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ALBUMINPAPIER
(1850-1900) – Andere Bezeichnungen: Albumin-Silber-Print, albumen
silver print (e) – Verfahren: Auskopierpapier – Geschichte: 1850
durch Louis Désiré Blanquart-Evrard erfunden. Häufigstes
Photopapier des 19. Jahrhunderts. Mattalbuminpapier (durch Zusatz
von Arrowroot-Stärke leicht retuschierbar) wurde bis etwa 1930
verwendet. – Beschrieb: Lichtempfindliche Silbersalze in einer Schicht
aus Hühnereiweiss, vereinzelt auch Milcheiweiss (Kaseinpapier)
oder pflanzliches Eiweiss (Protalbinpapier). – Merkmale: Schicht
quillt nicht und ist nicht acetonlöslich. Schicht oft rissig
und Papierfilz gut sichtbar. Lichter meist ausgebleicht. Farbe:
Gelbbraun bis rotbraun, mit Goldtonung braunviolett bis schwarz.
Papierstärke: 0,10 mm (extrem dünn, meist aufgezogen).
– Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S.
59. Hansch, Frühe Photographien, 1985, S. 75-77 u. 92-93.
André Adolphe-Eugène Disdéri,
Adolphe Thiers (erster Präsident der Französischen Republik),
Carte-de-visite, ca. 1860; praktisch alle dieser
Kyoto Girls (Ausschnitt),
AMBROTYPIE (1852-1863) – Andere Bezeichnungen: Amphitypie, Mela(i)notypie (auch Ferrotypie so genannt!) – Verfahren: Direkt-Positiv (Unikat) – Geschichte: 1852 durch Scott Archer und Peter W. Fry entwickelte Variante des nassen Kollodiumverfahrens. – Beschrieb: Ein unterbelichtetes Kollodium-Glasnegativ wird schwarz hinterlegt und erscheint dadurch als Positiv. Um eine möglichst helle Schicht zu erhalten wurde die Platte in sogenannter «Alabasterflüssigkeit» gebadet. – Merkmale: Erscheint im Durchlicht betrachtet (oder weiss hinterlegt) als Negativ. – Referenzen: Gernsheim, Geschichte der Photographie, 1983, S. 287-292. Hansch, Frühe Photographien, 1985, S. 40-51.
Mann mit Backenbart, Ambrotypie, ca. 1860;
die rechte Hälfte ist weiss anstatt schwarz hinterlegt, dadurch
ist zu erkennen, dass es sich um ein unterbelichtetes Negativ handelt
AQUATINTA (1765-heute) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: Seit etwa 1765 bekannt. Auch noch in jüngster Zeit angewandt (z.B. Picasso). – Beschrieb: Ätzverfahren zur partiellen Halbtondarstellung, meist mit einer Radierung zur Liniendarstellung kombiniert. Die Körnung wird mittels Streukorn (Kolophonium) zur Abdeckung der Platte oder Salzkorn zur Perforierung des Ätzgrundes erreicht. – Merkmale: Tiefdruckmerkmale: Erhöhtes Farbbild und Druckrand. Körnige Struktur bei deutlich separierten unterschiedlichen Tonabstufungen. Streukorn ergibt weisse und Salzkorn schwarze Punkte. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 137 ff.
Eine Bergmühle bei Tiefenkasten Canton Graubünden,
ARISTOPAPIER (1885-1920) – Andere Bezeichnungen: Gelatine-Silber-Print (allg.), gelatin printing-out paper (e) – Verfahren: Auskopierpapier – Geschichte: 1882 durch William W. Abbney erfunden. 1885 durch Barker verbessert. 1886 «Aristo» von Liesegang, 1891 «P.O.P.» von Ilford, 1892 «Solio» von Kodak. – Beschrieb: Lichtempfindliches Chlorsilbersalz in Gelatineschicht auf Barytunterlage. – Merkmale: Schicht quillt und ist nicht acetonlöslich. Immer mit Barytgrund. Oberflächen: Glänzend, halbmatt, tiefmatt. Farbe: Rotbraun bis braunschwarz. Papierstärke: 0,15 mm. Unterscheidung von Gaslichtpapier nur mikroskopisch möglich. – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 63.
