HomeBibliothekBücherBilderObjekteThemen

 

 

«Erste Photographie der Welt», Rückseite, © Harry Ransom Center Austin TX 

Geschichte 
Illustrationsverfahren 
Diessenhofen 
Niépce und Daguerre 
«Erste Photographie» 
Mannheim 
Spurensuche Niépce 
Spurensuche Daguerre 
Personen 
Institutionen 
Bücher 
Zeitschriften 
Bilder 
Film 
Objekte 
Übrige Themen 

 

 

Niépce und die «Erste Photographie der Welt»

Nicéphore Niépce (1765-1833) war 24-jährig als 1789 die Französiche Revolution begann. 1792 bis Ende 1794 diente er in der Revolutionsarmee. 1794 heiratete er Agnès Roméro (1760-1855), die ihn nach einer schweren Erkrankung gesund gepflegt hatte. Ab 1795 arbeitete er in der Verwaltung des Distrikts Nizza. 1801 kehrte die Familie mit ihrem 6-jährigen Sohn Isidore in Nicéphores Heimatstadt Chalon-sur-Saône zurück. Hier arbeitete er zusammen mit seinem Bruder Claude (1763-1828) an verschiedenen Erfindungen. Am erfolgreichsten war das «Pyréolophore», ein Verbrennungsmotor, dessen Prototyp sie erfolgreich zum Antrieb eines Modellbootes auf der Saône einsetzten.

1816 gelang Niépce, was zuvor Wedgwood und Davy vergeblich versucht hatten, nämlich ein Bild in einer Camera obscura auf einem mit Chlorsilber bestrichenen Papier festzuhalten. Allerdings konnte er das Papiernegativ nicht dauerhaft fixieren und die Tonwerte umkehren. Erst 1822 gelang es ihm zum ersten Mal, einen Kupferstich von Papst Pius VII. auf einer mit Asphalt beschichteten Glasplatte als lichtbeständiges Negativ festzuhalten. Dies war jedoch noch keine Aufnahme in einer Camera obscura, sondern eine Kontaktkopie. Das Negativ ist leider später, beim Versuch ein Positiv zu erstellen, zerstört worden. In den folgenden Jahren 1824 bis 1827 arbeitete er erfolgreich in zwei Richtungen: Erstens, dem Kopieren von Kupferstichen mittels photographisch erzeugten Tiefduckplatten, und zweitens, dem Festhalten von Bildern in der Camera obscura. In beiden Fällen verwendete er Zinnplatten, beschichtet mit Asphalt, dem sogenannten «Judenpech». Das ist ein Erdpech, das im Toten Meer in Brocken an die Wasseroberfläche aufstieg und dann am Ufer eingesammelt werden konnte. Das pulverisierte Judenpech löste er in Lavendelöl auf und bestrich damit die Zinnplatte. Dabei nutzte er die Eigenschaft des Judenpechs, unter Lichteinwirkung auszuhärten. Das Ergebnis war ein Bild, in dem die Lichter als ausgehärteter Asphalt stehen blieben, während die Schatten mit einem Lösungsmittel ausgewaschen wurden und das blanke Zinn zum Vorschein kam. Im erste Fall wurde daraus eine geätzte Tiefdruckplatte erstellt, im zweiten Fall wurde die Platte nicht geätzt.

1826 bekam Niépce einen Brief des Pariser Theatermalers und Dioramabesitzers Louis Jacques Mandé Daguerre (1787-1851), dass er von einem gemeinsamen Bekannten, dem Pariser Optiker Charles Chevalier erfahren habe, dass Niépce und er in der gleichen Richtung arbeiteten, nämlich Bilder in der Camera obscura festhalten zu wollen. Eine Reise zum schwer erkrankten Bruder Claude in Kew (Süd-England) nutzte Niépce und seine Frau, um Daguerre in Paris zu treffen und sein Diorama zu besuchen.

