMIDT.] – Dresden und Leipzig: Gottfried Leschen 1716. – 16°. Kupferstich-Frontispiz, Titelblatt, [2], 984, [14] S.; 336 S. Makulatureinband aus einer lateinischen Handschrift des 15. Jahrhunderts mit zwei Initialen und einer kurzen Notenzeile.

Zum Makulatureinband: «Als Vorläufer des Schutzumschlags können die sogenannten Makulatureinbände angesehen werden, wobei Seiten aus nicht mehr verwendeten Handschriften als Bezugsstoff verwendet wurden.» [1] - «Makulaturforschung: Bez für die Auswertung von Bucheinbänden, in die, vor allem in der Reformationszeit, Bogen aus alten Missalien, Brevieren, Handschriften usw. hineinverarbeitet worden sind. Viele verlorene alte Drucke, vor allem auch Einblattdrucke, konnten auf diese Weise durch die M. wieder rekonstruiert werden.» [2] - Und zum eigentlichen Buch: «Der Verfasser dieses in der Art der Joh. Hübnerschen Lexika abgefassten Werkes ist nicht mit Sicherheit zu ermitteln. [...] Uns scheint die Verfasserschaft Karl Scharschmidts (1645-1717) bei weitem die wahrscheinlichere, da dieser Jurist noch andere Werke über das Gebiet der Staatswissenschaft, Politik, Geschichte und polit. Geographie veröffentlicht hat, bei denen ein populärer Einschlag verspürbar ist.» [4] - S. 190-284:  Von Franckreich [unter Ludwig XIV.]. S. 384-855: Von Schweitz.

Ref.: [1] Hilka, Bücher, 1981, S. 43., Abb. 30. [2] Hiller, Wörterbuch des Buches, 4. Aufl. 1980. [3] Seebass, Alte Kinderbücher und Jugendschriften, I/207. [4] Holzmann/Bohatta, Deutsches Anonymen-Lexikon, 1961, VII/7444. – Zustand: Vorderes Vorsatz fehlt, Frontispiz auf Deckel montiert

Photobibliothek.ch 11842

>>> Thema «Kleine Geschichte des Schutzumschlags»


1735: Dissertation eines Schweizers bei Johann Heinrich Schulze

Dissertatio inauguralis medico-chirurgica, de mechanico naturae medicatrics in vulneribus persanandis artifico. / Quam, numine divino duce et auspice, praeside dn. d. Ioan. Henrico SCHULZE. Auctor responsurus Samuel Schaffner, Aroviensis Helvetus. – Halae Magdeburgicae: Joh. Christiani Hendelii 16. Nov. 1735. – 8°. [2] Bl., 70, [7] S. mit 3 Holzschnitt-Vignetten. Neuer Krt.-Einband.

Medizinisch-chirurgische Dissertation des Aargauers Samuel Schaffner bei Johann Heinrich Schulze (1687-1744) an der Universität Halle. Eder: «Johann Heinrich Schulze entdeckt im Jahre 1727 die Lichtempfindlichkeit der Silbersalze und verwendet sie bei den ersten photographischen Prozessen. [...] Demnach muss Schulze , ein Deutscher, als der Erfinder der Photographie bezeichnet werden.»

Ref.: Eder, Johann Heinrich Schulze, der Erfinder des ersten photographischen Verfahrens, 1917, vorliegende Dissertation in der Bibliographie auf S. 59 aufgeführt. Eder, Geschichte der Photographie, S. 85-113. – Provenienz: Ratsbibliothek der Stadt Aarau.

Photobibliothek.ch 4355


1738: Kuriose optische Maschinen

Neue Anmerckungen Vom Glasschleiffen. Darinnen Die rechten Machinen die Gläser durch Hülfe dreyer Bewegungen zu mehrerer Vollkommenheit zu bringen. Desgleichen Die Verziehung der Bilder durch Polyedra leicht zu machen. Nebst allerhand neuen Optischen Instrumenten wie solche gemacht und apliciret, andere aber allbereit bekante verbessert werden. / Johann George LEUTMANN. Zur Erläuterung Herrn C. E. Hertels vollständige Anweisung zum Glasschleiffen. – Neue Auflage. – Halle im Magdeburgischen: Rengerische Buchhandlung 1738. – Kl.8°. [16], 96 S., XXI Bl. Kupfertafeln. Pbd. aus neuerer Zeit.

Johann Georg Leutmann (1667-1736) war zuerst «Mechanicus» in Wittenberg und später Professor für Mechanik und Optik in St. Petersburg. Er beschreibt unter vielem anderen eine Linsenschleifmaschine, Augengläser, Mikroskope, Fernrohre, Camerae obscurae, Laternae magicae sowie ein Refraktionsmessgerät.

Ref.: Jeschke, Blanke & Hauff 06.2109. Ludwigsburg 1997, S. 16 (Buch von Leutmann über Öfen von 1764). Jeschke, Gruber 74.4209 (ähnlicher Titel, biographische Angaben zu Leutmann).

Photobibliothek.ch 1606

Einband (Pappband aus neuerer Zeit)

Titelblatt

Tafel III: Linsenschleifmaschine

Tafel XV, Figur 1: Camera obscura in Kombination mit einem Fernrohr zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis. Figur 2 und 3: Gemeine Laternen, Blendlaternen sind «in Franckreich bey Leib- und Lebens-Strafe verbothen».

Tafel XXI, Figur 2 und 3:  «Curieuse optische Machine», bei der mittels einer von Hand drehbaren Trommel, die von innen beleuchtet wird, mehr oder weniger verzerrte Bilder (je nach Projektionswinkel) an die Wände geworfen werden.


1751-1789: Die Enzyklopädie von Diderot und d'Alembert

Die Enzyklopädie von Diderot und d'Alembert ist die wohl berühmteste der frühen Enzyklopädien im heutigen Verständnis, die als eine Sammlung des gesamten Wissens der Zeit konzipert wurde. Die Herausgeber beschrieben das Vorhaben folgendermaßen: «Bei der lexikalischen Zusammenfassung all dessen, was in die Bereiche der Wissenschaften, der Kunst und des Handwerks gehört, muss es darum gehen, deren gegenseitige Verflechtungen sichtbar zu machen und mit Hilfe dieser Querverbindungen die ihnen zugrunde liegenden Prinzipien genauer zu erfassen [...] Es geht darum, die entfernteren und näheren Beziehungen der Dinge aufzuzeigen, aus denen die Natur besteht und die die Menschen beschäftigt haben, ein allgemeines Bild der Anstrengungen des menschlichen Geistes auf allen Gebieten und in allen Jahrhunderten zu entwerfen.» Die Enzyklopädie erschien in unterschiedlichen Ausgaben, hier eine Übersicht:

  • Folioausgabe, 35 Bände, Paris, Le Breton u.a. 1751-1780.
  • Quartausgabe, 58 Bände, Yverdon, de Felice 1770-1780 (grundlegend überarbeitet).
  • Oktavausgabe, 75 Bände, Lausanne: Sociétés typographiques 1780-1782 (textgleich mit Quartausgabe, jedoch Tafelteil gekürzt).

