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Varia & Curiosa 1901 bis heute

1910: Erste deutsche Monographie über Harunobu

Suzuki HARUNOBU. Mit 53 Abbildungen nach japanischen Originalen. / Julius Kurth. – München u. Leipzig: Piper 1910. – 4°. 123, [5] S. mit Abb. 2-53, Frontispiz mit mont. Farb-Abb. (= Abb. 1). Hln. – (Klassische Illustratoren ; 07)

Photobibliothek.ch 11521


1913: «Der Tod in Venedig» im Jahr der Erstausgabe

Der Tod in Venedig. Novelle. / Thomas MANN. – Achtzehnte Auflage. – Berlin: S. Fischer 1913. – 8°. 145 S. Halbpergament mit Rückenschildchen und Kopfgoldschnitt.

18. Tausend im Jahr der Erstausgabe.

Ref.: Haack 10.6: Erster Einzeldruck; Potempa E 26.3; Bürgin I 8A.

Photobibliothek.ch 49


1914-1946: «Dada ist die beste Lilienmilchseife der Welt»

Am 14. Juli 1916 sagte Hugo Ball im Eröffnungs-Manifest zum 1. Dada-Abend in Zürich: «Wie erlangt man die ewige Seligkeit? Indem man Dada sagt. Wie wird man berühmt? Indem man Dada sagt. Mit edlem Gestus und mit feinem Anstand. Bis zum Irrsinn, bis zur Bewußtlosigkeit. Wie kann man alles Aalige und Journalige, alles Nette und Adrette, alles Vermoralisierte, Vertierte, Gezierte abtun? Indem man Dada sagt. Dada ist die Weltseele, Dada ist der Clou, Dada ist die beste Lilienmilchseife der Welt. Dada Herr Rubiner, Dada Herr Korrodi, Dada Herr Anastasius Lilienstein.»

Die Firma Bergmann & Co. wurde 1891 in Zürich als Niederlassung der «Parfumerie & Fein-Seifen-Fabrik» aus Dresden gegründet. Von dieser übernahm sie die Schutzmarken «Lilienmilchseife» und «Steckenpferd». Um auch eine Schutzmarke für die französischsprachigen Teil der Schweiz zu haben, liess sie 1906 zusätzlich den französischen Begriff für «Steckenpferd» nämlich «Dada» als Schutzmarke eintragen. Deshalb gehen Bolliger/Magnaguagno/Meyer davon aus, dass Hugo Ball das Wort «Dada» möglicherweise bei Bergmann & Co. gefunden hat, zumal er ja die Lilienmilchseife, wie das Eröffnungs-Manifest beweist, mit Sicherheit gekannt hatte!

Ref.: Bolliger/Magnaguagno/Meyer, Dada in Zürich, 1985, S. 25-27 (Neues zum Namensmythos), S. 256 (Eröffnungs-Manifest).

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Lilienmilchseife (um 1914)

Lilienmilchseife 75 Cts. Emaille-Werbetafel aus bombiertem Stahlblech 100 x 75 cm, o.J. [um 1914]. / BERGMANN & Co., Parfümerie & Toilette-Seifen-Fabrik, Zürich. – Links oben: "[Af]fichage National Neuchâtel". Rechts unten: "Matallwarenfabrik Zug".

Interessant ist, dass auf der Webetafel nicht weniger als 7 Schriftarten kreuz und quer und übereinander angeordnet sind, das gleiche Chaos wie auf den Schriften und Plakaten der Dadaisten! War auch das Layout Inspiration der Dadaisten?

Zustand: Emaille-Absplitterungen

Photobibliothek.ch 11808

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Dada-Kopfwasser (um 1914)

DADA-Kopfwasser gegen Haarausfall - Kopfwasser «DADA» gegen Ausfallen der Haare - Cream «DADA» gegen rote, spröde und aufgesprungene Haut. 3 Reklamemarken 45 x 35 mm, o.J. [um 1914]. / [Bergmann & Co. Zürich.]

Reklamemarken wurden vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges hergestellt. Der ursprüngliche Zweck dieser Werbeträger war es, als eine Art «Miniaturplakat» auf Briefe und dergleichen geklebt zu werden. Bald wurden sie jedoch in erster Linie zum begehrten Sammelobjekt, ähnlich den Briefmarken in der Philatelie.

Photobibliothek.ch 15960

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Dada-Almanach (1920)

DADA ALMANACH. Mit Bildern. / Im Auftrag des Zentralamtes der deutschen Dada-Bewegung herausgegeben von Richard Huelsenbeck. – [Erstausgabe.] – Berlin: Erich Reiss 1920. – Kl.8°. [2], 159, [1] S., [8] Bl. Tafeln. Kartonage illustriert.

Die in dem Band zusammengestellten Texte und Photographien der dadaistischen Bewegung bilden die wichtigsten Dokumente von Dada als einer Epoche. Auf dem Umschlag die berühmte Photomontage von Otto Schmalhausen, genannt Dada-Oz, dem Schwager von Georg Grosz: Eine Totenmaske von Beethoven mit aufgemalten Augen und mit Stempel auf der Stirn «OZ DADA-WORKS». Auf den Tafeln Erstveröffentlichung bekannter Photographien: George Grosz und John Heartfield mit der Tafel «Die Kunst ist tot, es lebe die neue Maschinenkunst Tatlins», die Eröffnung der ersten grossen Dada-Ausstellung in Berlin, aber auch «Stilles Glück» mit Familie Heartfield unter Weihnachtsbaum. - Kindlers neues Literaturlexikon: [...] Huelsenbeck versammelt Dokumente des Züricher, Berliner und Pariser Dadaismus, wobei ersterer durch die Chronique Zurichoise (1920) von Tristan Tzara (1896-1963) vertreten ist. Unter collagierender Vewendung der originalen Verlagsanzeigen beschränkt sich Tzaras - im Gegensatz zu anderen fremdsprachigen Artikeln - unübersetzter französischer Originalbeitrag auf die pure Rekapitulation von Aktivitäten der Züricher Urzelle des Dadaismus in den Jahren 1915-1919. Dabei bietet die Chronique Zurichoise so etwas wie ein frühes Werkverzeichnis des bereits 1920 historischen Züricher Dadaismus; sie listet Zeitpunkt und Art der Dada-Veranstaltungen auf, benennt Dada-Zeitschriften und deren «Collaborateurs». [...] Den Berliner Dadaismus, den der aus Zürich angereiste Huelsenbeck dort seit 1918 lanciert, ist durch einige zentrale Manifeste vertreten, darunter Huelsenbecks erstes deutsches Dada-Manifest, J. Baaders Deutschlands Größe und Untergang und R. Hausmanns Rückkehr zur Gegenständlichkeit in der Kunst. Überproportional sind im Dada-Almanach die Pariser Dadaisten (T. Tzara, F. Picabia, P. Eluard) vertreten, denen Huelsenbeck selbst zwar durchaus verächtlich gegenüberstand, die aber zum Zeitpunkt des Erscheinens des Almanachs die einzig lebensfähige Zelle des Avantgardismus zu sein schienen. Huelsenbeck versucht noch einmal die in Wahrheit bereits zerfallende Dadaistische Vereinigung in einer integrierend internationalistischen Geste wenigstens auf dem Papier zu einen.

Ref.: Dada in Zürich Nr. 86.

Photobibliothek.ch 11951

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Hugo Balls Tagebücher (Dritte Ausgabe 1946)

Flucht aus der Zeit. / Hugo BALL. – [Dritte Ausgabe.] – Luzern: Josef Stocker 1946. – Gr.8°. XXIX, 311 S. mit Frontispiz. Ln. SU.

Ein Querschnitt aus Hugo Balls Tagebüchern von 1913 bis 1921. Neben der «Chronique zurichoise» von Tristan Tzara (im Dada-Almanach, 1920) ist dies der ausführlichste und authentischste Bericht über den Dadaismus in Zürich. - 1. Ausgabe = 1927. 2. Ausgabe = 1931 mit Vorwort von Hermann Hesse. Nur die vorliegende 3. Ausgabe mit Vorwort von Emmy Ball-Hennings und mit Photo der Totenmaske Hugo Balls als Frontispiz.

Ref.: Dada in Zürich, 1985, Einzelschriften No. 72. – Zustand: SU etwas fleckig

Photobibliothek.ch 11830


1915: «Das Rütli der UdSSR»

Die ZIMMERWALDER LINKE über die Aufgaben der Arbeiterklasse. – Zürich: Fritz Plat[t]en November 1915. – 8°. 8 S. Br. – (Internationale Flugblätter ; 01)

Wichtiges Dokument zur Geschichte der Sozialdemokratie. Am 5. bis 8. September 1915 kamen 38 Sozialdemokraten aus 11 Ländern in Zimmerwald zur später berühmten Friedenskonferenz zusammen. Organisiert wurde die Konferenz vom Schweizer Arbeiterführer Robert Grimm unter grösster Geheimhaltung als «Ornithologen-Kongress». Dabei wurde Lenins Resolutionsentwurf, der die Umwandlung des imperialistischen Krieges in eine soziale Revolution fordert («Burgkrieg, nicht Burgfriede ist die Losung!»), zugunsten eines abgeschwächten Manifests abgelehnt, welches von Leo Trotzki verfasst wurde. Die Sowjetunion hat ihren Gründungsmythos immer mit Zimmerwald verbunden - Historiker bezeichneten deshalb Zimmerwald als «Das Rütli der UdSSR». Das Errichten einer Gedenkstätte und selbst das Anbringen einer Gedenktafel hatten die Zimmerwalder Behörden jedoch immer erfolgreich verhindert. Mit dem Abbruch des «Lenin-Hauses» im Jahre 1971 wurde die Ruhe und Ordnung im Dorf gesichert. Zum 100-jährigen Jubiläum der Konferenz wurde im Reginalmuseum Schwarzwasser vom 3. Mai bis 22. November 2015 eine Ausstellung veranstaltet.