In Kew angekommen, wollte Niépce seinem Bruder verschiedene Muster seiner erfolgreichen Versuche zeigen, die er mitgebracht hatte, darunter auch die weltberühmte «Erste Photographie der Welt», die man heute unter dem Titel «Point de vue du Gras» kennt. Doch Claude war bereits völlig geistig verwirrt, und Nicéphore musste erkennen, dass sein Bruder nicht mehr lange zu leben hatte. Durch Vermittlung des Direktors von Kew Garden lernte Niépce den Botaniker Francis Bauer (1758-1840) kennen, der Mitglied der Royal Society war. Dieser erklärte sich bereit, die mitgebrachten Muster der Royal Society vorzulegen. Dazu verfasste Niépce noch eine schriftliche Beschreibung («Notice de Kew»). Zu seiner grossen Enttäuschung zeigt sich die Royal Society aber desinteressiert, wahrscheinlich weil Niépce, aus Furcht vor Konkurrenten, keine Details zum Prozess bekannt geben wollte. Als Dank für die Bemühungen schenkte Niépce Francis Bauer das ganze Konvolut der Muster samt Manuskript. Ende Januar reiste das Ehepaar Niépce wieder nach Hause. Nicéphores todkranker Bruder Claude blieb in Kew zurück und starb dort anfangs Februar. Bauer kümmerte sich um die Beerdigung und die Besorgung der Sterbeurkunden.

Zunehmend in finanziellen Schwierigkeiten schloss Niépce am 14. Dezember 1829 mit Dagerre einen Vertrag, zwecks gemeinsamer Weiterentwicklung des Verfahrens. Eine wichtige Grundlage des Vertrages bildete die detaillierte Beschreibung «Notice sur l'Héliographie», in welcher Niépce ein wesentlich verbessertes Verfahren beschrieb. Anstelle der Zinnplatte wurde eine versilberte Kupferplatte verwendet, und die Schatten wurden mittels Jod-Dämfen dunkel gefärbt. Diese Beschreibung wurde dann 1839 gekürzt und mit teilweise herablassenden Anmerkungen versehen von Daguerre in seinem Handbuch zum Daguerreotypieverfahren veröffentlicht (Anhang 1).

Am 5. Juli 1833 verstarb Niépce überraschend an einem Schlaganfall in seinem Landgut «Le Gras» in Saint-Loup-de-Varennes. Sein Sohn Isidore (1795-1868) trat die Rechtsnachfolge des Vertrages mit Daguerre an, ohne sich jedoch aktiv an der Weiterentwicklung des Verfahrens zu beteiligen. Daguerre arbeitete allein weiter und entwickelte das erste marktfähige photographische Verfahren, welches er recht eigennützig «Daguerreotypie» nannte. Am 6. Januar 1839 berichtete die «Gazette de France» zum erstem Mal über Daguerres Verfahren. Der gleiche Artikel erschien am 12. Januar auch ins Englische übersetzt in der «Literary Gazette» in London. Diesen Artikel las Francis Bauer, worauf er am 27. Februar einem Brief an die Zeitung schrieb und auf die Prioritätsansprüche von Niépce hinwies. Auch Isidore Niépce reklamierte die Verdienste seines Vaters an der Daguerreotypie. Damit wurde erreicht, dass auch Isidore Niépce mit dabei war, als am 19. August 1839 die offizielle Bekanntgabe des Daguerreotypie-Verfahrens durch Arago und Daguerre vor der Académie des Science und der Académie des Arts in Paris stattfand. Das Verfahren wurde vom französischen Staat gekauft und «der Welt geschenkt». Daguerre bekam dafür eine jährliche Rente von 6000 Francs und Isidore eine solche von 4000 Francs.


Das Konvolut von Francis Bauer

Doch was geschah mit dem Konvolut das Niépce 1827 Francis Bauer geschenkt hatte, und weshalb gilt heute «Point de vue du Gras» als «Erste Photographie der Welt»?

Dank Robert Hunt wissen wir, welche Teile das Konvolut umfasste. 1844 publizierte er nämlich im Buch «Research on Light» eine Liste mit detailierter Beschreibung der einzelnen Muster (Anhang 2). In Anhang 3 sind die Resultate der Nachforschungen zu deren Aussehen und Verbleib zusammengestellt.