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Folioausgabe: Tafeln «Dessein»

Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Dessein, contenant 39 Planches, dont 37 simples et une double. / Denis DIDEROT ; Jean Le Rond d'Alembert. – Folioausgabe. – Paris: Le Breton 1751-1780. – 2°. 12 S. Text, XXXVIII Tafeln Ausgebunden in neuem Umschlag.

Doppeltafel III: Pantograph; Tafel IV/V: Camerae obscurae verschiedenster Bauarten. -

Ref.: www.deutsches-museum.de (Übersicht). Bücher, die die Welt verändern 200. – Zustand: Tafel XXVII «Draperie» fehlt

Photobibliothek.ch 12672

Textteil «Dessein»

Erster Kupferstich auf Tafel 1 «Vue d'une école de dessein»

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Folioausgabe: Tafeln «Optique»

Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Optique Suppl. Pl. 1/2. / Denis DIDEROT ; Jean Le Rond d'Alembert. – Folioausgabe. – Paris: Le Breton 1751-1780. – 2°. 2 Bl. Tafeln.

Die beiden Optik-Supplement-Tafeln der Folioausgabe mit Linsenschleifmaschine, Hohlspiegelfernrohr usw.

Photobibliothek.ch 11481

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Oktavausgabe: Tafeln «Optique»

Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Optique Pl. 1-6. / Denis DIDEROT ; Jean Le Rond d'Alembert. – Oktavausgabe. – Lausanne: Sociétés typographiques 1780-1782. – 8°. 6 Bl. Tafeln.

Die bekannten Optik-Tafeln mit Camera obscura und Laterna magica aus der Oktavausgabe.

Ref.: Jay, Niépce, Genese d'une invention, 1988, S. 120 (Abb. Pl. 1).

Photobibliothek.ch 11313

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Oktavausgabe: Tafeln «Perspective»

Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Perspective Pl. 1/2. / Denis DIDEROT ; Jean Le Rond d'Alembert. – Oktavausgabe. – Lausanne: Sociétés typographiques 1780-1782. – 8°. 2 Bl. Tafeln.

Die beiden Perspektive-Tafeln aus der Oktavausgabe, u.a. mit der Konstruktionsanleitung für eine Anamorphose.

Photobibliothek.ch 11314


1760/1800: Eine Vorahnung der Photographie

Voyages à Giphantie. [2 tomes en 1 volume.] / Par M*** [Charles-François TIPHAIGNE DE LA ROCHE]. – Troisième édition. – Paris: Bertrandet 1800. – 16°. Frontispiz, 136, [2] S., 140 [2] S. Ganzledereinband mit Goldprägung.

Charles-François Thiphaigne de La Roche (1722-1774), ein Mediziner, der an der Universität von Caen studiert hatte, betätigte sich auch anonym als Schriftsteller. In «Voyages à Giphantie» («Giphantie» ist ein Anagramm von «Tiphaigne»), dessen Erstausgabe 1760 erschien, landet der Held der Handlung nach einem Sandsturm auf einer Insel mitten im Sandmeer. Dort verwalten die für die Menschen unsichtbaren Elementargeister die Elemente Luft, Wasser, Erde und Feuer und sorgen dafür, dass die Menschen in Sicherheit leben können. Das Oberhaupt der Elementargeister weiht den Besucher in allerlei Geheimnisse ein. Zur Beobachtung der Menschheit gibt es da beispielsweise das Modell einer Erdkugel, wo über eine Art Stethoskop Töne sowie mit Hilfe eines Spiegels und einer Linse Bilder von jedem Punkt der Erde empfangen werden können – also gewissermassen die Vorwegnahme von Radio, Fernsehen und Internet! Wie das Kommunikationssystem funktioniert wird detailliert beschrieben: «Von einem Ort zum andern», fuhr der Elmentargeist fort, «befinden sich in der Luftschicht gewisse Teile, welche die Geister dergestalt aneinander gestellt haben, dass sie die gebrochenen und zurückgeworfenen Strahlen der verschiedenen Gegenden auf dem Erdboden sammeln und in den Spiegel werfen, welchen du vor Augen hast. Wenn man nun die Linse auf verschiedene Seiten und Stellungen dreht, so sieht man die verschiedenen Teile der Oberfläche des Erdbodens. [...] Du hast die Erlaubnis, deine Blicke über die Wohnungen der Menschen schweifen zu lassen.» Auch die Photographie kennen die Elementargeister bereits. Die Erfindung zum Festhalten von Bildern wird wie folgt beschrieben: «Du weisst, dass die Lichtstrahlen, von den verschiedenen Körpern zurückgeworfen, ein Bild geben und die Körper auf allen glänzenden Flächen, z. B. auf der Netzhaut des Auges, im Wasser und in den Spiegeln abbilden. Die Elementargeister haben diese flüchtigen Bilder zu fixieren gesucht. Sie haben einen sehr feinen Stoff zusammengesetzt, der sehr klebrig und sehr geneigt ist, trocken zu werden und sich zu erhärten; mit Hilfe desselben wird in einem Augenblick ein Gemälde gemacht. Sie überziehen mit diesem Stoff ein Stück Leinwand und bringen diese vor die Gegenstände, welche sie abbilden wollen. Die erste Wirkung der Leinwand ist diejenige eines Spiegels; man sieht darin alle nahen und fernen Körper, wovon das Licht ein Bild entwerfen kann. Aber was ein Spiegel nicht vermag, die Leinwand hält durch ihren klebrigen Überzug die Bilder fest. Der Spiegel gibt uns zwar die Gegenstände getreu wieder, aber er behält keinen zurück; unsere Leinwand gibt sie nicht weniger getreu wieder, aber hält sie auch alle fest. Diese Aufnahme der Bilder ist das Geschäft des ersten Augenblickes, die Leinwand nimmt sie auf. Man nimmt dieselbe auf der Stelle weg und bringt sie an einen dunklen Ort. Eine Stunde später ist der Überzug getrocknet und man hat ein Gemälde, welches um soviel schätzbarer ist, weil keine Kunst die Wahrheit desselben erreichen und die Zeit es auf keine Weise beschädigen kann.» – Im französischen Original lautet die Stelle über die Photographie (Band 1, S. 97-100): «Tu sais que les rayons de la lumière, réfléchis des divers corps, font tableau, et peignent ces corps sur toutes les surfaces polies, sur la rétine de l'oeil, par exemple, sur l'eau, sur les glaces. Les esprits élémentaires ont cherché à fixer ces images passagères; ils ont composé une matière très subtile, très visqueuse et très prompte à se dessécher et à se durcir, au moyen de laquelle un tableau est fait en un clin d'oeil. Ils enduisent de cette matière une pièce de toile, et la présentent aux objets qu'ils veulent peindre. Le premier effet de la toile, est celui du miroir; on y voit tous les corps voisins et éloignés, dont la lumière peut apporter l'image. Mais, ce qu'une glace ne saurait faire, la toile, au moyen de son enduit visqueux, retient les simulacres. Le miroir vous rend fidèlement les objets, mais n'en garde aucun; nos toiles ne les rendent pas moins fidèlement, et les gardent tous. Cette impression des images est l'affaire du premier instant où la toile les reçoit: on l'ôte sur le champ, on la place dans un endroit obscur; une heure après, l'enduit est desséché, et vous avez un tableau d'autant plus précieux, qu'aucun art ne peut en imiter la vérité, et que le temps ne peut en aucune manière l'endommager.»