Ref.: Solschenizyn, Lenin in Zürich, 1977, S. 52ff. Kraus, Die Saga von den kostbaren Büchern, 1982, S. 209/210 (Lenin-Briefe). Berner Landbote, 28.4.2015. Tages-Anzeiger, 7.9.2015, S. 3. – Provenienz: Wiener, Winterthur.

Photobibliothek.ch 1558


1917: Relativitätstheorie

Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie. (Gemeinverständlich.) Mit 3 Figuren. / Von A[lbert] EINSTEIN. – 2. Auflage. – Braunschweig: Friedr[ich] Vieweg & Sohn 1917. – 8°. IV, 70 S. mit 3 Figuren. Broschur. – (Sammlung Vieweg - Tagesfragen aus den Gebieten der Naturwissenschaften und der Technik ; 38)

Nachdem Albert Einstein (1879-1955) anfangs 1916 die allgemeine Relativitätstheorie vollendet hatte, begann er auf Anraten von Kollegen, eine gemeinverständliche Abhandlung zu schreiben, die er im Dezember 1916 abschloss. Die Erstausgabe erschien 1917. Die knappe Darstellung der speziellen und der allgemeinen Relativitätstheorie erreichte zwar viele Leser, aber Einstein meinte, dass das als «gemeinverständlich» beworbene Buch eher «gemeinunverständlich» genannt werden sollte. Die Nachfrage nach dem Buch stieg 1919 sprunghaft an, als die Resultate der Sonnenfinsternis-Expeditionen von 1919 mit den Vorhersagen der allgemeinen Relativitätstheorie übereinstimmten und grosses Aufsehen erregten. - Die vorliegende zweite Auflage erschien im gleichen Jahr wie die Erstausgabe und ist mit dieser identisch. Die dritte, erweiterte Auflage hatte 13 Seiten mehr und wurde 1918 veröffentlicht. Die erste englische Ausgabe erschien 1920 gemeinsam mit der bereits zehnten deutschen Auflage.

Photobibliothek.ch 14546

Einband

Das berühmte Gedankenexperiment mit Zug und Fahrdamm

Die berühmte Formel E = mc²


1918: Thomas Manns Betrachtungen zum Ersten Weltkrieg

Betrachtungen eines Unpolitischen. / Thomas MANN. – [Erstausgabe.] – Berlin: S. Fischer 1918. – 8°. XXXXIV, 611 S. Hln.

Thomas Mann arbeitete von 1916 bis 1918 an seinem Buch über den Ersten Weltkrieg. Das Buch lag pünktlich zum Waffenstillstand Ende 1918 vor. Er vertritt eine patriotische Grundhaltung und weist die Angriffe und Vorwürfe des «Zivilisationsliteraten», gemeint ist sein älterer Bruder Heinrich Mann, entschieden zurück.

Ref.: Haucke, Kat. V, Nr. 644. Haack 18: Erstdruck; Potempa G 108.1; Bürgin I 12; WG² 14.

Photobibliothek.ch 50


1922: Frühes Grundlagenwerk zum japanischen Farbholzschnitt

Der japanische Holzschnitt. Ein Abriss seiner Geschichte. Mit achtundachzig Abbildungen und drei Signaturtafeln. / Julius KURTH. – Neuntes bis dreizehntes Tausend, dritte durchgesehene Auflage. – München: Piper 1922. – 4°. 172 S. mit 87 Abb., 1 Bl. mit Abb. 22a. Hln. ill.

Photobibliothek.ch 11523


1922/1932: Standardwerke Sharaku

Von Julius Kurth (1922)

[Toshusai] SHARAKU. / Julius Kurth. – Zweite, stark bearbeitete Auflage. – München: Piper 1922. – 4°. [4], 215 S. mit 7 Textabb., 83 Tfln. und 1 Plan, 3 Bl. Farbtfln. Hln. SU.

Standardwerk über den geheimnisvollsten japanischen Farbholzschnitt-Künstler: Sharaku tauchte 1794 aus dem Nichts auf, schuf 144 der bedeutendsten Farbholzschnitte und verschwand 1795 wieder spurlos von der Bildfläche. Seine Themen waren Kabuki-Theater und Sumo-Ringen.

Ref.: Japanische Farbholzschnitte, 1993, S. 20.

Photobibliothek.ch 2774

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Von Fritz Rumpf (1932)

[Toshusai] SHARAKU. / Fritz Rumpf. – Zweite Auflage. – Berlin Lankwitz: Würfel Verlag 1932. – 8°. XI, 132 S. mit Abb. Seideneinband.

Standardwerk zum geheimnisvollsten Ukiyo-e-Künstler Sharaku.

Photobibliothek.ch 12270


1924: Einen van Gogh für 3600 Franken

Vincent van GOGH. Katalog mit Zusätzen aus den Briefen des Künstlers. / Kunsthaus Zürich. – Zürich: Kunsthaus 3.7.-10.8.1924. – 8°. 48 S. Br.

Verzeichnet 99 Titel. «Den Verkauf vermittelt ausschliesslich die Zürcher Kunstgesellschaft, man melde sich im Sekretariat»: Von Fr. 3'600.- (Zeichnung «Olivengarten») bis Fr. 45'000.- (Gemälde «Die Feldarbeiter, nach Millet»).

Photobibliothek.ch 9571


1926-1941: James Joyce

Jugendbildnis (deutsche Erstausgabe 1926)

Jugendbildnis. / James JOYCE. Deutsch von Georg Goyert. – [Deutsche Erstausgabe.] – Basel: Rhein-Verlag o.J. [1926]. – Kl.8°. 373 S. Krt.

Ref.: Recklinghausen, Joyce, 1968, S. 82.

Photobibliothek.ch 1537

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Ulysses in der Ausgabe von Shakespeare and Company (9th printing 1927)

Ulysses. / By James JOYCE. – 9th printing. – Paris: Shakespeare and Company, 12, rue de l'Odéon, May 1927. – Gr.8°. [6], 735 S. Broschur mit blauem Umschlag.

«Ulysses» ist wohl der einflussreichste Romane des 20. Jahrhunderts. James Joyce (1882-1941) schrieb den Roman zwischen 1914 und 1921. Auszüge daraus, die ab 1918 in amerikanischen und englischen Zeitschriften erschienen waren, wurden wegen Obszönität konfisziert. Sylvia Beach (1887-1962) wagte dann 1922, eine erste vollständige Ausgabe in ihrer Buchhandlung Shakespeare and Company in Paris herauszubringen. Joyce wünschte das Buch in Griechisch-Blau eingebunden, wie die Flagge, die über dem Eingang von Shakespeare and Company wehte. Infolge Vergilbens ist das Griechisch-Blau im Laufe der Jahre eher zu einem ägäischen Meeres-Grün geworden.

Auf Seite 5 (vor der eingedruckten Paginierung) ist die Editionsgeschichte bis zum vorliegenden 9. Druck aufgeführt:
1st Printing (Shakespeare and Company, Paris): February 1922
(1000 numbred Copies)
2nd Printing (Egoist Press, London): October 1922
(2000 numbred copies, of which 500 copies burned by New York Post Office Authorities)
3rd Printing (Egoist Press, London): January 1923
(500 numbred copies, of which 499 seized by Customs Authorities, Folkstone)
4th Printing (Shakespeare and Company, Paris): January 1924
5th Printing (Shakespeare and Company, Paris): September 1924
6th Printing (Shakespeare and Company, Paris): August 1925
7th Printing (Shakespeare and Company, Paris): December 1925
8th Printing (Shakespeare and Company, Paris): May 1926
(type entirely re-set)
9th Printing (Shakespeare and Company, Paris): May 1927
Nach dem vorliegenden 9. Druck kamen noch zwei Ausgaben bei Shakespeare and Company heraus:
10th Printing (Shakespeare and Company, Paris): 1928
11th Printing (Shakespeare and Company, Paris): 1930

Ref.: Sylvia Beach, Treffpunkt - ein Buchladen in Paris, 1962. – Zustand: Umschlag und Rücken mit Fehlstellen.

Photobibliothek.ch 13473

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Ulysses (erste deutsche Buchhandelsausgabe 1930)

Ulysses. 2 Bände. / James JOYCE. Vom Verfasser geprüfte definitive deutsche Ausgabe von Georg Goyert. – [Erste deutsche Buchhandelsausgabe.] – Zürich: Rhein-Verlag 1930. – 8°. 632 S.; 611 S. Hldr., Goldprägung, Marmorpapier.

Die deutsche Übersetzung von Georg Goyert war die erste fremdsprachige Ausgabe des «Ulysses» überhaupt. Sie erschien zu einem Zeitpunkt (zuerst 1927 als Privatdruck), als das Buch im englischen Sprachraum noch verboten war. Die Kritik der Übersetzung  reichte von «man glaubt das Original zu lesen» (Paul Fechter) bis zu «hier ist entweder ein Mord geschehen oder eine Leiche photographiert worden» (Kurt Tucholsky). Immerhin ist die Goyert'sche Übersetzung unter Mitarbeit von Joyce entstanden. Wie weit allerdings die deutschen Sprachkenntnisse von Joyce (und auch die englischen Sprachkenntnisse der Kritiker) reichten, ist umstritten.