Aristopapier, ca. 1910; der rötliche Ton ist häufig, aber nicht zwingend
AUTOCHROME >>> Farbrasterplatte/Farbrasterfilm
AUTOTYPIE (1890-1985)
– Andere Bezeichnungen: Netzätzung, similigravure (f),
halftone engraving (e) – Verfahren: Hochdruck – Geschichte: 1882
durch Meisenbach erfunden. – Beschrieb: Photographische Rasterung
und anschliessende Ätzung in Blei. Zusammen mit Bleisatz gedruckt.
Spezielle Techniken: Duplex-Autotypie (schwarze + graue Autotypie),
Doppeltondruck (auslaufende Druckfarbe ergibt einen weichen Hintergrundton).
– Merkmale: Unterschiedlich grosse Rasterpunkte, innen heller als
aussen. (Tiefdruck: Rasterpunkte gleich gross in unterschiedlichen
Grautönen. Offsetdruck: Rasterpunkte gleichmässig schwarz.)
– Referenzen: Camera 10/67. Van der Linden, Handbuch der grafischen
Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 70 ff. Krüger, Die Technik der
bunten Akzidenz, 1907, Tfl. IV u. V.
Der Photograph Paul Wolff, Autotypie im Zeitungsraster, ca. 1980, Ausschnitt im Original 7,5 x 5cm
Das wichtigste Unterscheidungmerkmal des Hochdruckes gegenüber dem Offsetdruck ist der Quetschrand sowohl bei den Rasterpunkten wie bei der Schrift (mit einer 10-fach Lupe erkennbar)
Autotypieplatte mit Druckmuster auf der Verpackung, ca. 1910
Das spiegelverkehrte Bild wird im Gegenlicht
erkennbar
BLAUPAUSE >>> Cyanotypie
BROMÖLDRUCK (1907-1940) – Verfahren: Edeldruck – Geschichte: 1907 durch E. J. Wail erfunden und durch C. Welourne Piper praktikabel gemacht. – Beschrieb: Ein spezielles Bromsilberpapier wird im Vergrösserungsapparat belichtet und anschliessend gebleicht. Das Bleichen bewirkt ein Härten der Schatten, so dass nur hier die mit einem Pinsel aufgetragene Ölfarbe angenommen wird. – Merkmale: Besonders dicke Gelatineschicht mit Barytunterlage. Pinselstriche und oft auch abgebrochene Pinselhaare erkennbar. Korrekturen sichtbar: Farbe mit Lösungsmittel stellenweise abgewischt. – Referenzen: Heidtmann, Kunstphotographische Edeldruckverfahren heute, 3. Aufl., 1982, S. 132 ff.
Jean Honegger, Cadlimohütte Tessin, Bromöldruck,
1930
BROMÖLUMDRUCK
(1909-1940) – Verfahren: Edeldruck – Geschichte:
Jean Honegger, Monte Dito Locarno,
Die doppelten Konturen des Mehrfachdruckes
sind in der Hugo Haluschka, Kreuz im Ährenfeld,
BROMSILBERPAPIER (1885-heute) – Andere Bezeichnungen: Gelatine-Silber-Print (allg.), Vergrösserungspapier, PE-Papier, RC-Papier – Verfahren: Entwicklungspapier für Vergrösserungen – Geschichte: 1874 durch Peter Mawdsley erfunden. 1877 durch Joseph Wilson Swan verbessert und industriell hergestellt. Ab 1970 auch als PE- bzw. RC-Papier. – Beschrieb: Lichtempfindliches Bromsilbersalz in Gelatineschicht auf Baryt- oder PE- bzw. RC-Papier. – Merkmale: Schicht quillt und ist nicht acetonlöslich. Farbe: Blauschwarz (reines Bromsilber), braunschwarz (Chlorbromsilber). Oft metallisch glänzend («Mirroring» = Kennzeichen für älteres Entwicklungspapier). – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 64. Hansch, Frühe Fotografien, 1983, S. 83-85.