Als Nummer 2 wird in Hunt's Liste eine Aufnahme beschrieben, die im 19. Jahrhundert mehrmals als «Erste Photographie der Welt» ausgestellt wurde: «A view 71/2 inches by 6 inches longways, on a pewter plate 8 by 61/2 inches; it is stated on the back to have been M. Niepcé's (!) first successful experiment of fixing permanently the image from nature. The view is a court-yard seen from an upper window.» Seit 1947 forschte der deutsche Photohistoriker Helmut Gernsheim (1913-1995) nach dieser geheimnisvollen «Ersten Photographie der Welt», die seit 1898 als verschollen galt. Nach jahrelanger Suche gelang ihm schliesslich 1952 die Wiederauffindung der Aufnahme.

Hier eine zusammenfassende Chronologie der Ereignisse um das Konvolut von Francis Bauer:

22. November 1827: Nicéphore Niépce gibt Francis Bauer die Muster zu Händen der Royal Society, die jedoch kein Interesse zeigt, da Niépce nicht bereit ist, Details seines Verfahrens bekannt zu geben. Niépce schenkt Bauer das ganze Konvolut als Dank für seine Bemühungen.

1841: Christie's versteigert das Konvolut von Francis Bauer, der 1840 verstorben ist, für £ 14.4s.0d an Robert Brown, einen Mitarbeiter des Britischen Museums.

1844: Robert Hunt publiziert eine Liste des Konvoluts in seinem Buch «Research on Light» (Anhang 2).

1858: J. J. Bennett, ein Assistent von Robert Brown, erwirbt das Konvolut.

1884: J. J. Bennett teilt das Konvolut in zwei Teile auf. Die Héliographie «Point de vue du Gras» (Nr. 2), einen der beiden Abzüge «Le Cardinal Amboise» (Nr. 4c) und das Manuskript verkauft er an Henry Baden Prichard I. Die Tiefdruckplatten «Ruines d'une abbaye» (Nr. 1), «Le Christ portant sa croix» (Nr. 3), «Le Cardinal d'Amboise» (Nr. 4a) und «Paysage de Claude Le Lorraine» (Nr. 5) sowie einen der beiden Abzüge «Le Cardinal d'Amboise» (Nr. 4b) verkauft er an Henry Peach Robinson I. Die Nummern in Klammern beziehen sich auf Anhang 2 und Anhang 3. Henry Baden Prichard I kann sich nur kurz über seinen Teil freuen, er stirbt zwei Wochen nach dem Kauf unerwartet an einer Lungenentzündung.

1885: Die Wiwe von Henry Baden Prichard I  und Henry Peach Robinson I stellen das Konvolut mit der «Ersten Photographie der Welt» an der «International Invention Exhibition» in London aus.

1898: Das Konvolut wird an der «Photographic Exhibition» im Cristal Palace in Sydenham ausgestellt. Danach verliert sich die Spur der «Ersten Photographie der Welt».

1917: Die Witwe von Henry Baden Prichard I stirbt. Deren Sohn Prichard II bekommt einen kurzen Urlaub vom Militärdienst, um die Mutter zu beerdigen. Dabei stellt er den Koffer mit der Hinterlassenschaft seiner Mutter in einem Lagerhaus ein.

1924: Der Sohn von Henry Peach Robinson I, Ralph Waldo Robinson II, schenkt den Teil des Konvoluts, der sich noch im Besitze der Familie Robinson befindet, der Royal Photographic Society.

1947-1950: Helmut Gernsheim erforscht die Geschichte der verschollenen Héliographie «Point de vue du Gras» und veröffentlicht 1950 im «Observer» einen Aufruf, der jetzige Besitzer möge sich doch bitte bei ihm melden. Prichard II meldet sich unverzüglich bei Gernsheim und teilt ihm mit, dass alles, was sich im Besitze seiner Familie befunden habe, verschollen sei. Den Koffer, den er 1917 in einem Lagerhaus eingestellt hatte, hat er offenbar vergessen! Gernsheim stellt im im Juli 1950 die Suche ein.

Anfangs 1952: Prichard II stirbt und dessen Witwe findet den 1917 eingestellten Koffer. Sie teilt dies Gernsheim mit.

14. Februar 1952: Gernsheim sieht die Héliographie «Point de vue du Gras» und das übrige Konvolut zum ersten Mal. Die Witwe Prichard II vermacht das ganze Konvolut der Gernnsheim Collection.