Ref.:Fischer-Seidel (Hrsg.), James Joyces «Ulysses», 1977, S. 105 ff.

Photobibliothek.ch 40

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Finnegans Wake (Erstdruck «Dritte Shaun-Episode» 1929)

TRANSITION. An International Quarterly for Creative Experiment. – Number 15, February 1929, Winter number. – Paris: Shakespeare and Co. 1929. – Gr.8°. 298, [12] S. Text, [32] S. Tafeln. Broschur photographisch illustriert.

In «Transition» erschienen die Erstdrucke von James Joyce's «Finnegans Wake» unter dem Titel «Work in Progress». In der vorliegenden Nummer 15 ist es die «Dritte Shaun-Episode» (= Finnegans Wake III, 3).

Ref.: Recklinghausen, James Joyce - Chronik von Leben und Werk, 1968. – Zustand: Tafel nach S. 102 kopfstehend eingebunden.

Photobibliothek.ch 16269

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Die Geschichte von «Shakespeare and Company» (1962)

Treffpunkt - ein Buchladen in Paris. Mit 15 Abbildungen. / Sylvia BEACH. Aus dem Amerikanischen von Lilly v[on] Sauter.  Fotos:  Man Ray (2) Gisèle Freund (3) [u.a.]. – [Deutsche Erstausgabe.] – München: List o.J. [1962]. – 8°. 289, [3] S., 6 S. Tafeln. Ln. farbig ill.

Sylvia Beachs amerikanische Buchhandlung in Paris «Shakespeare and Company» war für ein Vierteljahrhundert literarischer Mittelpunkt der Stadt. Gertrude Stein gehörte ebenso zu ihren Besucherinnen wie Ezra Pound, Ernest Hemingway und James Joyce. In ihren Erinnerungen entfaltet die inspirierte und inspirierende Buchhändlerin eine anschauliche Kulturgeschichte zwischen den beiden Weltkriegen. [Kurzbeschreibung der Neuausgabe von 1982.]  - Die Originalausgabe «Shakespeare and Company» erschien 1959 in New York.

Photobibliothek.ch 12175

Eine Gedenktafel an der rue de l'Odeon 12 erinnert an die ehemalige
Buchhandlung von Sylvia Beach; heute ist es ein Modegeschäft
(Photos 2007)

 Der Amerikaner George Whitman (1913-2011) – er schaut aus dem Fenster im ersten Stock – nannte seine 1951 gegründete Buchhandlung in der rue de la Bûcherie 37 zu Ehren von Sylvia Beach «Shakespeare and Company»; die Buchhandlung wurde zu einem wichtigen Treffpunkt für Schriftsteller der «Beat Generation» wie Allen Ginsberg und William Burroughs (Photo 2003)

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Dublin (deutsche Erstausgabe 1928)

Dublin. Novellen. / James JOYCE. Deutsch von Georg Goyert. – [Deutsche Erstausgabe.] – Basel: Rhein-Verlag o.J. [1928]. – Kl.8°. 310 S. Ln. SU.

Mit dem seltenen Schutzumschlag, welcher ein photographisches Porträt von James Joyce und folgenden Text zeigt: «Die berühmten Novellen, in denen der irische Dichter seine Vaterstadt schildert. Seine Landsleute haben die erste Auflage auf dem Scheiterhaufen verbrannt.»

Photobibliothek.ch 9804

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In Memoriam James Joyce (1941)

In Memoriam James JOYCE. / Edited by C[arola] Giedion-Welcker. – Zürich: Fretz & Wasmuth 1941. – Gr.8°. 55 S., Frontispiz, 1 Tafel. Krt.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich floh Joyce 1940 nach Zürich. Dort erlitt er am 11. Januar 1941 überraschend einen Darmdurchbruch und musste operiert werden. Er überlebte die Operation nicht, er starb am 13. Januar 1941. Am 15. Januar wurde er auf dem Friedhof Fluntern beerdigt. – Bildlegende zum Frontispiz: «Death-Mask of James Joyce executed under the direction of the sculptor Paul Speck. Photograph by Hans Finsler, Zurich.» Bildlegende zur Tafel: «James Joyce, "Platzspitz" Zürich, 1938. Photograph by C. Giedion-Welcker.»

Photobibliothek.ch 9

James Joyce (1882-1941) beobachtet die Besucher seines Grabes im Friedhof Fluntern in Zürich. Seine Frau Nora Barnacle (1884-1951) und sein Sohn Giorgio Joyce (1905-1976) sind im gleichen Grab bestattet.
(Photo 2009)


1927: Hesses bekanntestes Buch

Der Steppenwolf. / Hermann HESSE. – 1.-15. Tsd. [Erstausgabe.] – Berlin: S. Fischer 1927. – 8°. 289 S., 33 S. «Tractat vom Steppenwolf». Ln.

Photobibliothek.ch 34


1927: «Das Buch vom Tee» in der französischen Erstausgabe

Le Livre du Thé. / Kakuzo OKAKURA. Traduit de l'Anglais par Gabriel Mourey. Illustrations de Loka-Hasegawa. – [Französische Erstausgabe.] – Paris: André Delpeuch 1927. – Kl.8°. 159, [7] S. mit illustrationnen. Krt. ill. – (Orientales)

Die Originalausgabe «The Book of Tea» von Kakuzo Okakura (1863-1913) erschien 1906, die deutsche Erstausgabe 1922 und die vorliegende französische 1927.

Ref.: BnF (franz. EA = 1927).

Photobibliothek.ch 11849


1927-1929: Kurt Tuckolsky

Ein Pyrenäenbuch (Erstausgabe 1927)

Ein Pyrenäenbuch. Mit 33 Abb. / Peter Panter [d.i. Kurt TUCHOLSKY]. – [Erstausgabe.] – Berlin: Verlag «Die Schmiede» 1927. – Gr.8°. 289 S. mit 1 Abb., [24] S. Tfln. mit 32 Abb. Ln.

Illustrierte Erstausgabe (die weiteren Ausgaben erschienen bei Rowohlt und waren nicht illustriert).

Photobibliothek.ch 78

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Ein Pyrenäenbuch (zweite Auflage 1930)

Ein Pyrenäenbuch. / Peter Panter [d.i. Kurt TUCHOLSKY]. – 6.-11. Tsd. – Berlin: Rowohlt 1930. – 8°. 249 S. Krt. SU (Photos von Kirche und Grotte).

Diese 2. Auflage war die erste Ausgabe bei Rowohlt (die Erstausgabe erschien 1927 in Berlin im Verlag «Die Schmiede»).

Photobibliothek.ch 80

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Mit 5 PS (zweite Auflage 1927)

Mit 5 PS. / Kurt TUCHOLSKY. – 5.-9. Tsd. – Berlin: Rowohlt 1927. – 8°. 379 S. Ln. SU.

Der Schutzumschlag zeigt 5 cartes-de-visite, die die Pseudonyme Theobald Tiger, Peter Panter, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser sowie Tucholsky (Kind auf Schaukelpferd) darstellen. Im ersten Teil «Start» schildert Tucholsky die Geschichte der Pseudonyme.

Photobibliothek.ch 77

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Das Lächeln der Mona Lisa (Erstausgbe 1929)

Das Lächeln der Mona Lisa. / Kurt TUCHOLSKY. – 1.-10. Tsd. – Berlin: Rowohlt 1929. – 8°. 387 S. Ln. SU.

Mit dem bekannten Schutzumschlag. Sehr selten!

Zustand: SU aufgedoppelt (Fehlstellen am Rücken)

Photobibliothek.ch 79


1927: In der Riesenstadt Chicago

Im Dickicht der Städte. Der Kampf zweier Männer in der Riesenstadt Chicago. / Schauspiel von Bertolt BRECHT. [Photomontage auf dem Einband von Ernst Aufseeser.] – [Erstausgabe.] – Berlin: Propyläen-Verlag 1927. – 8°. 119, [1] S., [6] S. mit [4] Tafeln, [2] S. Pappband illustriert.

Auf dem Einband die bekannte Photomontage von Ernst Aufseeser (1880-1940). Dieser lehrte von 1914 bis 1933 an der Düsseldorfer Kunstakademie. Im Anhang unter dem Titel «Städte- und Menschentypen aus den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts» 4 photographische Tafeln.

Photobibliothek.ch 15111


1928: Der Pariser Dadaist und Surrealist Philippe Soupault

Der Neger. / Von Philippe SOUPAULT. Aus dem Französischen übertragen von Lissy Rademacher. Nachwort von Heinrich Mann. Fotomontage des Schutzumschlages von Busso Malchov. – Berlin: J. M. Spaeth 1928. – 8°. 180, [3] S. Englische Broschur. SU.

Photobibliothek.ch 15195

Der umlaufende Schutzumschlag ist bis über beide Klappen bebildert


1928-1934: Alfred Döblin

Im Buch - Zu Haus - Auf der Strasse (1928)

Alfred Döblin. Im Buch - Zu Haus - Auf der Strasse. / Alfred DÖBLIN ; Oskar Loerke. [Schutzumschlag von Sasha Stone.] – 1.-3. Aufl. – Berlin: S. Fischer 1928. – 8°. 177, [6] S., Frontispiz, [6] S. Tfln. Englische Broschur. SU.

Ref.: WG 23. – Zustand: SU-Vorderseite und Rücken mit Fehlstellen, SU-Rückseite fehlt ganz

Photobibliothek.ch 1871

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Babylonische Wandrung oder Hochmut kommt vor dem Fall (1934)

Babylonische Wandrung oder Hochmut kommt vor dem Fall. Roman. / Alfred DÖBLIN. Buchausstattung von P. L. Urban. – [Erstausgabe.] – Amsterdam: Querido Verlag 1934. – 8°. 694 S. mit Ill. Hln. SU.