Einfachstes Merkmal für Gelatine-Silber-Prints: ein Tropfen Wasser ...
... lässt die Schicht aufquellen (zerstörungsfrei)
Russischer Jäger mit einem Zobel in der Falle, ca. 1910.
PE- bzw. RC-Papier, ca. 1975; die frühen
Papiere sind nicht sehr stabil:
CARBRODRUCK (1919-1950) – Andere Bezeichnungen: Ozotypie, Ozobromdruck – Verfahren: Edeldruck – Geschichte: 1898 von von Thomas Manly als «Ozotypie» entwickelt. 1909 von Howard E. Farmer als «Ozobromdruck» patentiert. Ab 1919 als «Carbrodruck» (= Carbon + Bromsilber) im Handel (auch als Dreifarbendruck). – Beschrieb: Auf ein Bromsilberpapier wird ein Pigmentpapier aufgequetscht und entwickelt. Daraus entsteht ein Auswaschrelief aus Pigmentgelatine, welches über einen Zwischenträger aus Zelluloid auf das definitive Trägerpapier übertragen wird. – Merkmale: Schichtablösung des Gelatinereliefs an den Ecken. Höherer Glanz in den Schatten. – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 78. Heidtmann, Kunstphotographische Edeldruckverfahren heute, 3. Aufl., 1982, S. 151-159.
Jean Honegger, o.T., Carbrodruck, ca. 1935
CELLOIDINPAPIER (1867-1920) – Andere Bezeichnungen: Celloidin-Silber-Print, collodion printing-out paper (e) – Verfahren: Auskopierpapier – Geschichte: 1864 durch George Wharton Simpson erfunden. Ab 1867 fabrikatorische Herstellung. Häufig erst um die Jahrhundertwende benutzt. – Beschrieb: Lichtempfindliche Silbersalze in Kollodiumschicht auf Barytunterlage (letztere seit 1866 bekannt). – Merkmale: Schicht quillt nicht, ist aber acetonlöslich und die Barytschicht wird dabei sichtbar. Oberfläche: Glänzig (oft zerkratzt) und halbmatt. Farbe: Rotbraun bis braunschwarz. Papierstärke: 0,15 mm (Rolltendenz, deshalb meist aufgezogen). – Referenzen: Hansch, Frühe Fotografien, 1985, S. 78-79. Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 62.
Einfachstes Merkmal für Celloidin-Silber-Prints ist die Aceton-Probe
Aceton löst die Schicht sofort auf (leider nicht zerstörungsfrei)
CHROMOLITHOGRAPHIE
(1837-1900) – Andere Bezeichnungen: Öldruck – Verfahren:
Flachdruck – Geschichte: 1837 durch G. Engelmann patentiert. Wichtigstes
farbiges Illustrationsverfahren in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts. Kaum für photographische Reproduktionen angewendet.
– Beschrieb: Lithographie aus 6...15 Steinen für die einzelnen
Teilfarben. – Merkmale: Flächiger Farbauftrag in sehr vielen
Schichten. Kein gleichmässiger Raster, aber typischer punktförmiger
Farbauftrag. Gemäldeimmitationen oft mit pastosem Farbauftrag
oder zusätzlichem Prägedruck. – Referenzen: Van der Linden,
Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 192-193.
Chromolithographie, ca. 1900, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm
Vergrösserung
CIBACHROME (1968-heute) – Andere Bezeichnungen: Ilfochrome classic (heutige Bezeichnung für Cibachrome II) – Verfahren: Chromolytisches (farbstoffzerstörendes) Positiv-Farbverfahren – Geschichte: 1968 als Fachmaterial und 1976 als Amateurprozess durch Ciba und Ilford auf den Markt gebracht. – Beschrieb: Drei oder mehr chromolytisch entwickelte Schichten auf PE-Papier. – Merkmale: Staub wird beim Vergrössern schwarz abgebildet. Rückseite immer kunststoffbeschichtet. – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 82.