15. April 1952: Gernsheim gibt in «The London Times» die Wiederauffindung der «Ersten Photographie der Welt» bekannt.

September 1952: Erste Ausstellung der «Ersten Photographie der Welt» an der «Internationalen Photoausstellung» in Luzern (Anhang 4).

1963: Verkauf der Gernsheim Collection an das Harry Ransom Humanity Research Center in Austin, Texas.


Oft fälschlicherweise als «Erste Photographie der Welt» bezeichnet

Drei weitere Aufnahmen wurden und werden oft fälschlicherweise als «Erste Photographie der Welt» bezeichnet. Diese sind in Anhang 5 abgebildet und beschrieben:

Am 21. und 22. März 2002 wurde der zweite und dritte Teil der Sammlung André Jammes bei Sotheby's versteigert. Prunkstück dieser Versteigerung war «Boy Leading His Horse», welches mit 1825 datiert wurde (also 2 Jahre vor «Point de vue du Gras»). Es wurde für € 450'000.-- an die Bibliothèque national de France versteigert. Viele Journalisten bezeichneten das Bild als «Erste Photographie der Welt» und übersahen dabei, dass es sich um den Abzug von einer photographisch erzeugten Tiefdruckplatte (analog «Le Cardinal Amboise») handelte und gar nicht mit einer Camera obscura aufgenommen wurde.

Bei «La table servie» handelte es sich wahrscheinlich tatsächlich um eine Photographie, die mit einer Camera obscura aufgenommen wurde. Da das Bild aber seit Anfang des 20. Jahrhunderts verschollen ist, sind sichere Aussagen nicht mehr möglich. Man nimmt heute an, dass es sich um eine sogenannte «Physautotypie» handelte, die um 1832 aufgenommen wurde (also 5 Jahre nach «Point de vue du Gras»). Mit diesem Verfahren auf Glas experimentierten Niépce und Daguerre gemeinsam.

Am 17. April 2008 berichtete die New York Times, dass bei Sotheby's die Photogenische Zeichnung «The Leaf», die bisher Fox Talbot zugeschrieben worden war, von einer Auktion zurückgezogen wurde, da es sich möglicherweise um eine Aufnahme der 1790er Jahre handeln könnte. Als Indiz dafür wurde angeführt, dass sie aus dem Besitz von Henry Bright stammt, der im Umfeld der Familien Watt, Wedgwood und Davy stand. Egal, ob sich diese Vermutung als richtig erweist oder nicht, handelt es sich aber nicht um eine in einer Camera obscura erzeugte Aufnahme, sondern um die Kontaktkopie eines Blattes.


Anhang 1: «Notice sur l'Héliographie» in Daguerre's Handbuch

Historique et description des procédés de Daguerréotype et du Diorama. / Louis Jacques Mandé DAGUERRE. – Nouvelle Edition, corrigée et augmentée du portrait de l'auteur. – Paris: Alphonse Giroux et Cie. 1839 [28. September]. – 8°. [4], 76 S., Frontispiz, VI Tfln. Br. mit Werbung für das «Maison Giroux» auf der 4. Umschlagseite.

Photobibliothek.ch 297

Titelblatt

«Notice sur l'Héliographie par J.-N. Niépce» ist die einzige je veröffentlichte Beschreibung des Héliographie-Verfahrens


Anhang 2: Robert Hunt's Liste in «Research on Light»

Research on Light. An examination of all the phenomena connected with the chemical and molecular changes produced by the influence of the solar rays; embracing all the known photographic processes, and new discoveries in the art. / By Robert HUNT. – [Erstausgabe.] – London: Longman, Brown, Green, and Longmans 1844. – 8°. vii, 303 S. mit einigen Holzstichen, 1 handkolorierte Falttafel, 32 S. Werbung. Ln. mit Gold- und Blinddruck.