Auf der Flucht vor den Nazis, anfangs März 1933, verbrachte Alfred Döblin (1878-1957) zunächst über ein halbes Jahr in Zürich bevor er weiter nach Paris emigrierte. In Zürich schrieb er am vorliegenden, ziemlich absonderlichen Roman. So ist es denn nicht verwunderlich, dass das Buch auch ein Kapitel «Zürich» enthält. Im grotesk-surrealistischen Exilroman wird der babylonische Gott Konrad ins 20.Jahrhundert versetzt und erlebt, neben zahlreichen humorvollen Abenteuern, eine religiöse Läuterung. - Interessanter Schutzumschlag von P. L. Urban (in der gleichen Art wie der gesuchte Schutzumschlag «Berlin Alexanderplatz» von Georg Salter).

Ref.: Landshuter, Verschimmelter Gott am Bellevue, in: TA 5.3.2004, S. 51 (Serie «Geschrieben in Zürich»). Sternfeld/Tiedemann 103. Wilpert/Gühring 2. Aufl. 35.

Photobibliothek.ch 11713


1929: Mit «53 Stationen des Tokaido» in der Hoeido-Ausgabe

Hizakurigé (Tokaido Circuit). / Jippensha IKKU. – Published by subscription, No. 141. – Kobe: Chronical Press 1929. – 4°. xii, [4], 411, [1] S. mit Textholzstichen, [10] Bl. Original-Farbholzschnitte. Ln.

Ungekürzte englische Übersetzung des 1802 erstmals erschienenen «Tokaido-chu Hizakurige» (deutsch: «Auf Schusters Rappen auf dem Tokaido») von Jippensha Ikku (1765-1831). Es sind dies die Abenteuer der beiden Edo-Kleinbürger Yajirobei (Yaji) und Kitahachi (Kita). - Die Textholzstiche basieren auf den Original-Illustrationen, die teilweise auf Ikku zurückgehen. Die 10 Original-Farbholzschnitte stammen aus der Serie «53 Stationen des Tokaido» von Ando Hiroshige (1797-1858). Im einzelnen sind es die Blatt-Nummern: 1. Nihon-bashi (Beginn des Tokaido in Tokyo); 6. Totsuka (5. Station); 11. Hakone (10. Station); 17. Yui (16. Station); 22. Okabe (21. Station); 23. Fujieda (22. Station); 25. Kanaya (24. Station); 32. Arai (31. Station); 41. Narumi (40. Station); 55. Sanjo-ohashi (Ende des Tokaido in Kyoto).

Ref.: Ando Hiroshige, Tokaido Landschaften, 1958, S. 13.

Photobibliothek.ch 11527

>>> Varia et Curiosa: Japanische Farbholzschnitte


1929: Der rasende Reporter Egon Erwin Kisch

Zurivy Reporter (1929)

Zurivy Reporter. / Egon Erwin KISCH. Autorisovany preklad Jarmily Haasove. [Schutzumschlag mit einer Photomontage von Umbo (d.i. Otto Umbehr).] – Praha: Pokrok 1929. – 8°. 268, [3] S. Englische Broschur. SU. – (Spisy Egona Erwina Kische ; 02)

Nur in dieser tschechischen Ausgabe von «Der rasende Reporter» wurde die bekannte gleichnamige Photomontage von Umbo (d.i. Otto Umbehr) auf dem Schutzumschlag veröffentlicht. Die Schrift auf der vorliegenden Erstausgabe ist blaugrün. (Auf der zweiten Auflage ist die Schrift orange und der zusätzliche Schriftzug «II. vydani» weist auf die zweite Auflage hin.)

Ref.: Fotografia Publica, Abb. 16, S. 29. Liber Berlin 2007, S. 19 (Abb. der zweiten Auflage mit oranger Schrift). – Zustand: Schutzumschlag repariert.

Photobibliothek.ch 4239

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«Schreib das auf, Kisch!» (1930)

«Schreib das auf, Kisch!» Das Kriegstagebuch. / Egon Erwin KISCH. – 1.-10. Tsd. – Berlin: Reiss 1930. – 8°. 293, [3] S. Ln.

Kriegstagebuch vom 31. Juli 1914 bis 22. März 1915: Wenn ein Kamarad gefallen war, den alle rühmten, dann sagten sie mir: «Er war ein feiner Bursch. Schreib das auf, Kisch!» Und schliesslich wurde das «Schreib das auf, Kisch!», ein geflügeltes Wort.

Photobibliothek.ch 1620


1930: Japanische Zwillinge

Les jumeaux Japonais. / Anne MANGIN. Dessins de H. Armengol. – Paris: J. Ferenci et fils 1930. – 4°. 74, [1] S. mit farblithographischen Illustrationen. Hln. mit farbigen Deckel-Illustrationen.

Illustrationen im Stile japanischer Farbholzschnitte. Erzählt wird der Alltag der japanischen Zwillinge Taro und Himé, die zum Schluss nach Europa reisen.

Photobibliothek.ch 9405


1930: Autor der «Wiener Moderne»

Bei dieser Gelegenheit. / Alfred POLGAR. [Schutzumschlag von György Kepes (Signatur auf SU).] – 1.-5. Tausend. – Berlin: Ernst Rowohlt 1930. – 8°. 356, [3] S. Ganzleinenband im bedruckten Originalschuber. SU.

Zustand: Schutzumschlag mit 1,5 x 11 cm Fehlstelle (Vorderseite oben).

Photobibliothek.ch 15202


1933: «Vom Reichskanzler durchgesehen und genehmigt!»

In dem in Deutschland erschienenen Buch wird der Versuch unternommen, ausländischen Hitler-Karikaturen («Tinte») durch entsprechende Kommentierungen die «richtige» deutsche Sicht («Tat») gegenüber zu stellen. Verfasst wurde es von Ernst Hanfstaengl (1887-1975), dem Auslands-Pressechef der NSDAP. Dieser fiel später bei Hitler in Ungnade und musste 1937 nach London fliehen.

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Ganzleinenausgabe (11. bis 20. Tausend, 1933)

Hitler in der Karikatur der Welt. Tat gegen Tinte. / Ein Bildsammelwerk von Ernst HANFSTAENGL. Das Bild des Führers auf dem Umschlage dieses Buches und auf Seite 171 stammt aus dem Verlag Jos. C. Huber, Diessen vor München. Das Lichtbild schuf: Erika Schmauss. – Elftes bis zwanzigstes Tausend. – Berlin: Verlag Braune Bücher Berlin Carl Rentsch. 1933. – 4°. 174, [2] S. mit Abb. Ganzleinenband.

Begleitzettel auf dem fliegenden Vorsatz: «Vom Reichskanzler durchgesehen und genehmigt!»

Photobibliothek.ch 12279

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Englische Broschur mit Schutzumschlag (21. bis 30. Tausend, 1933/1934)

Hitler in der Karikatur der Welt. Tat gegen Tinte. / Ein Bildsammelwerk von Ernst HANFSTAENGL. Das Bild des Führers auf dem Umschlage dieses Buches und auf Seite 171 stammt aus dem Verlag Jos. C. Huber, Diessen vor München. Das Lichtbild schuf: Erika Schmauss. – Einundzwanzigstes bis dreissigstes Tausend. – Berlin: Verlag Braune Bücher Berlin Carl Rentsch, Ende 1933 oder anfangs 1934. – 4°. 174, [2] S. mit Abb., loser Begleitzettel «Aus Beurteilungen des Buches». Englische Broschur. SU.

Das Buch enthält einen lose beigelegten Begleitzettel mit begeisterten Kritiken (u.a. von Luis Trenker). Die Kritiken sind 8. Oktober bis 1. Dezember 1933 datiert; das Buch könnte also noch auf Weihnachten 1933 erschienen sein.

Photobibliothek.ch 16481

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Volksausgabe (1. bis 30. Tausend, 1938)

Hitler in der Karikatur der Welt. Tat gegen Tinte. / Ein Bildsammelwerk [von Ernst HANFSTAENGL]. [Schutzumschlag unter Verwendung einer Photographie von Erika Schmauss.] – 1. - 30. Tausend der Volksausgabe. – Berlin: Verlag Braune Bücher Berlin Carl Rentsch; Alleinvertrieb der Volksausgabe: Gustav Weise Verlag; 1938. – 4°. 157, [1] S. mit Abb. Englische Broschur. SU.

Bei dieser Volksausgabe von 1938 fehlt jeder Hinweis auf Ernst Hanfstaengl, weil dieser ja 1937 nach London geflohen war. Auch eine Photographie, die Hanfstaengl im Gespräch mit dem englischen Premierminister Ramsay Mac Donald zeigt, wurde entfernt.

Photobibliothek.ch 16482


1934: Goebbels' antisemitisches Tagebuch

Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei. Eine historische Darstellung in Tagebuchblättern (vom 1. Januar 1932 bis zum 1. Mai 1933). / Joseph GOEBBELS. – 5. Aufl. – München: Zentralverlag der NSDAP 1934. – 8°. 308 S. Ln.

Photobibliothek.ch 25


1935: Früher Augenzeugenbericht aus einem Konzentrationslager

Die Moorsoldaten. 13 Monate Konzentrationslager. Unpolitischer Tatsachenbericht. / Wolfgang LANGHOFF. – 14. Aufl. – Zürich: Schweizer Spiegel 1935. – Kl.8°. 327 S., 2 Ill. v. Jean Kralik. Ln.