Werbung von Ilford, Original Cibachrome-Vergrösserung
CYANOTYPIE (1842-1890) – Andere Bezeichnungen: Blaupause, Blaudruck, blueprint (e) – Verfahren: Auskopierpapier – Geschichte: 1842 durch John Herschel erfunden. Als Planpause noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein verwendet. – Beschrieb: Mit Eisensalzen lichtempfindlich gemachtes Papier wird belichtet und in Wasser ausgewaschen. – Merkmale: Schichtlos, blaue Farbe, bleicht kaum aus. – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 68. Schaaf, Sun Gardens, New York, 1985.
Ida Chamberlin at Wellesley Hills, Cyanotypie,
1885
DAGUERREOTYPIE (1839-1860) – Andere Bezeichnungen: Daguerréotypie (f) – Verfahren: Direkt-Positiv (Unikat) – Geschichte: Erstes praktikables photographisches Verfahren, erfunden von Louis Jacques Mandé Daguerre. 1839 veröffentlicht, vom französischen Staat gekauft und «der Welt geschenkt». – Beschrieb: Eine versilberte Kupferplatte wird mittels Joddampf lichtempfindlich gemacht, nach der Belichtung in Quecksilberdampf «entwickelt» und mit Natriumthiosulfat fixiert. Belichtungszeit: 1839 15...30 min, konnte später auf 10...60 s reduziert werden. – Merkmale: Die Lichter bestehen aus weissem Amalgam und die Schatten aus spiegelndem Silber, weshalb zur Betrachtung der Hintergrund möglichst dunkel sein sollte. – Referenzen: Gernsheim, Geschichte der Photographie, 1983, S. 55-65. Agfa Foto-Historama, Silber und Salz, 1989, S. 624-634.
Mann mit Schnupftabakdose, Daguerreoptypie,
Sechstelplatte, ca. 1850
DIAPOSITIV (1936-heute) – Verfahren: Chromogen (farbstoffbildend) umkehrentwickelter Farbfilm – Geschichte: Erfindung 1936 durch Leopold Mannes und Leopold Godowsky (Kodachrome) und Wilhelm Schneider (Agfacolor). Firmenbezeichnungen: «Agfacolor» (später auch die Bezeichnung für Negativfilm!), «Agfachrome», «Kodachrome», «Ektachrome» usw. – Beschrieb: Chromogene Umkehrentwicklung von drei oder mehr halogensilberhaltigen Gelatinesilberschichten auf Film. – Merkmale: Nahezu alle Diapositivfilme gehören zu diesem Verfahren. Ausnahmen sind leicht erkennbar (z.B. Farbrasterfilme). – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 66.
Le Nil par Bourdiet, Louvre, Paris, im nassen
Kollodiumverfahren hergestelltes Schwarzweiss-Diapositiv zur Betrachtung
in einer Laterna Magica, ca. 1860; dies ist ein seltener Vorläufer
des Diapositivs
Oben: Planfilm 4x5" «Kodak Ektachrome
64 Professional», 1959-1977
DUOTONE-OFFSETDRUCK (1975-heute) – Andere Bezeichnungen: duotone offset (e) – Verfahren: Flachdruck – Geschichte: Heute übliche Drucktechnik für anspuchsvolle Schwarzweissreproduktionen. – Beschrieb: Neben dem schwarzen Raster ergibt ein zweiter, grauer Raster einen grösseren Tonwertumfang. – Merkmale: Schwarze und graue Rasterpunkte unterschiedlicher Grösse mit gleichmässiger Färbung bis zum Rand. – Referenzen: Benson, The Printed Picture, MoMA, 2008, S. 258-265.
Anspruchsvolle Schwarzweissproduktionen, wie
die Werke von Ansel Adams (hier «Yosemite and the Range of
Light» von 1979), wurden als erste in Duotone-Offset gedruckt
Schwarzer und grauer Raster des Duotone-Offsetdrucks
FARBAUTOTYPIE (1900-1985) – Andere Bezeichnungen: Farbige Netzätzung – Verfahren: Hochdruck – Geschichte: 1893 erstmals angewendet. – Beschrieb: Dreifarbendruck: Drei Autotypieplatten in den Grundfarben Yellow, Magenta und Cyan. Vierfarbendruck: Zusätzliche vierte Schwarzplatte, da die drei Grundfarben kein reines Schwarz ergeben. – Merkmale: Unterschiedlich grosse Rasterpunkte, innen heller als aussen. (Farbtiefdruck: Rasterpunkte gleich gross in unterschiedlicher Helligkeit. Farboffsetdruck: Rasterpunkte gleichmässig gefärbt.) – Referenzen: Camera 10/67. Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 78 ff.
