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Ausstellung in Mannheim, 2012  

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«Erste Photographie der Welt» in Mannheim

Die erste, heute noch erhaltene Photographie der Welt machte Nicéphore Niépce (1765-1833) im Jahre 1827 auf seinem Landgut «Le Gras» in St. Loup de Varennes im Burgund. Die Aufnahme mit dem Titel «Point de vue du Gras» wurde im 19. Jahrhundert mehrfach ausgestellt, doch seit 1898 galt sie als verschollen. Ab 1947 forschte dann der deutsche Photohistoriker Helmut Gernsheim (1913-1995) nach der geheimnisvollen Aufnahme. Nach jahrelanger Suche gelang ihm schliesslich 1952 deren Wiederauffindung.

1963 verkaufte Gernsheim seine historische Sammlung mit der «Ersten Photographie der Welt» an das Harry Ransom Humanity Research Center in Austin, Texas. Er sammelte jedoch weiterhin zeitgenössische Photographie. Diese zweite, zeitgenössische Sammlung wird seit 2002 vom Forum Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim verwaltet. Beide Sammlungen wurden vom 9. September 2012 bis 24. Februar 2013 unter dem Titel «Die Geburtsstunde der Fotografie» in Mannheim gezeigt.

Die nachfolgenden Photos entstanden im Dezember 2012.


Die Geburtsstunde der Fotografie

Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim

Das «Zeughaus» in Mannheim, in dem die Ausstellung «Die Geburtsstunde
der Photographie» gezeigt wird.

Das Herz der Ausstellung mit den berühmten Meilensteinen der Gernsheim
Collection zur Erfindung der Photographie.

Im geheimnisvollen schwarzen Kasten wird unter Schutzgasatmosphäre (Argon)
die «Erste Photographie der Welt» gezeigt.

Die Aufnahme ist nur unter schrägem Blickwinkel äusserst schwach erkennbar. Die Besitzerin des wieder aufgefundenen Bildes warnte denn auch Gernsheim vor allzu grosser Euphorie, da auf der Platte nichts mehr zu erkennen sei. Den Augenblick am 14. Februar 1952, an dem Gernsheim die Aufnahme erstmals in Händen hielt, beschrieb er wie folgt: «Ich war wie erstarrt. Ich hatte nicht erwartet, dass die Zinnplatte sich wie ein Gemälde hinter Glas und in einem Empire-Rahmen befand. Ich ging zum Fenster und hielt die Platte im Winkel zum Licht, wie man es auch mit Daguerreotypien macht. Es war kein Bild zu sehen. Ich veränderte den Winkel und plötzlich entfaltete sich vor meinen Augen das Gesamtbild des Innenhofs. Die Damen waren sprachlos. Sie glaubten wohl, es handle sich um Schwarze Magie.»

Bestmögliche moderne Reproduktion.
© Harry Ransom Humanity Research Center

1952 wurde zur Publikation der Aufnahme durch Kadak eine Reproduktion erstellt, die dann durch Gernsheim mit Wasserfarbe retuschiert wurde. Von links nach rechts erkennt man spiegelverkehrt: Fensterflügel, Taubenschlag, Birnbaum mit lichter Baumkrone, Schrägdach der Scheune, ins Bild ragender Anbau des Hauses.

Auf der Rückseite der retuschierten Aufnahme befindet sich eine handschriftliche Beschreibung des Bildes von Helmut Gernsheim: «Die erste Kameraufnahme der Welt von Nicéphore Niépce 1826/27 auf einer mit Asphalt (Bitumen) lichtempfindlich gemachten Zinnplatte ist ein Direkt-Positiv Bild. Es misst 16,5 x 21,5 cm, benötigte eine Belichtungszeit von 8-10 Stunden (siehe Sonnenschein auf Ost- und Westseite des Hofes) und zeigt den Blick aus Niépces Arbeitszimmer. Von L n. R: Turm des Landsitzes Gras (wurde durch späteren Eigentümer erhöht), Birnbaum, Scheune, Schlot des Backhauses, Taubenturm. Sämtliche Ökonomiegebäude wurden später eingerissen. Heute ist das Haus von einem Park umgebebn. Das Original, heute in der GERNSHEIM COLLECTION der Universität von Texas in Austin, TX, hat das Aussehen eines Spiegels. Der fleckige Eindruck der Reproduktion entstand durch Staub auf der Platte und Unreinheiten im Metall und die komplizierte Methode, die Kodak anwenden musste, um das unterbelichtete Bild überhaupt in Erscheinung zu bringen. Prof. Helmut Gernsheim» Gernsheims Beschreibung steht teilweise im Widerspruch zu heutigen Erkenntnissen.

Der Botaniker Francis Bauer (1758-1840), der Mitglied der Royal Society war, erklärte sich bereit, «Point de vue du Gras» und andere Muster der Royal Society vorzulegen. Dazu verfasste Niépce die schriftliche Beschreibung «Notice sur l'Héliographie». Zu seiner grossen Enttäuschung zeigt sich die Royal Society aber desinteressiert, wahrscheinlich weil Niépce, aus Furcht vor Konkurrenten, keine Details zum Prozess bekannt geben wollte. Als Dank für die Bemühungen schenkte Niépce Francis Bauer «Point de vue du Gras» sowie weitere Muster samt Manuskript.

Links: Schluss des Berichts von Nicéphore Niépce an die Royal Society vom 8. Dezember 1827. Rechts: Brief von Francis Bauer vom 7. Mai 1839.


Katalog zur Ausstellung

Die Geburtsstunde der Fotografie – The Birth of Photography. Meilensteine der Gernsheim Collection. Herausgegeben von Alfred Wieczorek und Claude W. Sui. Heidelberg, Berlin: Kehrer, 2012.

>>> Reiss-Engelhorn-Museen


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