Photobibliothek.ch 10846

Titelblatt und Falt-Frontispiz

Die berühmte Liste auf Seite 29/30


Anhang 3: Nachforschungen zu Aussehen und Verbleib der Muster

 

Robert Hunt Nr. 1

Heutiger Titel: Ruines d'une abbaye [4]; Un clair de lune [5]

Material: Zinn

Technik gemäss [5]: Keine Heliographie, sondern eher eine Physautotypie (späteres Verfahren von Niépce und Daguerre); die Platte wurde nicht geätzt und sie weist keine Spuren von Druckfarbe auf; der schriftliche Zusatz von Francis Bauer «2 1/2 feet lens» könnte auf die Aufnahme in einer Camera obscura hinweisen («2 1/2 feet» wäre als Brennweite unsinnig, aber als Abstand zum Motiv plausibel)

Masse:14,0 x 16,5  (Platte);
10,3 x 13,4 (Bild)

Heutiger Besitzer: Royal Photographic Society

Provenienz: Francis Bauer (1827) - Brown (1841) - J. J. Bennett (1858) - H. P. Robinson I (1884) - R. W. Robinson II - Royal Photographic Society (1924)

Referenzen: [1] (Bilder Mitte und unten); [4] Nr. 10; [5] (Bild oben)

 

 

Beschriftung von Francis Bauer auf der Rückseite

     




Robert Hunt Nr. 2

Heutiger Titel: Point de vue du Gras

Material: Zinn, Asphalt

Technik: Heliographie (nicht geätzt), erstellt in einer Camera obscura

Masse:16,2 x 20,2 cm (Platte)

Heutiger Besitzer: Harry Ransom Center [3]

Provenienz: Francis Bauer (1827) - Brown (1841) - J. J. Bennett (1858) - H. Baden Prichard I (1884) - Witwe Prichard I - Prichard II (Sohn) - Witwe Prichard II - Helmut Gernsheim (1952) - Harry Ransom Center (1963)

Referenzen: [3] (Bilder); [4] Nr. 1

 


Die Heliographie im Originalrahmen

Beschriftung von Francis Bauer auf der Rückseite

Von Helmut Gernsheim retuschierte Aufnahme

     




Robert Hunt Nr. 3

Heutiger Titel: Le Christ portant sa croix

Material: Zinn

Technik gemäss [5]: Photographische Kontaktkopie eines Kupferstiches auf einer Tiefdruckplatte, die nicht tief genug geätzt wurde, um davon Abzüge drucken zu können

Masse: 19,8 x 13,3 cm (Platte);
11,3 x 8,3 cm (Bild)

Heutiger Besitzer: Royal Photographic Society

Provenienz: Francis Bauer (1827) - Brown (1841) - J. J. Bennett (1858) - H. P. Robinson I (1884) - Ralph W. Robinson II - Royal Photographic Society (1924)

Referenzen: [2] (Bild); [4] Nr. 11

 


 

     




Robert Hunt Nr. 4a

Heutiger Titel: Le Cardinal d'Amboise

Material: Zinn

Technik gemäss [5]: Photographische Kontaktkopie eines Kupferstiches auf einer professionell geätzten Tiefdruckplatte, die aber nie als Druckform benutzt wurde (keine Farbspuren)

Masse: 18,0 x 13,9 cm (Platte);
16,6 x 13,1 cm (Bild)

Heutiger Besitzer: Royal Photographic Society

Provenienz: Francis Bauer (1827) - Brown (1841) - J. J. Bennett (1858) - H. P. Robinson I (1884) - R. W. Robinson II - Royal Photographic Society (1924)

Referenzen: [1] (unteres Bild); [4] Nr. 5; [5] (oberes Bild)

 


     




Robert Hunt Nr. 4b

Heutiger Titel: Le Cardinal d'Amboise

Material: Papier

Technik: Erster Abzug von einer photographisch erzeugten Tiefdruckplatte

Masse: 28,7 x 21,2 (Papier); 19,6 x 13,0 cm (Platte); aufgrund der Plattenmasse und der Abbildung kein Abzug von Platte 4a

Heutiger Besitzer: Royal Photographic Society

Provenienz: Francis Bauer (1827) - Brown (1841) - J. J. Bennett (1858) - H. P. Robinson I (1884) - R. W. Robinson II - Royal Photographic Society (1924)

Referenzen: [4] Nr. 35

 


 

     




Robert Hunt Nr. 4c

Heutiger Titel: Le Cardinal d'Amboise

Material: Papier

Technik: Zweiter Abzug von einer photographisch erzeugten Tiefdruckplatte

Masse: 20,3 x 14,0 cm (Papier); keine Angaben zu den Plattenmassen; aber aufgrund der Abbildung identisch mit Abzug 4b und damit ebenfalls kein Abzug von Platte 4a