Farbraster im Vergleich (mit 10-fach Lupe
erkennbar):
Dreifarbenautotypie, 1913, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm
Vergrösserung: typisches Raster einer
Farbautotypie
FARBLICHTDRUCK (1880-1900) – Verfahren: Flachdruck – Geschichte: 1878 durch Joseph Albert entwickeltes Farbdruckverfahren. – Beschrieb: Übereinander gedruckte verschiedenfarbige Lichtdruckplatten. – Merkmale: Typisches Lichtdruck-Runzelkorn. – Referenzen: Heidtmann, Wie das Photo ins Buch kam, 1984, S. 639-645.
Bautzen, Klosterruine, Farblichtdruck, ca.
1890,
FARBOFFSETDRUCK (1925-heute) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: Heute am häufigsten angewendetes Farbdruckverfahren. – Beschrieb: Vier Offsetdruckwerke für die drei Grundfarben und Schwarz. Indirekter Druck über ein Gummituch. – Merkmale: Ungleich grosse, bis zum Rand gleichmässig gefärbte Rasterpunkte. Raster bei älteren Drucken analog Chromolithographie, bei neueren drucken analog Autotypie, aber ohne Quetschrand. – Referenzen: Camera 10/67. Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 204. Gaberell's Schweizer Bilder, 1927-1932 (Farbtafeln).
Farbraster im Vergleich (mit 10-fach Lupe
erkennbar):
FARBPAPIER (1942-heute) – Verfahren: Chromogenes (farbstoffbildendes) Negativ-Positiv-Farbverfahren – Geschichte: 1941 durch Agfa (Militär) und 1942 durch Kodak auf den Markt gebracht. Ab 1970 auch auf PE-Papier. – Beschrieb: Drei oder mehr chromogen entwickelte Farbschichten auf Baryt- oder PE-Papier. – Merkmale: Staub wird beim Vergrössern weiss abgebildet. Unterlage: Barytpapier oder PE-Papier (ab 1970). – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 67.
Amateurphotographie, Farbpapier «Gevacolor»,
hergestellt 1951-1966; dieses ist nicht sehr stabil: im Laufe der
Jahre erfolgt eine
FARBRASTERPLATTE, FARBRASTERFILM (1907-1950) – Andere Bezeichnungen: Autochrome, Filmcolor – Verfahren: Linienraster- und Kornraster-Platten oder -Filme – Geschichte: 1868 Idee durch Louis Ducos du Hauron. 1892 gefärbte Schellackkörner durch James W. McDonough. 1907 Autochrome durch Louis Auguste Lumière. 1929 Filmcolor. – Beschrieb: Eine umkehrentwickelte halogensilberhaltige Gelatineschicht wird durch ein blau, grün und rot gefärbtes Linien- oder Kornraster belichtet und später auch betrachtet. – Merkmale: Kornraster (z.B. Autochrome, Filmcolor) oder Linienraster (z.B. Dufaycolor). – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 65.
Zwei Mädchen, Farbrasterplatte «Autochrome»,
ca. 1915
FARBRASTERTIEFDRUCK (1925-heute) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: Bereits um 1910 bekannt, konnte sich jedoch erst ab Ende der 20er Jahre als Farb-Illustrationsverfahren durchsetzen. – Beschrieb: Analog dem einfarbigen Rastertiefdruck werden drei Platten in den Grundfarben und eine Schwarzplatte verwendet. – Merkmale: Typisches Tiefdruck-Kreuzraster mit überall gleich grossen quadratischen Punkten unterschiedlicher Helligkeit (bei der Autotypie und beim Offsetdruck sind die Rasterpunkte unterschiedlich gross und jede Farbe kommt nur in einem Farbton vor). – Referenzen: Camera 10/67.