Wolfgang Langhoff (1901-1966) kam 1933 ins Konzentrationslager Börgermoor im Emsland, wo er 13 Monate inhaftiert blieb. 1934 floh er in die Schweiz, wo er am Schauspielhaus Zürich Arbeit als Regisseur und Schauspieler fand. 1935 wurde der autobiographische Bericht «Die Moorsoldaten» veröffentlicht, der nach der Übersetzung ins Englische weltweit Beachtung fand als einer der ersten Augenzeugenberichte über die Brutalität in nationalsozialistischen Konzentrationslagern.

Photobibliothek.ch 7


1936: Im Giftschrank bis 31. Dezember 2015

Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. Ungekürzte Ausgabe. Erster Band: Eine Abrechnung. Zweiter Band: Die Nationalsozialistische Bewegung. / Von Adolf HITLER. – 178.-180. Aufl. – München: Zentralverlag der NSDAP Fr[an]z Eher Nachf[olger] 1936. – 8°. XXVI S., Frontispiz, [6], 781, [11] S. Blauer Leinenband mit Golddruck.

Hitler schrieb «Mein Kampf» 1924 während seiner Festungshaft im oberbayerischen Landsberg am Lech. Ziel des Buches war die Darstellung der Entwicklung und der Ziele des Nationalsozialismus. Im Juli 1925 wurde der erste Band veröffentlicht, im Dezember 1926 der zweite. Bis 1930 erschien «Mein Kampf» in zwei Bänden. 1930 wurden die beiden Bände zur vorliegenden einbändigen Volksausgabe im damals üblichen Bibelformat zusammengefasst. Die Gesamtauflage lag 1943 bei 10,24 Millionen. Der Freistaat Bayern nimmt die Nutzungsrechte an «Mein Kampf» in Anspruch und verbietet jede Publikation; diese enden am 31. Dezember 2015 (70 Jahre nach Hitlers Tod).

Ref.: Bücher, die die Welt verändern 415.

Photobibliothek.ch 35


1936: «Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit»

Adolf Hitler. Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit. Eine Biographie. / Konrad HEIDEN. Schutzumschlag Hans Los. – 8.-10. Tsd. – Zürich: Europa-Verlag 1936. – 8°. 447 S. Ln. SU.

Auszug aus dem Klappentext: «Hitler, als Sinnbild und Verwirklicher des Zeitalters der Verantwortungslosigkeit wird aller Mystik entkleidet, die Geheimgeschichte der NSDAP, ihre wahren Gründer, Hintermänner und Geldgeber erscheinen im hellen Lichte einer wahrheitsernsten Geschichtsschreibung.»

Ref.: Sternfeld/Tiedemann S. 201.

Photobibliothek.ch 33


1936: Geschichte des Papiers

Das Buch vom Papier. / Armin RENKER. – Zweite, neu bearbeitete Ausgabe. – Leipzig: Insel-Verlag o.J. [1936]. – Gr.8°. 192 S. Text, [40] S. mit 46 Lichtdrucken, 1 Karte, div. Muster. Hln. Bauchbinde.

Muster: 4 Bl. mit 13 Original-Wasserzeichen, Papyrus, Pergament, 10 Bl. Papiermuster (China Reisstrohpapier, Japan Faser-Handbüttenpapier, handgeschöpftes Büttenpapier Zanders, Bütten Zerkall usw.).

Ref.: Jechke, Blanke & Hauff 6/1682.

Photobibliothek.ch 2787


1937: «Entartete Kunst»

Führer durch die Ausstellung ENTARTETE KUNST. Die Ausstellung wurde zusammengestellt von der Reichspropagandaleitung, Amtsleitung Kultur. Sie wird in den grösseren Städte aller Gaue gezeigt. / Verantwortlich für den Inhalt: Fritz Kaiser, München. – [Erste Auflage.] – Berlin: Verlag für Kultur- und Wirtschaftswerbung o.J. [1937]. – 8°. 32 S. mit Abb. Broschur illustriert.

Pamphlet zur berüchtigten Münchner Ausstellung «Entartete Kunst», welche parallel zur «Grossen Deutschen Kunstausstellung 1937» im «Haus der Deutschen Kunst» durchgeführt wurde. Der auf dem Titelblatt genannte Fritz Kaiser ist nicht weiter bekannt. - In der ersten Auflage (vorliegend) heisst es auf S. 21: «Drei Kostproben von jüdischer Plastik und Malerei» und «Die Juden heissen: Meidner, Freundlich und Haizmann». Nach der Intervention Richard Haizmanns bei Göring stand in der zweiten Auflage: «Drei Kostproben entarteter Plastik und Malerei» und «Die Titel lauten: Selbstbildnis des Juden Meidner [...] Kopf von Haizmann»; zudem wurde auf Seite 29 «Das Judengeschöpf wiegt [...]» in «Das Machwerk wiegt [...] geändert.Ref.: Schuster, Nationalsozialismus und Entartete Kunst, München 1987. Bolliger Kat. 9 (1983), Nr. 701. – Zustand: Reparierte Fehlstelle auf Titelblatt (ohne Textverlust)

Photobibliothek.ch 900

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Flugblatt zur Ausstellung

Besuchet die Ausstellung «ENTARTETE KUNST». Gequälte Leinwand - Seelische Verwesung - Krankhafte Phantasien - Geisteskranke Nichtskönner. Seht euch das an! Urteilt selbst! Eintritt frei. Für Jugendliche verboten. – o.O. [München]. o.V. o.J [1937]. – 8°. Rotes Flugblatt einseitig in Fraktur bedruckt.

Das berühmt-berüchtigte Flugblatt wurde an der Nazi-Ausstellung «Grosse Deutsche Kunstausstellung 1937» an potentielle Besucher für die Ausstellung «Entartete Kunst» verteilt.

Photobibliothek.ch 3283


1937: «Deutsche Kunst»

Ausstellungskatalog «Grosse Deutsche Kunstausstellung 1937»

GROSSE DEUTSCHE KUNSTAUSSTELLUNG 1937. Im Haus der Deutschen Kunst zu München. 18. Juli bis 31. Oktober 1937. Veranstaltet vom Haus der Deutschen Kunst (Neuer Glaspalast). Offizieller Ausstellungskatalog. – München: Knorr & Hirth 1937. – 8°. 87 S. Text, 72 S. Tfln., 71 S. Anzeigen. Krt. ill.

Die offizielle «Nazionalsozialistische Kunst». Gleichzeitig wurde die berüchtigte Ausstellung «Entartete Kunst» durchgeführt. Gekürzter Abdruck in: Nationalsozialismus und «Entartete Kunst», 2. Aufl., München, 1988, S. 224-241.

Photobibliothek.ch 343

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Deutsche Kunst und entartete «Kunst» (5. Auflage, 1938)

Deutsche Kunst und entartete «Kunst». Kunstwerk und Zerrbild als Spiegel der Weltanschauung. / Adolf DRESLER [Hrsg.]. Umschlagbild von Heinrich Hoffmann. Aufnahmen der Kunstwerke von Erika Schmauss. – 5. Aufl. – München: Deutscher Volksverlag 1938. – 8°. 79 S. mit Abb. Krt. ill.

Seite 33: «Die Bilder dieses Buches stellen eine knappe Auswahl von Werken aus der grossen deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst und von Zerrbildern aus der Ausstellung 'Entartete Kunst' dar.»

Ref.: Bolliger Kat. 9 (1983), Nr. 703 (= EA, Ln. mit SU). – Zustand: Umschlag repariert

Photobibliothek.ch 20

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Die neue deutsche Malerei (1941)

Die neue deutsche Malerei. / Fritz Alexander KAUFFMANN. – Berlin: Deutscher Verlag 1941. – 8°. 83 S. mit Abb. Ln. – (Das Deutschland der Gegenwart)

Abhandlung über das «nationalsozialistische Kunstverständnis» - im Gegensatz zur «entarteten Kunst».

Photobibliothek.ch 42


1940: Adolf im Wunderland

Adolf in Blunderland. A political parody of Lewis Carroll's famous story. / James DYRENFORTH ; Max Kester. With illustrations by Norman Mansbridge. – 5. Edition (revised). – London: Frederick Muller 1940. – 4°. 60 S. mit Ill. Pbd. ill. SU.

Politische Parodie auf Lewis Carrolls «Alice im Wunderland», in der der kleine Adolf Hitler die verrücktesten Abenteuer erlebt.

Photobibliothek.ch 694


1944: «Woge von Kanagawa»

Vom Otsu-e zum berühmtesten Bild der Welt. Geschichte der japanischen Holzschnittkunst. / Julius MAEDER. – Zürich: Hofmann 1944. – 4°. [40] S. mit 41 Abb., [3] Bl. Farbtafeln. Pbd. mit speziellem Japanpapier mit eingelagerten Haaren bezogen. Seidenpapier-Umschlag (wahrscheinlich original).

Die dritte Farbtafel zeigt, wie der Titel sagt, das «berühmteste Bild der Welt» von Hokusai «Woge von Kanagawa».

Photobibliothek.ch 10976


1944: Tagebuch aus dem Jahr 1000

Das Kopfkissenbuch der Dame SEI SHONAGON. / Nach dem ums Jahr 1000 verfassten «Skizzenbuch unterm Kopfkissen» bearbeitet von Helmut Bode. Einband von A. Woelfle. – 1.-9. Tausend. – o.O. [München]: Ernst Heimeran 1944. – Kl.8°. 96 S. Pbd. ill.