Ref.: Tiphaigne de la Roche, Giphantie oder die Erdbeschauung, Ulm, 1761 (dt. EA). Baier, Geschichte der Fotografie, München, 1977, S. 5/6. – Provenienz: Bibliothèque de Monsieur le Comte Frédéric de Pourtalès (Ex Libris). - Librairie Alain Brieux, Paris, 2012. – Zustand: Kleine Fehlstellen oben und unten am Rücken.

Photobibliothek.ch 14341


1767: Bedeutendes Werk über die Camera obscura in der seltenen Erstausgabe

Kurze Beschreibung einer ganz neuen Art einer Camerae obscurae, ingleichen eines Sonnen Microscops, welche man bequem aller Orten hinstellen und ohne Verfinsterung des Zimmers gebrauchen kann. Womit auch allerley Objekte auf eine sehr leichte Art in einer selbst beliebigen Grösse gezeichnet und aufgerissen werden können. / Von Georg Friedrich BRANDER, Miglied der Churfürstl. Bayr. Academie der Wissenschaften und Mechanicus in Augspurg. – [Erstausgabe.] – Augspurg: Eberhard Kletts seel. Wittib. 1767. – Kl.8°. 27 S., III gefaltete Kupfertafeln. Pbd. der Zeit.

Bedeutendes Werk über die Camera orbscura von Georg Friedrich Brander (1713-1783) in der seltenen Erstausgabe (2. Aufl. 1769, 3. Aufl. 1775, 4. Aufl. 1779). Der Kupferstich eines Mannes, der auf einer Camera obscura zeichnet, ist fast in jeder Geschichte der Photographie abgebildet. Interessant auch das Sonnenmikroskop, von welchem ein unvollständiges Exemplar im Deutschen Museum erhalten blieb.

Ref.: G. F. Brander 1713-1783, wissenschaftliche  Instrumente aus seiner Werkstatt, Deutsche Museum, 1983. – Provenienz: Jeschke, Greve & Auvermann, Auktion 42, Lot 458.

Photobibliothek.ch 12536


1775-1778: Johann Caspar Lavater, Erfinder der Silhouettiermaschine

Zwischen 1775 und 1778 erschien ein Buch, das in ganz Europa für grosses Aufsehen sorgte. In «Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe» beschrieb der Zürcher Gelehrte Johann Caspar Lavater (1741-1801) eine Methode, mit der man angeblich aus dem Aussehen einer Person auf deren Charaktereigenschften schliessen könne. Das Werk war vor allem so erfolgreich, weil es reich bebildert war. Zur möglichst genauen Aufnahme von Silhouetten erfand Lavater den Silhouettierstuhl. Bekannte Künstler und Gelehrte (darunter auch Goethe) lieferten Bildmaterial.

Zur Dokumentation seiner Studien führte Lavater sein «Physiognomisches Kabinett», eine Sammlung von Bildern (hauptsächlich Zeichnungen und Stiche), die er akribisch in Mappen sortierte und beschriftete. Der grösste Teil des Kabinetts befindet sich heute in der Graphischen Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek.

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Originaltafeln aus «Physiognomische Fragmente»

Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe. 61 [von annähernd 400] Kupfer-Tafeln aus allen 4 Bänden. / Johann Caspar LAVATER. – Leipzig, Winterthur: Weidmann & Reich, Steiner 1775-1778. – 4°. [61] Bl. Tafeln mit Kupferstichen u. Radierungen. Pbd.

Die 61 Tafeln stammen vorwiegend aus Band I und II, einige wenige aus Band III und IV. Alle Tafeln mit Band- und Seitenangabe (Bleistift). Insgesamt 95 Platten, davon 9 von Joh. H. Lips und je eine von R. Schellenberg, G. F. Schmoll, J. B. Bullinger und D. Berger. Darunter auch ein Schabeblatt «Anson» sowie ein Porträt «Nach Piazzetta» in Parallelschraffur.

Ref.: Lavater, Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe, Faksimile, ca. 1935. WG 58. Schrift, Druck, Buch im Gutenberg-Museum, 1985, Nr. 87. Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 112.

Photobibliothek.ch 1848

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Faksimile-Ausgabe «Physiognomische Fragmente»

Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe. Erster bis vierter Versuch. Mit vielen Kupfern. / Johann Caspar LAVATER. – Faksimile der Originalausgabe, Weidmanns Erben und Reich, und Heirich Steiner und Compagnie, Leipzig und Winterthur, 1775. – o.O. o.V. o.J. [ca. 1935]. – 4°. VIII, [12], 271, [8] S. mit Ill., ungez. Bl. Tafeln ; [10], 291, [11] S. mit Ill., 106 Bl. Tafeln ; [12], 356, [7] S. mit Ill., CIV Bl. Tafeln ; XII, 490, [10] S. mit Ill., LXXX Bl. Tafeln. Halbkunstleder.

Darstellungen der Silhouettiermaschine befinden sich in Band 2 auf S. 90-93 («Über Schattenrisse» mit Abbildung auf S. 93) und in Band 4 als Tafel XXXX «Machine sûre & commode pour tirer des silhouettes».

Provenienz: Altstadt-Antiquariat 148.434, «Faks. ca. 1930-40».

Photobibliothek.ch 11558

Titelblatt Band 1

Band 4, Tafel XXXX  mit dem Silhouettierstuhl und
Tafel XXXXI mit der damit hergestellte Silhouette von Lavater

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«Physiognomisches Kabinett» (Faksimile von 1923/1924)

Lavater und die Seinen. Die Sammlung [Johann Caspar] LAVATER. Mappe I. / Herausgegeben von Eduard Castle. – Eins von 660 Exemplaren. – Zürich, Leipzig, Wien: Amalthea-Verlag 1923. – 2°. 10, [1] S. Textbroschüre, 17 Faksimile-Blätter. Hln.-Mappe.

Erster Teil der Sammlung mit 17 Faksimile-Blättern aus J. C. Lavaters «Physiognomischem Kabinett».

Photobibliothek.ch 3315

Beispiele aus Mappe I:
Das Bild rechts unten zeigt Lavater in seinem Kabinett

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Goethe und sein Kreis. Die Sammlung [Johann Caspar] LAVATER. Mappe II. / Ausgewählt von Rudolf Payer-Thurn. Herausgegeben von Eduard Castle. – Exemplar Nummer 538/660. – Zürich, Leipzig, Wien: Amalthea-Verlag 1924. – 2°. 20, [3] S. Textbroschüre, 26 Faksimile-Blätter. Hln.-Mappe.

Zweiter Teil der Sammlung mit 26 Faksimile-Blättern aus J. C. Lavaters «Physiognomischen Kabinett» (mehr nicht erschienen).

Photobibliothek.ch 11958

Beispiel aus Mappe II: Das Blatt «Goethe in Öhl»


1781: Die Erfindung eines ersten Fixiermittels

Traité chimique de l'air et du feu. / Charles-Guillome [Carl Wilhelm] SCHEELE. Avec une introduction de Torbern Bergmann. Ouvrage traduit de l'Allemand par le Baron de Dietrich. – Paris: Rue et Hôtel Serpente 1781. – Kl.8°. S. i-xliv, S. 45-268, 1 Falttafel mit 5 Fig. Neuer Ln.-Bibliothekseinband.