Farbraster im Vergleich (mit 10-fach Lupe
erkennbar):
FERROTYPIE (1860-1940) – Andere Bezeichnungen: Mela(i)notypie (auch Ambrotypie so genannt) – Verfahren: Direkt-Positiv (Unikat) – Geschichte: 1853 durch A. A. Martin erfunden. – Beschrieb: Unterbelichtetes Negativ auf schwarz oder braun lackiertem Eisenblech. 1860-1890 nasses Kollodiumverfahren, 1880-1910 Gelatine, 1900-1940 Celloidin. – Merkmale: Schwarzes (ab 1880 auch braunes) Eisenblech als Träger (magnetisch). – Referenzen: Hansch, Frühe Fotografien, 1985, S. 50-51.
Drachenfels, Ferrotypie, ca. 1905
GASLICHTPAPIER (1885-1970) – Andere Bezeichnungen: Gelatine-Silber-Print (allg.), Kunstlichtpapier, Kontaktpapier – Verfahren: Entwicklungspapier für Kontaktkopien – Geschichte: 1881 durch Eder & Pizzighelli erfunden. Firmenbezeichnungen: «Velox», «Ridax» von Gevaert, «Lupex» von Agfa usw. – Beschrieb: Lichtempfindliches Chlorsilbersalz in Gelatineschicht auf Barytunterlage. Später Zusatz von Brom- bzw. Jodsilber zur Verbesserung des Bildtons. – Merkmale: Schicht quillt und ist nicht acetonlöslich. Immer mit Barytgrund. Oft metallisch glänzend («Mirroring» = Kennzeichen für Entwicklungspapier). Oberfläche: Glänzend, halbmatt, tiefmatt. Farbe: Rotbraun bis schwarz. Papierstärke: 0,15...0,30 mm. – Referenzen: Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 63. Hansch, Frühe Fotografien, 1985, S. 82-83. Agfa Foto-Historama, Silber und Salz, 1989, S. 612-623.
Amateurphotographie, Gaslichtpapier «Gevaert Ridax», 1933; die meisten dieser kleinen Albumphotos (oft mit gezacktem Rand) sind Gaslichtpapiere
GELATINE-SILBER-PRINT >>> Aristopapier, Bromsilberpapier, Gaslichtpapier, Textilpapier
GUMMIDRUCK (1895-1920) – Verfahren: Edeldruck – Geschichte: 1894 durch Rouillé-Ladêveze erfunden und durch Demachy 1895 verbessert. – Beschrieb: Pigmentiertes Gummiarabikum mit Kaliumbichromat wird belichtet und dann die ungehärteten Stellen ausgewaschen. Wegen der eingeschränkten Tonwertskala sind mehrere Schichten erfoderlich. – Merkmale: Verklebte Oberfläche aus mehreren Schichten, Konturen oft nicht deckend. Lichter schichtlos, keine Barytunterlage. – Referenzen: Heidtmann, Kunstphotographische Edeldruckverfahren, 3. Aufl., 1982, S. 21-76. Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 71.
Aus Rotenburg, Gummidruck, 1912
HELIOGRAPHIE (1826) – Andere Bezeichnungen: Héliographie – Verfahren: Direkt-Positiv (Unikat) – Geschichte: Erstes photographisches Verfahren, erfunden durch Nicéphore Niépce. 1816: Erste Versuche mit Salzpapier. 1826: «Poit de vue du Gras», einzige erhaltene Heliographie (auf Zink). 1829 Beschreibung für Daguerre «Notice sur Héliograpie». – Beschrieb: Beschichtung einer versilberten Kupferplatte mit Asphalt («Judenpech»), gelöst in Lavendelöl. Nach der Belichtung in Lavendelöl und Petrol (1:6) entwickelt. Färben der Schatten mit Joddämpfen und Waschen in Alkokol. – Merkmale: Lichter = Silber. Schatten = rotbraune Verfärbung durch Jod. – Referenzen: Marignier, Héliographies, Musée Niépce, 1989.