Deutsche Erstausgabe. Stark gekürzt nach der englischen Auswahl von Nobuko Kobayashi «The Sketch Book of the Lady Sei Shonagon», 1930 erschienen bei John Murray, London. Mehr oder weniger identisch mit den späteren Ausgaben im Insel Verlag (Insel-Bücherei Nr. 998).

Photobibliothek.ch 11522


1946: Die Erfindung des Taschenbuchs

Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte. / Kurt TUCHOLSKY. Die Titelseite und die 21 Textillustrationen zeichnete Wilhelm M. Busch. – Hamburg, Stuttgart: Rowohlt 1946. – 2°. Lose Zeitungsbogen mit 22, [2] S. illustriert.

Ernst Rowohlt verwirklichte nach dem Krieg eine Idee seines Sohnes Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, Romane im sehr billigen Rotations-Zeitungsdruck zu veröffentlichen. 1946 erschienen die ersten vier Titel von Rowohlts-Rotations-Romanen, kurz RoRoRo. Neben dem vorliegenden waren dies noch: Alain-Fournier, Der grosse Kamerad; Joseph Conrad, Taifun; Ernest Hemingway, In einem andern Land. Die Auflage war jeweils 100'000 Exemplare, die, wegen des äusserst tiefen Preises von nur 50 Pfennig, schnell vergriffen war. Die kleinformatigen, gelumbeckten RoRoRo-Taschenbücher erschienen dann ab 1950. Der Begriff «RoRoRo» wurde zum Begriff für das Taschenbuch schlechthin.

Photobibliothek.ch 14657


1947: Der bedeutendste Schweizer Ukiyo-e-Sammler

Meister des japanischen Farbholzschnittes. / Willy BOLLER. Mit Photographien von R. Spreng. – Bern: Urs Graf 1947. – 2°. 174 S. mitAbb., [6] Bl. Farbtafeln. Hln. SU.

Standardwerk. Willy Boller war der bedeutendste Schweizer Sammler japanischer Farbholzschnitte. Seine Sammlung befindet sich heute im Rietbergmuseum Zürich.

Photobibliothek.ch 11524


1947: Berühmtes Künstlerbuch als Faksimile

Jazz. / Henri MATISSE. The Text by Henri Matisse translated from the French by Sophie Hawkes. [Introduction by Riva Castleman.] – Originally published: Editions Verve, Paris, 1947. The publisher is greatfull to the Bayerische Staatsbibliothek, Munich, for permission to use copy no. 43 of «Jazz» for reproduction. Third printing. – New York: George Braziller July 1984. – 2°. XVIII, 146, [10] S. mit XX Farbdrucken. Ganzleinenband in Schuber. SU.

Erstes Faksimile des wohl berühmtesten Künstlerbuch des 20. Jahrhunderts, welches 1947 in 250 Exemplaren bei Tériade éditions erschien. Ursprünglich sollten die Blätter in der Kunstzeitschrift «Verve» veröffentlicht werden, die von Tériade herausgegeben wurde. Schliesslich wurden die Blätter aber um einen handgeschriebenen Text von Matisse erweitert und als lose Blätter (d.h. nicht gebunden) veröffentlicht. Die «first edition» (Juli 1983) des vorliegenden Faksimiles wurde dann wie das Original ebenfalls in losen Blättern veröffentlicht, während «second printing» (November 1983) und «third printing» (Juli 1884) gebunden erschienen. Das Original wurde in Pochoir (Schablonendruck) gedruckt, das Faksimile wahrscheinlich in Siebdruck.

Photobibliothek.ch 10113


1950: Der Grosse Bruder sieht dich an!

Neunzehnhundertvierundachtzig. Roman. / George ORWELL. Ins Deutsche übertragen von Kurt Wagenseil. Schutzumschlag und Einbandentwurf von Lothar Schmidt. – Dritte Auflage. Lizenzausgabe für Deutschland. – Baden-Baden, Stuttgart: Diana Verlag 1950. – Kl.8°. 355, [1] S. Englische Broschur. SU.

Identisch mit der deutschen Erstausgabe des Diana Verlages in Zürich.

Photobibliothek.ch 14571


1950: Deutsche Erstausgabe von Anne Franks Tagebuch

Das Tagebuch der Anne Frank. 14. Juni 1942 - 1. August 1944. / Anne FRANK. Mit einer Einführung von Marie Baum. Aus dem Holländischen übertragen von Anneliese Schütz. – [Deutsche Erstausgabe.] – Heidelberg: Lambert Schneider 1950. – 8°. VII, [1], 273, [2] S., [4] S. Tfln. Ln. SU.

Übersicht:
[1] Holländische Erstausgabe: Contact, 1947, Typoskript II mit Kürzungen durch Verlag
[2] Dt. Erstausgabe: Schneider, 1950, Typoskript II ohne Kürzungen, zahlreiche Übersetzungsfehler, mässiger Erfolg (ca. 4500 Expl.)
[3] Taschenbuchausgabe: Fischer, 1955, Lizenzausgabe von Schneider, zusätzlich «Kaatje» und «Katrientje»
[4] Schweizer Ausgabe: Ex Libris, 1959, Übersetzung Anneliese Schütz, Teile von Ernst Schnabel «Anne Frank - Spur eines Kindes»
[5] Kritische Ausgabe: Fischer, 1988, Tagebücher - lose Blätter - bisherige Fassung
[6] Endgültige dt. Fassung: Fischer, 1991, um gut ein Viertel umfangreicher
Vorliegend: [2]

Photobibliothek.ch 23

 


1950: Vom Gebirg zum Ozean, alles hört der Radiomann

Vom Gebirg zum Ozean, alles hört der RADIOMANN. 80 Versuche von der elektrischen Batterie bis zum selbstgebauten Fern-Empfänger für jung und alt. / Von Willhelm Fröhlich. – Siebente Auflage. – Stuttgart: Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde Frankh'sche Verlagsanstalt 1950. – 8°. 49, [3] S. mit Illustrationen. Broschur illustriert.

Handbuch des «alten» Baukastens zum Bau eines Radios mit der Radioröhre DM 300. Unter «Radiomännern» ist die vorliegende 7. Auflage besonders gesucht, denn auf der Umschlagphotographie ist die Heizbatterie (scheinbar) mit einem Kurzschluss über dem Draht-Schiebewiderstand angeschlossen. Ab der 13. Auflage von 1960 enthielt der Baukasten die wesentlich kleinere Autoradioröhre EF 98 und zusätzlich einen Germanium-Transistor OC 612 sowie eine Germanium-Diode. - Beiliegt: Preisliste für Elektronikbauteile des Elektronik-Versandes Pierre Diserens, Zürich 1.

Photobibliothek.ch 14465


1952: Albert Einsteins Verhältnis zur Schweiz

Albert EINSTEIN und die Schweiz. / Carl Seelig. – Zürich, Stuttgart, Wien: Europa Verlag 1952. 253 S., Frontispiz v. Trude Fleischmann, 12 Bl. Tfln. Ln. SU.

Handschriftliche Widmung von Carl Seelig an Teo Otto, den bekannten Bühnenbildner am Schauspielhaus Zürich.

Ref.: Schweizer Familien Wochenblatt 6/1950, S. 22/23 (Beitrag über Teo Otto).

Photobibliothek.ch 3


1952: Das Atelier von Matisse

Prestiges de [Henri] MATISSE. Précéde de: Visite à Matisse - Entretiens avec Matisse. Avec quattorze hors-texte, dont trois en couleurs. / André Verdet. Couverture spécialement composée par Matisse. – Paris: Editions Emile-Paul 1952. – 8°. 121, [6] S. mit 14 s/w Abb., 3 Bl. Farbtafeln. Krt.

Bemerkenswerte Falt-Farbtafel mit einer Aufnahme des Ateliers von Matisse (Photo Bérard & fils, Nice).

Photobibliothek.ch 10114


1952: 4' 33'' von John Cage

4' 33'' von John Cage wurde am 29. August 1952 durch den Pianisten David Tudor in Woodstock uraufgeführt. Das Stück besteht aus 3 Sätzen zu 33 Sekunden, 2 Minuten 40 Sekunden und 1 Minute 20 Sekunden, was zusammen die Gesamtlänge von 4 Minuten 33 Sekunden ergibt. Der Beginn eines Satzes wurde durch Schliessen des Klavierdeckels und das Ende durch Öffnen desselben angezeigt. Während des Satzes hatte der Pianist nichts zu tun, was in der Partitur durch die Anweisung «Tacet» notiert wurde. Die Uraufführung führte zum Skandal, da damals John Cage nur von Wenigen verstanden wurde. Inzwischen wurde das Stück oft aufgeführt, sowohl von Solisten wie von Orchestern, etwa 2004 in der Barbican Hall in London durch das BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Lawrence Foster. Die Originalpartitur der Uraufführung ist verloren gegangen. Photobibliothek.ch besitzt aber die später gedruckten Partituren inklusive der Fortschreibung mit dem Titel «0' 00''»:

  • Die älteste erhaltene Partitur in Proportional-Notation schenkte Cage dem Künstler und Psychologen Irwin Kremen zu seinem 28. Geburtstag am 5. Juni 1953. Diese vollständig handgeschriebene Notation wurde 1993 durch die Edition Peters veröffentlicht. Die Satzlängen weichen mit 30'', 2' 23'' und 1' 40'' von den Zeitangaben der Uraufführung ab.
  • 1960 veröffentlichte die Edition Peters eine maschinengeschriebene Tacet-Notation, die Cage um 1986 auf Bitte von Peters in eine kalligraphische Version umschrieb, bei der er auch auf die unterschiedlichen Zeiten der Sätze einging.
  • 1962 widmete Cage einen zweiten Teil zu 4' 33'', den er 0' 00'' nannte, Yoko Ono und Toshi Ichiyanagi. Das einseitige Manuskript wurde durch die Edition Peters 1962 veröffentlicht.