Der schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742-1786) wiederholte die Versuche von Johann Heinrich Schulze (1687-1747) über die Schwärzung von Chlorsilber durch Lichteinwirkung. Dabei erfand er ein erstes Fixiermittel. Hätten Wedgewood und Davy diese Schrift gekannt, wäre die Photographie bereits 1802 erfunden worden! - Die entscheidenden Stellen sind: § LX: Silber in Salpetersäure auf Kreide gegossen wird im Licht schwarz (= Versuch von Johann Heinrich Schulze). § LXIII: Chlorsilber in Ammoniak löslich, Silber nicht (= Erfindung eines ersten Fixiermittels); Ursache der Schwärzung ist die Lichteinwirkung und nicht die Wärme. § LXVI: Violette Strahlen haben die stärkste Wirkung auf Chlorsilberpapier (= auch noch die Erfindung der Spektralphotographie).

Ref.: Gernsheim, Geschichte der Photographie, S. 31. Eder, Quellenschriften, S. 151-165. Baier, Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie, S. 25/26 (deutsche Übersetzung). – Provenienz: Ex University of Chicago Library (ausgeschieden 1984). Good, Incunabula, Titel 66.

Photobibliothek.ch 11226

Bibliothekseinband 20. Jh.


1800: Napoleons Bruder hilft dem ersten Panorama in Paris

Handgeschriebener Brief vom 19. Ventôse an 8 de la République française [= 10. März 1800], diktiert und unterzeichnet vom französischen Innenminister Lucien Bonaparte, dem Bruder Napoléons, an den Präsidenten des Institut du Caire. Doppel-Briefbogen 31,0 x 20,3 cm. / Lucien BONAPARTE. – Briefkopf (gedruckt und handschriftlich ergänzt): "Liberté. [Gedrucktes Siegel.] Egalité." "Paris, le 19. Ventôse an 8 de la République française, une et indivisible." Rotes Lack-Siegel neben der Unterschrift Bonapartes. Stempel: "Bibliotheca Lindesiana"

Das Panorama wurde 1787 durch Robert Barker in London patentiert. Dieser gab am 26. April 1799 eine Lizenz für Frankreich an Robert Fulton, der diese am 8. Dezember 1799 an James Thayer weiterverkaufte. Dieser baute zwischen 1799 und 1805 mehrere Panoramen; an zwei davon erinnert noch heute die Passage des Panoramas, die zur gleichen Zeit erbaut wurde. «Citoyen James» Thayer suchte Hilfe beim Bruder Napoléons, Lucien Bonaparte (1775-1840), welcher das vorliegende Empfehlungsschreiben an den Präsidenten des Institut du Caire schrieb: «La nouvelle découverte, citoyen, connue sous le nom de Panorama, tient aux arts par son nature et par son objet. Le propriétaire de cette découverte désire avoir les dessins de la vue du Caire et des environs. [...] Mais il a besoin de votre secours pour assurer le succès de sa demande. [...] Je vous recommande en consequence la demande du citoyen James, et éxécution des dessins qu'il sollicite. Sa découverte est fait pour inspirer aux amateurs des arts un vif interêt...» [Die neue Entdeckung, Bürger, unter dem Namen Panorama, ist Kunst aufgrund seiner Natur und seines Gegenstandes. Der Besitzer dieser Entdeckung wünscht Zeichnungen von Ansichten von Kairo und seiner Umgebung zu machen. [...] Aber dazu benötigt er Ihre Hilfe, um den Erfolg seines Antrages sicherzustellen. [...] Ich empfehle Ihnen infolgedessen den Antrag des Bürger James und Ausführung der Zeichnungen, um die er ersucht. Seine Entdeckung ist wie gemacht, um bei Kunstliebhabern ein lebhaftes interesse zu wecken...]

Ref.: Plantureux, L'Epreuve du temps, 2003, Nr. 86. Sehsucht, 1993, S. 146-151. Comment, Das Panorama, 2000, S. 29 ff. – Provenienz: Bibliotheca Lindesiana (Alexander William Crawford Lindsay [1812-1880]) - Issoudun, 13.04.2003 - Serge Plantureux, Paris, 20.12.2003.

Photobibliothek.ch 12050


1802: Wichtiger Schritt auf dem Weg zur Erfindung der Photographie

A Journal of Natural Philosophy, Chemistry, and the Arts. Illustrated with Engrawings. / William NICHOLSON. – Vol. III. September - December 1802. – London: Printed by W. Stratford for the Author 1802. – 8°. [4], iv, 304, [4] S. Text, XV Kupfer-Tafeln. Ln.

S. 167-170: An Account of a Method of copying Paintings upon Glass, and of making Profiles by the Agency of Light upon Nitrat of Silver. Invented by T[homas] Wedgwood. With Observations by H[umphry] Davy. From the Journals of the Royal Institution, I. 170. - Thomas Wedgwood (1771-1805) und Humphry Davy (1778-1839) beschreiben, wie sie versuchten Bilder aus der Camera obscura festzuhalten. Kontaktdrucke botanischer Objekte auf  mit Silbernitrat bestrichenem Papier und Leder gelingen zwar, können aber nicht fixiert werden. Hätten Sie die Untersuchungen von Scheele gekannt, wäre die Photographie möglicherweise bereits viel früher erfunden worden.

Ref.: Gernsheim, Hundert Jahre Photographie 1839-1939, 12. Baier, Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie, S. 44-45 (vollständige deutsche Übersetzung).

Photobibliothek.ch 10850


1804: Orientierungsplan zum Panorama «View of Rome»

Explanation of the View of Rome, taken From the Tower of the Capitol, by R. R. Reinagle, now exhibiting at the Panorama, in the Strand. / Reinagle & Barker's PANORAMA. – Smithfield: J. Adlard, Printer, 1804. Orientierungsplan 42 x 33 cm.

Robert Barker (1739-1806) patentierte das Panorama 1787. Sein grösstes Panorama am Leicester Square in London existierte von 1793 bis 1864. Sein ältester Sohn, Thomas Edward Barker (Lebensdaten unbekannt), gründete 1803 mit dem Panoramamaler Ramsey Richard Reinagle (1775-1862) ein Konkurrenzunternehmen am Strand in London. Der vorliegende Orientierungsplan stammt vom ersten dort ausgestelten Panorama «View of Rome». Der Eintritt kostete 1 Schilling; darin war der vorliegende Orientierungsplan eingeschlossen. Für das «Book descriptive of the Painting» wurde ein weiterer Schilling verlangt. Das Panorama am Strand existierte bis 1831.

Ref.: Oettermann, Das Panorama, S. 86-88.

Photobibliothek.ch 12875


1807: Die Erfindung der Camera lucida

A Journal of Natural Philosophy, Chemistry, and the Arts. Illustrated with Engrawings. / William NICHOLSON. – Vol. XVII. June - August 1807. – London: Printed by W. Stratford for the Author 1807. – 8°. viii, 376, [7] S. Text, X Kupfer-Tafeln. Hldr.