Heutiger Besitzer: Harry Ransom Center [3]

Provenienz: Francis Bauer (1827) - Brown (1841) - J. J. Bennett (1858) - H. Baden Prichard I (1884) - Witwe Prichard I - Prichard II (Sohn) - Witwe Prichard II - Helmut Gernsheim (1952) - Harry Ransom Center (1963)

Referenzen: [3] (Bild); [4] Nr. 36

 


 

     




Robert Hunt Nr. 5

Heutiger Titel: Paysage de Claude Le Lorraine

Material: Papier

Technik: Abzug von einer photographisch erzeugten Tiefdruckplatte

Masse gemäss Hunt: 19,1 x 20,3 cm (Papier); 11,4 x 17,1 cm (Bild)

Heutiger Besitzer: Unbekannt

Provenienz: Francis Bauer (1827) - Brown (1841) - J. J. Bennett (1858) - H. P. Robinson I (1884) - gemäss [4] Nr. 37 letztmals im Jahre 1894 im London Camera Club ausgestellt

Referenzen: [2] (Bild); [4] Nr. 37 (Abzug); [4] Nr. 8 (Platte)

 


Photographische Kontaktkopie eines Kupferstiches auf einer geätzten Tiefdruckplatte im Musée Nicéphore Niépce mit den Massen: 14,2 x 20,8 cm (Platte); 11,9 x 17,8 cm (Bild). Diese Platte zeigt das gleiche Motiv. Hunt bemerkt zusätzlich zu Nummer 5, dass Niépce dieses Muster auch Mr. Cassells und Sir Everard Home geschenkt habe; dabei handelt es sich wahrscheinlich um einen weiteren Abzug und die Platte.

     




Manuskript von Nicéphore Niépce (von Hunt nicht erwähnt)

Titel gemäss [3]: Joseph Nicéphore Niépce, Notice sur l'Heliographie, 1827, original manuscript written for presentation to the Royal Society; heute «Notice de Kew» genannt

Heutiger Besitzer: Harry Ransom Center [3]

Provenienz: Francis Bauer (1827) - Brown (1841) - J. J. Bennett (1858) - H. Baden Prichard I (1884) - Witwe Prichard I - Prichard II (Sohn) - Witwe Prichard II - Helmut Gernsheim (1952) - Harry Ransom Center (1963)

Referenzen: [3] (Bild)

 


 

     

Anhang 4: Weltausstellung der Photographie in Luzern 1952

Gemäss [1] wurde die «Erste Photographie der Welt», deren Wiederentdeckung Helmut Gernsheim am 15. April 1952 in «The London Times» publizierte hatte, zum ersten Mal im September 1952 an der Weltaustellung der Photographie in Luzern der Öffentlichkeit gezeigt. Wie ist das möglich, wenn die Ausstellung nur vom 15. Mai bis 31. Juli dauerte? Der Katalog enthält keinerlei Hinweise auf das bedeutende Ausstellungsstück. Eine ausführliche Beschreibung von Gernsheim (ohne Hinweis auf die Ausstellung in Luzern) bringt die August-Ausgabe von «Camera» [3]; bereits in der Juni/Juli-Ausgabe [2] findet sich immerhin der Hinweis auf eine Verlängerung der Ausstellung: «...noch bis 24. August». Eine Auflösung des Widerspruchs ist nur möglich, wenn die «Erste Photographie der Welt» bereits vor September 1952 in Luzern gezeigt wurde, oder die Ausstellung nochmals verlängert wurde, bis in den September hinein.

Ref.: [1] Website Harry Ransom Center, Austin, Texas. [2] Camera, Juni/Juli 1952, Seite 195. [3] Camera, August 1952, Seite 282-286.

———

Ausstellungskatalog

WELTAUSSTELLUNG DER PHOTOGRAPHIE 1952 Luzern Schweiz - Exposition mondiale de la Photographie 1952 Lucerne Suisse - World Exhibition of Photography 1952 Lucerne Switzerland. Katalog - Catalogue. 15. Mai - 31. Juli 1952. / Redaktion und Gestaltung des Kataloges: Hans Neuburg. – Luzern: Bucher 1952. – 8°. [2], XXXII, 56 S. Text, [120] S. Tdr.-Abb., [18] S. Werbung. Krt. ill.