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Älteste erhaltene Partitur in Proportional-Notation (1993)

[Aussentitel:] 4' 33'' (Original Version in Proportional Notation). [Innentitel:] 4' 33''. For any instrument or combination of instruments. / John CAGE. – Edition Peters No. 6777a. Copyright 1993 by Henmar Press. – 4°. [3] S. Broschur.

2. Umschlagseite: «The published score of 4'33 (Edition Peters No. 6777) is a later version of it. As John Cage writes in his note the published version, after David Tudor gave the performance of 4'33 at Woodstock in 1952, John made a copy 'in proportional notation' which he gave to me as a gift for my twenty-eighth birthday (June 5, 1953). A noteworthy feature of this score is its manner of indicating time, here made a function of continuous space with the direction '1 PAGE = 7 INCHES = 56.' In 1967, John and David, on a trip to North Carolina, asked me, because of this version's significance, to arrange for its facsimile reproduction in Source, Music of the Avant Garde. Accordingly, I contacted that journal and then sent it lifesize photostats of the entire manuscript, this so it could exactly reproduce the score of 4' 33 'in proportional notation.' But Source printed its reproduction (July 1967, Vol. 1, No. 2) reduced in size, 7-1/4 x 10-11/16 inches rather than the 8-1/2 x 11 inches of the manuscript itself, and without anywhere specifying the actual dimensions. However inadvertently it happened, this unacknowledged reduction changed, hence falsified, the space x time relationship of the original, a fact I grasped at the time but did nothing further about it. Then, this past year, I was scheduled by the Tampa Museum of Art to give a short talk about Black Mountain Collage for the opening of its exhibition The Black Mountain College Connection: John Cage, Merce Cunningham, Irwin Kremen, M.C. Richards - - by happenstance a month after John's death. I decided to forgo Black Mountain as a topic and, instead, give a talk in honor of John, focusing on 4' 33. In preparing this talk, I realized how necessary it was to correct the distortion introduced by the reduced reproduction in Source and I, therefore, approached Don Gillespie and Stephen Fisher of C.F. Peters Corporation in the hope of rectifying it. They saw immediately the need to publish a correct version. - Irwin Kremen, Durham North Carolina.»

Photobibliothek.ch 14330

  

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Kalligraphische Tacet-Notation (um 1986)

4' 33''. For any instrument or combination of instruments. / John CAGE. – Edition Peters No. 6777. Copyright 1960 by Henmar Press [1960 bezieht sich auf die maschinengeschriebene Tacet-Notation, die vorliegende handgeschriebene entstand um 1986]. – 4°. [3] S. Broschur.

Seite 2: «Note: The title of this work is the total length in minutes and seconds of its performance. At Woodstock, N.Y., August 29. 1952, the title was 4' 33'' and the three parts where 33'', 2' 40'', and 1' 20''. It was performed by David Tudor, pianist, who indicated the beginning of parts by closing, the endings by opening, the keyboard lid. After the Woodstock performance, a copy in proportional notation was made for Irwin Kremen. In it the timelengths of the movements were 30", 2'23" and 1'40". However, the work may be performed by any instrumentalist(s) and the movements may last any lenghts of time. - For Irwin Kremen.»

Ref.: Dortmunder U, Sounds Like Silence, Ausstellungsführer Cage / 4' 33'', 2012.

Photobibliothek.ch 14329

  

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0' 00'' (1962)

[Aussentitel:] 4' 33'' (NO. 2) (0' 00''). Solo to be performed in any way by anyone. [Innentitel:] 0' 00''. Solo to be performed in any way by anyone. / John CAGE. For Yoko Ono and Toshi Ichiyanagi. – Edition Peters No. 6796. Tokyo, Oct. 24, 1962. – 4°. 1 Blatt in Umschlag eingelegt.

Das Solo «0' 0''» bezeichnet John Cage als zweiten Teil von «4' 33''». Die Partitur bestand am 24. Oktober 1962 nur aus der Anweisung «In a situation provided with maximum amplification (no feedback), perform a disciplined action». («Führe mit einer für die Situation maximalen Verstärkung (keine Rückkopplung) eine disziplinierte Aktion auf».) Am Tag darauf fügte Cage noch einige weitere Anweisungen hinzu.

Photobibliothek.ch 14331

  


1953: Der Pazifist Albert Einstein

Mein Weltbild. / Albert EINSTEIN. Hrsg. v. Carl Seelig. – Neue, durchgesehene und wesentlich erweiterte Aufl. (EA = 1934). – Zürich, Stuttgart, Wien: Europa Verlag 1953. – 8°. 275 S. Ln. SU von F. Morf.

Photobibliothek.ch 1


1954: «Felix Krull» als vollständiger Roman

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil. / Thomas MANN. – Erstes bis zwanzigstes Tausend. – Frankfurt am Main: S. Fischer 1954. – 8°. 441, [1] S. Ln. SU von Martin Kausche.

Dies ist die Erstausgabe des vollständigen Romans. 1922 und 1937 waren bereits Fragmente erschienen.

Ref.: WG2 22 (1922); WG2 65 (1937); WG2 130 (1954).

Photobibliothek.ch 12790

 


1956: Frottagen

Max ERNST - Histoire naturelle. Dessins inédits. – Paris: Berggruen & Cie o.J. [1956]. – 8°. [24] S. mit [19] Lichtdrucken. Krt.

Die Zeichnungen entstanden 1925 durch Abreiben von Gegenständen mit rauher Oberfläche (Frottagen).

Ref.: Bibliothèque nationale de France (Internet): Exposition Ernst (Max), 1956.

Photobibliothek.ch 776


1956: Petrulus Hirrutus

Petrulus Hirrutus «Der Struwwelpeter» sive fabulae lepidae et picturae iocosae quas invenit ac depinxit Henricus Hoffmann doctor medicinae. / [Heinrich HOFFMANN.] Picturas secundum Hoffmanni exemplar delineavit et lignis in cidit Fridericus Kredel. Versiculos in sermonem latinum transtulit Eduardus Bornemann. – Francoforti Moenani [Frankfurt am Main]: in aedibus Rütten & Loening bibliopolarum 1956. – 4°. Schmutztitelblatt, Titelblatt, [24] Bl. mit farbigen Illustrationen, [6] Bl. Beilage «Nachwort für meine kleinen und grossen Leser». Hln. ill.

Die gesuchte lateinische Ausgabe des «Struwwelpeter».

Zustand: Beilage «Nachwort...» fehlt

Photobibliothek.ch 11814


1958: Nach dem Drehbuch «Es geschah am hellichten Tag»

Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman. / DÜRRENMATT, Friedrich. Umschlag von Hans Bächter. – [Erstausgabe.] – Zürich: Arche 1958. – 8°. 244 S. Ln. SU.

Der Roman von Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) entstand aus dem Drehbuch für den Film «Es geschah am hellichten Tag» von Ladislao Vajda (Darsteller: Heinz Rühmann als Kommissär Matthäi und Gert Fröbe als Mörder Schrott). Der Roman unterscheidet sich stark vom Film. Während im Film der Kommissär den Mörder findet, findet er ihn im Roman nicht und wird wahnsinnig. Im Jahre 2000 entstand der Film «The Pledge» von Sean Penn (Hauptdarsteller: Jack Nicholson als Polizeidetektiv Black), der inhaltlich dem Roman viel näher ist, auch wenn die Handlung in die USA verlegt wurde.

Ref.: WG2 Dürrenmatt 22.

Photobibliothek.ch 13082


1961: Bilderbogen

EPINAL et l'imagerie populaire. / Jean, François Blaudez Mistler ; André Jacquemin. – o.O. [Paris]: Librairie Hachette 1961. – 4°. 189, [3] S. mit Abb., 15 Tfl.-Abb., XIII Bilderbogen farbig. Franz. Br. SU (Bilderbogen «Frize des Douze Apôtres»). – (Bibliothèque des Guides Bleus)

Standardwerk über die Bilderbogenproduktion in Epinal.

Photobibliothek.ch 1609


1967: Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung

«Echte» deutsche Erstausgabe (Frühjahr 1967)

Das MAO TSE-TUNG Brevier. Der Katechismus der 700 Millionen. / Herausgegeben und eingeleitet von Fritz C. Steinhaus. Aus dem Englischen übertragen von Fritz C. Steinhaus nach der bei Foreign Languages Press, Peking, 1966 erschienenen Ausgabe «Quotations from Chairman Mao Tse-tung». – Würzburg: Marienburg-Verlag (H. O. Holzner) Frühjahr 1967. – 8°. 205, [2] S. Blauer Krt.-Einband mit roter Schrift.

Im Jahre 1967 erschienen 3 deutsche Übersetzungen: 1. Die vorliegende von Fritz C. Steinhaus, 2. eine von Tilemann Grimm in der Fischer Bücherei und 3. die Pekinger-Ausgabe im Verlag für fremdsprachige Literatur in Peking. Die vorliegende Ausgabe ist wahrscheinlich die «echte» deutsche Erstausgabe des legendären «Kleinen Roten Buches». Das Vorwort ist mit «Frühjahr 1967» datiert und ein Eintrag der Buchhandlung trägt das Datum «6.67». Weil die Übersetzung nach der englischen Pekinger-Ausgabe von 1966 erfolgte, unterscheidet sich die Wortwahl stark von der deutschen Pekinger-Ausgabe.