S. 1-5, Tafel I: Description of the Camera Lucida. By W[illiam] H[yde] Wollaston. - William Hyde Wollaston (1766-1828) beschreibt die Erfindung der Camera lucida, einer neuartigen, ausserordentlich kleinen Zeichenmaschine. Talbot beschreibt in «The Pencil of Nature», dass er eine Camera lucida benutzte, aber trotzdem zuwenig zeichnerisches Talent besass, um befriedigende Resultate zu erzielen. Er suchte deshalb nach einer einfacheren Lösung und erfand so die Photographie auf Papier!

Ref.: Schaaf, Tracings of Light, 1989, S. 11 (Abb. Tafel I).

Photobibliothek.ch 10854


1807: Natürliche Magie

Die natürliche Magie aus allerhand belustigenden und nützlichen Kunststücken bestehend, erstlich zusammengetragen von Johann Christian Wiegleb, fortgesetzt von Gottfried Erich Rosenthal. Achter Band: Johann Niklaus Martius' Unterricht in der natürlichen Magie, oder zu allerhand belustigenden und nützlichen Kunststücken völlig umgearbeitet von Gottfried Erich Rosenthal. / Johann Christian WIEGLEB ; Gottfried Erich Rosenthal ; Johann Nikolaus Martius. – Zweyte verbesserte Auflage. – Berlin und Stettin: Friedrich Nicolai 1807. – 8°. [16], 358 S., II Falttabellen, XII Falttafeln in Kupferstich. Pbd. d. Zt.

Das Buch von Johann Nikolaus Martius war erstmals 1739 vorwiegend als «Zauberbuch» erschienen. 1786-1807 wurde das Werk von Johann Christian Wiegleb (1732-1800) und schliesslich von Gottfried Erich Rosenthal stark erweitert und neu herausgegeben. Es umfasste zuletzt 20 Bände über Elektrizität, Magnetismus, Optik, Chemie, Mechanik und Kartentricks . - Inhalt des vorliegenden Bandes: Elektrische, magnetische, optische, chemische, mechanische Kunststücke, Rechenkunststücke, oekonomische Kunststücke, Kartenkunststücke, Kunststücke des Naturaliensammlers, technologische Kunststücke, Spiele. Im Kapitel «Optische Kunststücke» werden 4 Arten der Camera obscura in Wort und Bild beschrieben (Tafel VII).

Photobibliothek.ch 2078


1807: Die Erfindung des Pyréolophores durch die Brüder Niépce

Die Entwicklung des Pyréolophores hatte stets Priorität vor der Héliographie. Der Pyréolophore wurde am 3. April 1807 in Frankreich zum Patent angemeldet und das Patent wurde am 20. Juli 1807 erteilt. Am 23. Dezember 1817 wurde die Erfindung auch in Grossbritannien patentiert, worauf Claude Niépce nach Kew (heute ein Stadtteil von London) übersiedelte, um dort den Bau und die Vermarktung der Erfindung voranzutreiben, während Joseph Nicéphore Niépce zuhause die Güter verwaltete. Als Nicéphore 1827 seine Bruder Claude in Kew besuchte, war dieser todkrank und hatte kaum etwas erreicht.

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Die Patentschrift von 1807 (Faksimile)

Brevet d'invention d'élivré aux Sieurs Joseph Nicéphore NIÉPCE et Claude Niépce pour une machine appelée Pyréolophore, dont le principe moteur est l'air dilaté par le feu; le 3 Avril 1807. – Il a été tiré de ce document 100 exemplaires sur offset à grain, numérotés de 1 à 100 [vorliegend No. 42]. – o.O. Le Samovar Facibat Anno 1983. – 2°. 35 S. Text, 4, 4 Falttafeln. Kartonage.

Das Dokument besteht aus zwei mehr oder weniger identischen Teilen: Der erste Teil wird in einem Zusatz auf der ersten Seite als «Brevet No. 397» bezeichnet und mit 1806 datiert; der zweite Teil hat ein Titelblatt mit der Bezeichnung «Brevet No. 409» und der Datierung 3. April 1807 sowie ein zusätzliches Blatt «Observations». Die Texte «Notice sur le Pyréolophore» und «Mémoire descriptif» sind in beiden Teilen identisch. Die vier Zeichnungen sind ebenfalls identisch, aber im zweiten Teil sorgfältiger ausgeführt.

Der Pyréolphore gilt als weltweit erster Verbrennungsmotor, doch wie funktionierte er? Am einfachsten ist der Vergleich mit einem Ottomotor, der bekanntlich mit den folgenden 4 Takten arbeitet: 1. Luft-Treibstoff-Gemisch ansaugen; 2. Verdichten des Gemisches; 3. Zündung und Verbrennung des Gemisches (= Arbeit leisten); 4. Ausstossen der Abgase. Die Funktionsweise des Pyréolophors ist im Verleich dazu folgende: 1. Ansaugen von Luft in einen Behälter und Zuführung des kurz zuvor entzündeten Treibstoffs (Bärlappsporen); 2. Verbrennung des Luft-Brennstoff-Gemisches, wobei durch die starke Ausdehnung des Gases eine Wassersäule ausgestossen wird, die das Boot vorantreibt; 3. Ausstossen der Abgase. Im Vergleich zum Ottomotor wird die Arbeitsleistung des Pyréolophors also nicht auf einen Kolben, sondern auf eine Wassersäule übertragen. Aber viel entscheidender ist das Fehlen von Takt 2 (Verdichten), was die Erzielung eines optimalen Kreisprozesses verhindert. Dazu muss allerdings bemerkt werden, dass die Theorie des Kreisprozesses der Wärmekraftmaschine erst 1824 durch Nicolas Léonard Sadi Carnot (1796-1832) aufgestellt wurde.

Photobibliothek.ch 14966

Erste Seite in Teil 1

        Schnittzeichnung in Teil 1:
        Fig. 1: Behälter, in dem die Verbrennung stattfindet,
        Rückstossrohr, Kolben zum Ansaugen der
        Verbrennungsluft und Ausstossen der Abgase
        Fig. 2: Zündung
        Fig. 3: Auspuff
        Fig. 4: Sicherheitsventil
        Fig. 5: Brennstoffdosierung
        Fig. 6: Blasebalg
         

Zeichnung mit Steuerungseinrichtungen in Teil 1

Gesamtansicht in Teil 1

Schnittzeichnung des Bootes in Teil 1,
nur das Rückstossrohr ist eingebaut

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Englische Erstveröffentlichung von 1818

The REPERTORY OF ARTS, Manufacturer and Agricultures. Consisting of original communications, specifications of patent inventions, practical and interesting papers, selected from the Philosphical Transactions and scientific journals of all nations. – Volume XXXII, second series. [No. CLXXXVII, December 1917 - No. CXCII, May 1818.] – London: Printed for J. Wyatt, Repertory office, 1818. – 8°. viii, 392 S. mit 14 Holzstichen, XI Tafeln (teilweise gefaltet). Halblederband mit Rückenschildchen.