Photobibliothek.ch 10769

———

Ausstellungsprospekt

World Exhibition of Photography Lucerne Switzerland 15 May to 31 July 1952 - Exposition mondiale de la Photographie Lucerne Suisse 15 Mai au 31 Juillet 1952 - WELTAUSSTELLUNG DER PHOTOGRAPHIE Luzern Schweiz 15. Mai bis 31. Juli 1952. [Ausstellungsprospekt.] / Photo Laubacher, Lucerne. – 8°. 8 S. Tdr.-Faltprospekt.

Photobibliothek.ch 509

———

Bericht in «Paris Match» vom 10. Mai 1952

PARIS MATCH. – No. 165. Du 10 au 17 Mai 1952. – 2°.

S. 20/21: Ont vient de retrouver la première photo du monde: elle est française. Über die Auffindung der Aufnahme «Point de vue du Gras» von Joseph Nicéphore Niépce durch Helmut Gernsheim.

Photobibliothek.ch 14300

Als Aufnahmeort wird hier fälschlicherweise das Dachfenster angenommen anstatt das Fenster im ersten Obergeschoss (im gleichen Hausteil rechts).

———

Veröffentlichung von Gernsheim in «Camera» vom August 1952

Wiederentdeckung der ersten Photographie der Welt [von Joseph Nicéphore Niépce]. / Helmut GERNSHEIM. – In: Camera 8/1952, S. 282-286.

Photobibliothek.ch 2338


 


Anhang 5: Andere, oft fälschlicherweise als «Erste Photographie

der Welt» bezeichnete Werke


Bei Sotheby's für € 450'000.-- versteigert

Photograph: Nicéphore Niépce

Heutiger Titel: Boy Leading His Horse

Material: Papier

Technik: Abzug von einer photographisch erzeugten Druckplatte

Masse: 10,0 x 14,7 cm

Heutiger Besitzer: Bibliothèque national de France

Provenienz: André Jammes - Bibliothèque national de France (am 21. und 22. März 2002 bei Sotheby's für € 450'000.-- an die BnF versteigert)

Referenzen: [4] Nr. 41

 


 

     




Verschwundene Aufnahme eines gedeckten Tisches

Photograph: Nicéphore Niépce, Louis Jacques Mandé Daguerre (?)

Heutiger Titel: La table servie

Material: Glas

Technik: Physautotypie, erstellt in einer Camera obscura (gemäss [4])

Masse: 7,0 x 11,7 cm

Heutiger Besitzer: Unbekannt (seit anfangs des 20. Jahrhunderts verschwunden)

Provenienz: Eugène Niépce - A. Davanne - Societé Français de la Photographie (1891)

Referenzen: [2] (Bild); [4] Nr. 17

 


 

     




Eine Aufnahme aus dem Umkreis von Watt, Wedgwood und Davy

Photograph: Henry Bright (?), James Watt (?), Thomas Wedgwood (?), Humphry Davy (?), William Henry Fox Talbot (?)

Heutiger Titel: The Leaf

Material: Papier

Technik: Photogenische Zeichnung

Masse: unbekannt

Heutiger Besitzer: Quillan Collection

Provenienz: Henry Bright - Quillan Collection

Referenzen: New York Times 17.4.08

 


 

     

Zitierte Literatur und Websites

[1] Joseph Nicéphore Niépce, Correspondances 1825-1829, Pavillon de la Photographie, Rouon, 1974.

[2] Paul Jay, Niépce, genese d'une invention, Musée Nicéphore Niépce, Chalon-sur-Saône, 1988.

[3] >>> Harry Ransom Center (HRC), Austin, Texas: http://www.hrc.utexas.edu/exhibitions/permanent/wfp/

[4] >>> Niépce-Werkkatalog:
http://www.niepce.com/pagus/pagus-inv.html

[5] Tagung im National Media Museum in Bradford/England vom 13./14. Oktober 2010, in: Rundbrief Fotografie 2011/1, S. 41/42.


Nach oben