Photobibliothek.ch 12856

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Erste deutsche Ausgabe im Verlag für fremdsprachige Literatur, Peking (1967)

Worte des Vorsitzenden MAO TSE-TUNG. – Erste Auflage. [Erste deutsche Übersetzung der zweiten Auflage der chinesischen Originalausgabe.] – Peking: Verlag für fremdsprachige Literatur 1967. – 16°. [8], V, 370, [4] S. Krt. in roter Kunststoffhülle.

Deutsche Erstausgabe des legendären «Kleinen Roten Buches». In der Geschichte des Buches ist dies das Buch mit der grössten Auflagensteigerung in kürzester Zeit: Zwischen Juni 1966 und November 1970 erreichte das Buch eine Auflage von 800 Millionen! Die Gesamtauflage ist sicher über eine Milliarde, Schätzungen gehen bis 6,5 Milliaren (Wikipedia). - Als Vorläufer des Buches gelten die fünf Bände «Mao Ze Dong Xuan Yi» (= Ausgewählte Werke Mao Tse-Tungs), die zwischen 1951 und 1977 erschienen. Die eigentliche Erstauflage von «Mao Zhu Xi Yu Lu» (= Worte des Vorsitzenden Mao) mit 30 Kapiteln erschien im Mai 1964, die zweite Auflage mit 32 Kapiteln  im März 1965, und die dritte bzw. erste vollständige Auflage mit 33 Kapiteln erschien dann im August 1965. Alle diese Ausgaben sind ausserordentlich rar. Mit der  als «zweite Auflage» bezeichneten Ausgabe vom Dezember 1966 begann erst der Aufstieg des Buches, und diese «zweite Auflage» bildete auch die Grundlage für die ersten fremdsprachigen Übersetzungen.

Ref.: Ausstellung «Les 3 revolutions du livre» im Musée des Arts et Métiers, Paris, 2002. Oliver Lei Han, Sources and Early Printing History of Chairman Mao's «Quotations».

Photobibliothek.ch 12241

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Frühe chinesische Dünndruck-Ausgabe (August 1968)

[Die wichtigsten Fragen.] [Worte des Vorsitzenden Mao - Fünf Werke des Vorsitzenden Mao - Gedichte des Vorsitzenden Mao.] / MAO TSE-TUNG. – Dünndruckausgabe. – Beijing: August 1968. – 16°. [4] Bl., 3, 2, 270 S. [4] Bl., 38 S., [1] Bl., 3, 58 S. Krt. in roter Kunststoffhülle.

Frühe Dünndruck-Ausgabe des legendären «Kleinen Roten Buches». Neben «Worte des Vorsitzenden Mao» enthält das Büchlein zwei weitere Teile: «Fünf Werke des Vorsitzenden Mao» und «Gedichte des Vorsitzenden Mao». Die Kalligraphie Lin Biao's «Studiert die Werke des Vorsitzenden Mao Tse-Tung, hört auf seine Worte und handelt nach seinen Weisungen» ist ergänzt um die Worte «Seid gute Soldaten von Mao Tse-Tung».

Provenienz: Shanghai 2004.

Photobibliothek.ch 12186


1974: «Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann»

Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann. Erzählung. / Heinrich BÖLL. – [Erstausgabe.] – Köln: Kiepenheuer & Witsch 1974. – 8°. 188, [4] S. Ln. SU.

Ref.: WG2 114.

Photobibliothek.ch 11815


1974: Schweizer Holzschnitte

Xylon - Der Schweizerische Holzschnitt 1974. / GEWERBEMUSEUM WINTERTHUR 9. Juni bis 14. Juli 1974. – Kl.8°. [8] S. Text, 19 S. Originalholzschnitte. Br. SU.

4 der Originalholzschnitte sind signiert: Heinz Keller, Emil Zbinden, Robert Wyss, Peter Wullimann.

Photobibliothek.ch 570


1975-1989: Max Frischs Alterswerk

Max Frisch (1911-1991) renovierte Mitte der 1960er Jahre ein Haus in Berzona im Valle Onsernone, wo bereits Alfred Andersch (1914-1980) wohnte und Golo Mann (1909-1994) ein Ferienhaus hatte. Obwohl Frisch auch Wohnungen in Zürich, Berlin und New York hatte, wurde Berzona zu seinem Lebensmittelpunkt. Hier entstand in den nächsten beiden Jahrzehnten sein Alterswerk.

Berzona und das Valle Onsernone, vom obersten Haus des Dorfes aus gesehen, dem Ferienhaus von Golo Mann

Hinter dem kleinen Friedhof von Berzona liegt – gut versteckt – das Haus von Max Frisch. Etwa in der Mitte des Friedhofs, unter der Tuja, sind Alfred Andersch und seine Frau begraben. Max Frisch hat keine Grabstätte, seine Asche wurde im Garten seines Hauses im April 1991 in den Wind gestreut.

Nur eine Tafel an der Friedhofsmauer erinnert an Max Frisch

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Montauk (Erstausgabe 1975)

Montauk. Eine Erzählung. / Max FRISCH. – Erste Auflage, 1.-50. Tausend. – Frankfurt am Main: Suhrkamp 1975. – 8°. 206, [3] S. Ganzleinenband. SU.

Max Frisch (1911-1991)  berichtet von einem Wochenende, das er mit der jungen Frau Lynn (in Wirklichkeit Alice Locke-Carey) in Montauk an der amerikanischen Ostküste verbrachte.

Ref.: WG2 44.

Photobibliothek.ch 14666

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Der Mensch erscheint im Holozän (Erstausgabe 1979)

Der Mensch erscheint im Holozän. Eine Erzählung. / Max FRISCH. – Erste Auflage. – Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1979. – 8°. 142, [3] S. Ganzleinenband. SU.

Ref.: WG2 49.

Photobibliothek.ch 1427

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Herrn Geisers «Flucht» über den Passo della Garina

Herr Geiser ist durch ein Unwetter im Valle Onsernone eingeschlossen. Es mehren sich die Anzeichen einer beginnenden Demenz. Er hat sich in den Kopf gesetzt, seine Tochter in Basel zu besuchen. Da die reguläre Postautostrecke nach Locarno durch einen Erdrutsch unterbrochen ist, will er über den Passo della Garina zu Fuss nach Aurigeno im Valle Maggia gehen und von dort mit dem Postauto nach Locarno fahren. Als er bereits die Glocken von Aurigeno hört, beschliesst er jedoch umzukehren, weil er sich plötzlich fragt, was er eigentlich in Basel will. Auf dem beschwerlichen Rückweg erleidet er wahrscheinlich einen Schlaganfall. Als ihn seine Tochter – besorgt um seine Gesundheit – kurze Zeit später besuchen kommt, kann er nicht verstehen, warum sie weint und warum sie mit ihm wie mit einem Kind redet.

Max Frisch wohnte zwar in Berzona, aber Herrn Geisers Weg führte wahrscheinlich vom Nachbarort Loco (678 m ü.M.) über Ighelon auf den Passo della Garina (1076 m ü.M.) und von dort hinunter durch das Valle di Lareccio nach Aurigeno (314 m ü.M.) im Valle Maggia (direkt von Berzona über Sella auf den Pass ist zwar möglich, aber viel beschwerlicher). Die nicht speziell ausgeschilderte Wanderung dauert nach Wegweiserangabe 3 Stunden und 40 Minuten. Doch Wanderer, die sich dem Alter von Herrn Geiser (73) nähern, sollten mit allen Pausen besser das Doppelte einplanen.

Wie weit die nachfolgenden Photos und Zitate mit den Vorstellungen von Max Frisch übereinstimmen, ist leider nirgends belegt. Die Seitenangaben beziehen sich auf die vorliegende Erstausgabe von 1979; die Photos wurden im Sommer 2013 aufgenommen.

Wegweiser bei der Kirche von Loco

«Ausschau halten nach einer Kapelle – wenn die Erinnerung stimmt: unterhalb des Weges rechts – hat Herr Geiser später aufgegeben; vielleicht hat man sie im Nebel nicht sehen können.» (S. 90)

«Sein Gedächtnis bekommt recht: eine weitläufige Passhöhe, Weiden, Trockenmauern im Geviert und Wald mit Lichtungen.» (S. 95/96)

«Eine Kapelle mit Vordach und sogar mit einer Bank unter dem Vordach, wo Herr Geiser sich hat setzen müssen, um den Krampf in den Waden loszuwerden, ist auf der Karte verzeichnet, was immer beruhigend ist: man weiss, wo auf der Karte man sich im Augenblick befindet.» (S. 101/102)

«Hier hat Herr Geiser sich einen Cognac erlaubt, dann einen Blick in die Schlucht, wo voraussichtlich noch nie ein Mensch gewesen ist. Es ist ein irres Tal.» [...] «Die Kirche von Aurigeno (wo es einen Postbus nach Locarno gibt) ist noch nicht zu sehen, immerhin hat Herr Geiser ihren Stundenschlag gehört und deutlich: ein harter und heiserer Glockenton fast ohne Hall.» (S. 102 und S. 104)

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Schweiz ohne Armee? (Erstausgabe 1989)

Schweiz ohne Armee? Ein Palaver. / Max FRISCH. – Erstausgabe. – Zürich: Limmat 1989. – 8°. 91 S. Krt.

Der Dialog zwischen dem Grossvater (Max Frisch) und seinem Enkel Jonas entstand aus Anlass der «Volksinitiative zur Abschaffung der Armee». Es ist Max Frischs letzte grössere Arbeit.

Ref.: WG2 54.

Photobibliothek.ch 1430


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