S. 369-374 (Mai 1818): Report to the Institute [Académie des sciences de l’Institut de France] on a Machine invented by M. Niepce [recte: Messrs. Joseph Nicephore Niépce and Claude Niépce], and called Pyréolophorè [recte: Pyréolophore]; by Messrs. [Claude-Louis] Berthollet and [Lazare Nicolas Marguerite] Carnot. Read December 15, 1806, and printed in 1807.

Am 23. Dezember 1817 wurde der Pyréolophore auch in Grossbritannien patentiert. Deshalb wurde 1818 die Vorstellung des Pyréolophores von Claude-Louis Berthollet (1748-1822) und Lazare Nicolas Marguerite Carnot (1753-1823) aus dem Jahre 1806/1807 als englische Übersetzung in «Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture» veröffentlicht, wobei der Übersetzer darauf hinwies, dass eine ähnliche Erfindung von Montgolfier «was much more perfect than the machine of M. Niepce, at the date of this memoir». Montgolfiers Erfindung ist im gleichen Band denn auch wesentlich ausführlicher beschrieben (Tafel VIII) als die Erfindung der Brüder Niépce (keine Tafelabbildung). Es handelt sich in beiden Fällen um einen Verbrennungsmotor, bei Montgolfier aber um eine Pumpe und bei den Brüdern Niépce um einen Schiffsantrieb.

Photobibliothek.ch 14965


1816: Waterloo-Panorama – bereits ein Jahr nach der Schlacht

Description of the Field of Battle, and disposition of the troops engaged in the action fought on the 18th of June, 1815, near Waterloo; illustrative of the representation of that great event, in the PANORAMA, Leicester-Square [sic!]. – London: Panorama Leicester Square 1816. – 8°. 12, 2 S., Orientierungsplan 38 x 31 cm (gefaltet). Original-Interimsbroschur.

Robert Barker (1739-1806) patentierte das Panorama 1787. Sein grösstes Panorama am Leicester Square in London existierte von 1793 bis 1864. Nach Robert Barkers Tod führte dessen Sohn, Henry Aston Barker (1774-1856) das Panorama weiter. Bereits ein Jahr, nachdem Napoleon am 18. Juni 1815 endgültig besiegt worden war, war das Panorama der Schlacht von Waterloo zu besichtigen. Auf dem Orientierungsplan ist zu lesen: «Mr. H. A. Barker respectfully informs the Public, that, in order to give a correct Representation of the Battle of Waterloo, he went to Paris, and, from the Officers at Head-quarters, produced every possible Information on the Subject.» - Die vorliegende Broschüre enthält noch zusätzlich zwei Seiten Werbung «Proposals, by Messrs. Boydell and Co. for publishing a national print of The Battle of Waterloo; dedicated by most gracious permission, to his Royal Highness The Prince Regent», datiert «London, 1815».

Ref.: Oettermann, Das Panorama, S. 77-86. Comment, Das Panorama, S. 26, Abb. 12. Sehsucht, S. 137 (Abb. des Orientierungsplans).

Photobibliothek.ch 12876


1817/1818: Ignace Eugène Marie Degotti, der Lehrmeister Daguerres

Ignace Eugène Marie Degotti (gestorben 1824) spielte im Leben von Louis Jacques Mandé Daguerre (1787-1851) eine wichtige Rolle. Der 16-jährige Daguerre wurde nämlich 1803 zur Ausbildung als Theatermaler zu Degotti in die Lehre geschickt, was Daguerre für sein ganzes Leben prägen sollte.

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1. April 1817: Degotti an M. de La Ferté, l'Intendant des Menus plaisir du Roi

Eigenhändiger Brief von [Ignace Eugène Marie] Degotti an Monsieur de La Ferté, l'Intendant des Menus plaisir [du Roi], Paris, 1. April 1817. Doppel-Briefbogen 24,3 x 18,5 cm. / Ignace Eugène Marie DEGOTTI.

Im vorliegenden Schreiben unterbreitet Degotti zahlreiche Ratschläge über die Ateliers an der rue Louvois, die durch nächtliche Stürme verwüstet wurden, und er kritisiert das kleinliche Verhalten der Verwaltung.

Ref.: Plantureux, L'Epreuve du temps, 2003, Nr. 89. Gernsheim, Geschichte der Photographie, S. 55.

Provenienz: Georges Cogniot - Serge Plantureux, Paris, 2003.

Photobibliothek.ch 12052

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8. April 1818: Degotti an einen unbekannten Grafen in der Verwaltung
(mit einer Liste der Theatermaler-Kollegen von Daguerre)

Eigenhändiger Brief von [Ignace Eugène Marie] Degotti an einen unbekannten Grafen in der Verwaltung vom 8. April 1818. Doppel-Briefbogen 25,3 x 19,5 cm. / Ignace Eugène Marie DEGOTTI. – Links oben Eingangsvermerk von anderer Hand: "No. 956" " E 8 avril 1818".

Nach seiner Lehre bei Degotti machte sich Daguerre selbständig und arbeitete mit anderen Theatermalern an zahlreichen Panoramen mit. Im vorliegenden Schreiben unternimmt Degotti den verzweifelten Versuch, die Verwaltung von der Qualität seines Projekts für die Dekoration der Oper im Falle des Werkes «Olympie» zu überzeugen. Besonders interessant ist dabei eine Liste der Theatermaler, alles Kollegen von Daguerre, die er beschäftigten wollte: Péchan als Figurenmaler; Defontaine, Bora frères, Perrin, Duffour, Pouftin, Justin, Kervic und Fontaine als Architekturmaler; Bans als genereller Maler; Philippe als Marmormaler; Dufour als Ornamentmaler; Philatre, Dumais und Jouanis als Landschaftsmaler. Die Arbeiten wurden schliesslich auswärts vergeben, weil Degotti jede Änderung an seinem Projekt ablehnte. Die Folgen für Degotti waren fatal:  Er demissionierte und verlor dadurch die Pensionsberechtigung. 1824 verstarb er völlig verarmt.

Ref.: Plantureux, L'Epreuve du temps, 2003, Nr. 89. Stephen Pinson, Daguerre, Etudes Photographiques, Nr. 13, Juli 2003 (nicht in der Sammlung). Gernsheim, Geschichte der Photographie, S. 55. – Provenienz: Saffroy, Katalog März 1935, Nr. 27189 - Georges Cogniot - Serge Plantureux, Paris, 2003.

Photobibliothek.ch 12051


1819: Verbotene Bücher

INDEX LIBRORUM PROHIBITORUM. / Sanctissimi Domini Nostri Pii Septimi Pontificis Maximi Jussu Editus. – Romae: Ex Typographia Rev. Camerae Apostolicae 1819. – 8°. Schmutztitelblatt, Kupferstich-Frontispiz (Bücherverbrennung), XLIV S. mit Titelkupfer, 351 S., 8 Dekrete à 4 S. Original-Interimsbroschur.

Katholiken war es unter Strafe der Exkommunikation verboten, Bücher, die im Index Librorum Prohibitorum verzeichnet waren, zu besitzen oder zu lesen. Auch einige für die Geschichte der Photographie wichtigen Bücher befanden sich auf dem Index, wie «Miracoli, et maravigliosi effetti dalla natura prodotti» von Giovanni Battista Porta, oder «Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des Sciences, des Artes, & des Métiers» von Diderot und d'Alembert. Erstmals erschien der Index 1559, die letzte amtliche Ausgabe erschien 1948 mit Nachträgen bis 1962. Der Index wurde 1966 unter Papst Paul VI. abgeschafft. Der vorliegende Index erschien 1819 unter Papst Pius VII. und enthält die Nachträge (Dekrete) vom 17.12.1821, 27.8.1822, 20.1.1823, 19.1.1824, 6.9.1824, 26.3.1825, 5.9.1825 und 12.6.1826.

Ref.: Vollständige digitale Version dieser Ausgabe bei «Google Buchsuche».

Photobibliothek.ch 12874


Um 1925-1829: Dokumente zum Diorama von Daguerres Geschäftspartner Charles-Marie Bouton

Am 25. April 1821 schlossen Louis Jacques Mandé Daguerre (1787-1851) und Charles-Marie Bouton (1781-1853) einen Vertrag zur Errichtung eines «monument d'éxposition d'éffets de peinture (visible pendant le jour) sous la dénomination de Diorama». Dieses wurde in den darauf folgenden Monaten an der Place du Château d'Eau (heute Place de la République) erbaut. Die Geschäftspartnerschaft wurde 1830 aus unbekannten Gründen aufgelöst. Obwohl Daguerre 1839 die Erfindung des Diorama allein für sich in Anspruch nahm, ist anzunehmen, dass Bouton ebenfalls einen wesentlichen Anteil daran hatte.

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Um 1925: Bouton an den Bürgermeister von Turenne

Eigenhändiger Brief von [Charles-Marie] Bouton an Monsieur Bazile, Maire à Tourenne en Bourgogne, pour remettre à Monsieur Bizet. Briefbogen 25,5 x 20,0 cm, nicht datiert [um 1825]. / Charles-Marie BOUTON. – Firmensignet (gedruckt): "Diorama" "Direction rue des Marais" " Maison du Diorama" "Paris le ... 182..."

Bouton schreibt, dass es ihm unmöglich ist jetzt zu kommen, weil er an einem Bild  arbeiten muss, und er zudem Tag für Tag einen Käufer für das an den letzten Salon eingesandte grosse Bild erwartet. Ausserdem bedauert er, dass er seinen Freund Bonhof («un brave garçon que j'ai toujour aimé») nicht wieder treffen konnte. - Bazile ist Bürgermeister von Turenne und scheint ein Teilhaber des Dioramas zu sein. 1824 stellte Bouton «Ruines au bord de la mer» am Salon aus; 1827 wurde kein Werk von Bouton ausgestellt. Der Landschaftsmaler Bonhof (gestorben 1862) war, ebenso wie Bouton, ein Schüler von Prévost. Er arbeitete offenbar in Tourenne, jedenfalls stellte er 1827 «Vue de Tourenne» am Salon aus.

Ref.: Plantureux, L'Epreuve du temps, 2003, Nr. 90.

Provenienz: Georges Cogniot - Serge Plantureux, Paris, 2003.

Photobibliothek.ch 12049

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26. Februar 1829: Bouton an Monsieur Salgat – mit Erwähnung Daguerres

Eigenhändiger Brief von [Charles-Marie] Bouton an Monsieur Salgat, rue Buffault no. 22, faub[ourg] Montmartre, Paris, vom 25. Februar 1829. Briefbogen 20,3 x 12,6 cm. / Charles-Marie BOUTON. – Firmensignet (gedruckt): "Diorama" "Direction rue des Marais" " Maison du Diorama". Poststempel: "Fevrier" "26" "1829".

Der vorliegende Brief zeigt, dass die Durchsetzung von Ansprüchen an Erfindungen damals sehr hart war, erst recht dann, wenn der Erfinder bloss ein kleiner Angestellter war, wie Herr Rouget, um den es in diesem Brief geht: «Il est vrai que l'invention de l'échafaud, dont il est question est de moi et je trouve quelques faiblesse à Monsieur Rouget de se l'attribuer. Il est bien entré pour quelque chose dans les détails de la confection, ainsi que Monsieur Daguerre, mais c'est d'après mon programme qu'il a été éxécuté par Monsieur Rouget...» [Es ist wahr, dass die Erfindung des Arbeitsgerüstes, von dem die Rede ist, von mir ist, und ich finde es einigermassen schwach von Herrn Rouget, sich diese zuzuschreiben. Er war zwar verantwortlich für einige Einzelheiten der Herstellung, genauso wie Herr Daguerre, aber es waren meine Anweisungen, nach denen Herr Rouget arbeitete...] Was mit dem rätselhaften «échaffaud» genau gemeint ist, bleibt leider im Dunkeln.

Ref.: Plantureux, L'Epreuve du temps, 2003, Nr. 90. L'éspion et la fougère, abgebildt auf S. 32. – Provenienz: Georges Cogniot - Serge Plantureux, Paris, 2003.

Photobibliothek.ch 12048


1827: Werbezettel für das Diorama von Gropius in Berlin

Diorama von Carl [Wilhelm] GROPIUS, Universitäts- und Georgen-Strassen-Ecke. Werbezettel beidseitig bedruckt 26 x 21 cm, o.J. [ca. 1827].

Carl Wilhelm Gropius (1793-1870) eröffnete 1827 in Berlin eine ziemlich genaue Kopie von Daguerre's Diorama in Paris. Sein Bruder Georg Gropius (1802-1842) unterhielt gleichzeitig im Diorama eine Kunstgalerie, in der kurz nach Bekanntgabe der Erfindung bereits Daguerreotypien ausgestellt wurden. Das Diorama existierte bis 1850. - Der Werbezettel dürfte aus der Anfangszeit des Dioramas stammen, weil «Aussicht aus einer Grotte an der Küste von Sorrento» gemäss [1] zu den ersten beiden Dioramen gehörte, die Gropius bei der Eröffnung 1827 ausgestellt hatte. Interessante Details können dem Text entnommen werden: «Täglich in den Stunden von 11 bis 2 Uhr werden in drei verschiedenen Räumen nachstehende Acht neue Bilder gezeigt. [...] Im unteren Saale: 1) Alter Kreuzgang im Dome zu Zürich, erbaut von Karl dem Grossen. 2) Amalfi bei Neapel. 3) Die Jungfrau in der Schweiz. Im oberen Saale: 1) Ein Wald bei anbrechendem Morgen. 2) Hof im Kloster St. Franzesko in Assisi. 3) Platz vor demKloster in Assisi. Grosse Dioramen von der Rotunde aus zu sehen: 1) Kreuzgang des Franziskaner Klosters in Botzen. 2) Aussicht aus einer Grotte an der Küste von Sorrento auf das Meer und die Inseln Ischia, Procida und Capo Miseno. [...] Bei der Ansicht der grossen Bilder dreht sich der Raum mit den Zuschauern alle 10 Minuten von einem Bilde zum anderen, es steht indess Jedem frei, so lange zu verweilen als es beliebt.»

Ref.: [1] Gernsheim, L.J.M. Daguerre, 2. Aufl. 1968, S. 46/47 und S. 171/172. [2] Oettermann, Das Panorama, S. 67. [3] Sehsucht, S. 46 und S. 202-204. [4] Verwiebe, Lichtspiele, S. 85-88. [5] Jutta Schneider, Das Diorama der Gebr. Gropius, 1998 (Internet).

Photobibliothek.ch 12877


1829: Das erste Reisebuch mit ausschliesslich mechanisch aufgezeichneten Bildern

Forty Etchings, from Sketches Made with the Camera Lucida, in North America, in 1827 and 1828. / By Basil HALL. – Edinburgh [u.a.]: Cadell [u.a.] 1829. – 4°. Ungez. S. mit XL Radierungen, handkolorierte Faltkarte. Ln. mit Rückenschild d. Zt.

Mit Hilfe der Camera lucida, die 1807 von William Hyde Wollaston erfunden wurde, zeichnete Basil Hall seine Reiseeindrücke einer Amerikareise von 1827/1828 mechanisch auf und veröffentlichte diese 1829. Die Bilder zeigen unter anderem die Niagarafälle, Rochester, Indianer, Sklaven und den Mississippi. Besonders interessant das Memorandum, welches, wie später die Photographie, auf die hohe Wirklichkeitstreue hinweist: «No reduction, enlargement, or embellishment, has been allowed for any instance; but the very lines traced on the spot, have been transferred to the plates, in order to preserve, as far as possible, the character of truth which the mechanical accuracy of the Camera Lucida communicates to ist work.»

Ref.: Pollak, Die Welt der Photographie, S. 22 (Abb. «Western End of the Great Erie Canal»). Wood 49.202. Schaaf, Tracings of Light, 1989, S. 24-27.

Photobibliothek.ch 4351


1834: Talbot's Experimente über das Licht

Experiments on Light. A Paper read to the Royal Society, July 1834. / [William] H[enry] F[ox] TALBOT. – In: The London and Edinburgh Philosophical Magazine and Journal of Science. Third Series, Vol. 5, No. 25, November 1834. – [London: Taylor 1834.] – 8°. S. 321-334. Neuer Halbleder-Einband.

Talbot behandelt zwei Themen: 1. Microscopic Appearances with Polarized Light; 2. On Photometry. David Brewster war über diese Abhandlungen so beeindruckt, dass er sein «Treatise on the Microscope» 1837 Talbot widmete.

Ref.: Newhall, Die Väter der Photographie, 1978, S. 21.

Photobibliothek.ch 10860


1835: Talbot: «Das erste Gebäude, von dem jemals bekannt wurde, dass es sein eigenes Abbild gezeichnet habe»

Annals and Antiquities of Lacock Abbey, in the County of Wilts; with memorial of the foundress Ela Countes of Salisbury, and of the Earls of Salisbury of the Houses of Salisbury and Longspe; including notices of the monasteries of Bradenstoke, Hinten and Farley. / W[illiam] L[isle] BOWLES and John Gough Nichols. – [Erstausgabe.] – London: John Bowyer Nichols and Son 1835. – Gr.8°. xvi, 374, lxiii, [1] S. mit einigen Holzstichen im Text, [14] Kupferstich-Tafeln (inkl. Frontispiz und einen in den Text geklebten Kupferstich), V Ahnentafeln (davon 2 gefaltet). Moderner Halbleinen-Einband mit Rückenschildchen «History of Laycock (!) Abbey».

In «The Pencil of Nature» schreibt Talbot folgendes über Lacock Abbey und das vorliegende Buch (Übersetzung von Winfried Wiegand): «In meinem Bericht über "Das Verfahren des photogenischen Zeichnens", den ich der Royal Society im Januar 1839 vortrug, erwähnte ich dieses Gebäude als das erste, "von dem jemals bekannt wurde, dass es sein eigenes Abbild gezeichnet habe". Jene merkwürdigen Selbstdarstellungen sind zuerst im Sommer 1835 entstanden. Das Format war sehr klein, eigentlich handelte es sich nur um Miniaturen, allerdings um sehr scharfe; und die kürzeste Belichtungszeit betrug neun oder zehn Minuten. [Tafel XV.] [...] [Die Klosterschwestern von Lacock Abbey] haben der Nachwelt nur wenige Nachrichten über ihr Leben und Sterben hinterlassen. Das "Liber de Lacock" ist vermutlich beim Brand der Cottonian Library zerstört worden. Ich weiss nicht, was es enthielt – vielleicht ihre persönlichen Aufzeichnungen. Einiges ist dennoch überliefert oder wurde durch den Fleiss der Altertumsforscher entdeckt, und auf diesen Materialien beruht die interessante "History of Lacock Abbey", die der Dichter Bowles im Jahre 1835 veröffentlicht hat. [Tafel XVI.]» - Frontispiz: Im Erker über der Türe befindet sich das berühmte «Latticed Window», das auf dem ersten erhaltenen Negativ von 1935 abgebildet ist. Der Zeichner machte allerdings einen Fehler: er zeichnete nur 4 anstatt 5 Fenster... - In jüngster Zeit wird Lacock Abbey von Harry-Potter-Fans heimgesucht, weil die Abtei als Kulisse für die Zauberschule Hogwarts verwendet wurde. Der berühmte Topf, der in einem der Harry-Potter-Klassenräume steht, ist im Buch abgebildet (in den Text geklebter Kupferstich «The Nuns' Boiler» auf S. 360).

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Der Topf, der bei «Harry Potter» vorkommt

Ausschnitt aus dem Frontispiz: Das berühmte «Latticed Window»,
das auf dem ältesten erhaltenen Negativ abgebildet ist (Bild unten)
hat der Zeichner falsch mit 1+2+1 anstatt 1+3+1 Fenstern gezeichnet

Das älteste erhaltene Negativ von Talbot «Latticed Window»
vom August 1835 wird heute in der British Library aufbewahrt


1837: Frühe Erwähnung Daguerres in einer deutschen Publikation

EUROPA. Chronik der gebildeten Welt. / In Verbindung mit mehren Gelehrten und Künstlern herausgegeben von August Lewald. – 1837. Erster Band. – Leipzig, Stuttgart: J. Scheible 1837. – Gr.8°. 620 S., zahlreiche Beilagen. Pbd.

S. 117-119: Sidonie von Seefried, Blätter aus einem Album, II. Das Diorama. - Der Artikel beschreibt den Besuch der Autorin mit einem Engländer im Diorama von Louis Jacques Mandé Daguerre in Paris: «Heute reisen wir nach Gent, sehen auch noch den Schwarzwald und ruhen einen Augenblick in der Kirche St. Etienn du Mont aus. Was? den Schwarzwald, Gent und St. Etienne? [...] Das Volk drängt sich in das Schiff, die Orgel tönt im heiligen Liede, es ist Mitternachts-Messe! Der Heiland ist Euch geboren! Der letze Ton verhallt, die Lichter verlöschen, die Menge verliert sich, es ist tiefe Nacht, endlich ein matter Strahl, das erste schwache Licht, ein zitternder Schimmer an der Marmorstufe, es wird Tag, die Stühle sind leer; der Chor ist einsam.»

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>>> Sidonie von Seefried, Das Diorama, in: Europa, Band 1, 1837 (PDF)


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