Rekonstruktion einer Heliographie durch Jean-Louis
Marignier, 1989
HILFSTECHNIKEN
FÜR RADIERUNGEN (1600-heute) – Andere Bezeichnungen:
Punktiermanier, Kreidemanier, Pastellmanier – Verfahren: Tiefdruck
– Geschichte: Die gleichen Hilfstechniken wie bei den Stichen (Roulette,
Moulette, Matoir usw.) werden auch bei der Radierung zur Perforierung
des Ätzgrundes eingesetzt. – Beschrieb: Punktiermanier: in
Linien, Bändern und Flächen durchstochener Ätzgrund.
Kreidemanier: Imitation des Kreidestrichs mittels speziell gemustertem
Roulette bzw. Moulette (Pastellmanier: mehrfarbig). – Merkmale:
Radierungsmerkmale. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der grafischen
Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 147-149.
Der Besuch, Radierung mit Hilfstechniken, ca. 1850,
HILFSTECHNIKEN
FÜR STICHE (1600-heute) – Andere Bezeichnungen:
Roulette, Moulette, Matoir, Karborundstift, Drahtbürste – Verfahren:
Tiefdruck – Geschichte: Bereits die Graveure des 17. Jahrhunderts
verfügten über Instrumente zur unterschiedlichen Tonwertgebung
mittels geeigneter Muster. – Beschrieb: Erzeugung von punktierten
Linien, Bändern oder Flächen mit beidseitig (Roulette)
oder einseitig (Moulette) geführtem Rädchen oder Keule
(Matoir) mit scharfen Spitzen. Karborundstift und Drahtbürste
ergeben graue Linien und Flächen. – Merkmale: Roulette bzw.
Moulette: dreieckige und viereckige Punkte in gleichmässigen
Reihen. Matoir: ungleichmässige Punkte. Karborundstift, Drahtbürste:
haariges Filzmuster. – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der
grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986, S. 122/123.
Bedenkliche Aussichten, Stahlstich mit Hilfstechniken, ca. 1850,
HOLZSCHNITT
(868-heute) – Andere Bezeichnungen: Xylographie, gravure sur
bois (f), woodcut (e) – Verfahren: Hochdruck – Geschichte: Der älteste
bekannte Holzschnitt ist eine Buchrolle aus dem Jahre 868. Ältestes
mechanisches Illustrationsverfahren für Bücher. Der Holzschnitt
konnte zusammen mit dem Bleisatz gedruckt werden, da beides Hochdruckverfahren
sind. – Beschrieb: In Langholz geschnitten (Holzstich: Hirnholz).
Man unterscheidet Weisslinienschnitt und Schwarzlinienschnitt. –
Merkmale: Hochdruckmerkmale: Quetschrand und Schattierung. Oft Holzstruktur
oder abgebrochene Holzteile sichtbar. Breitere Linien als der Holzstich.
– Referenzen: Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken,
2. Aufl., 1986, S. 30-41.
Sebastian Münster, Cosmographia universalis,
Bleisatz mit Holzschnitt, 1628; der Holzschnitt konnte zusammen
mit dem Bleisatz gedruckt werden,
Ausschnitt (im Original etwa 4 x 6 cm
gross)
Hartmann Schedel, Das buch der Cronicken und
gedechtnus wirdigern geschichte, Bleisatz mit handkoloriertem Holzschnitt,
1493
Herbert Bayer, Die Stadt, Holzschnitt, 1922
Schweizerisches Gewerbeblatt, Weisslinienschnitt,
1840
HOLZSTICH (1775-1920)
– Andere Bezeichnungen: Gravure sur bois debout (f), woodengraving
(e) – Verfahren: Hochdruck – Geschichte: 1775 durch Thomas Bewick
erfunden. 1860 Photo-Xylographie durch Thomas Bolton. – Beschrieb:
In Hirnholz geschnitten (Holzschnitt: Langholz). Oft wurden nicht
die Holzstiche selbst verwendet, sondern davon abgeformte Galvanos
(Druckformenvervielfältigung). – Merkmale: Hochdruckmerkmale:
Quetschrand und Schattierung. Wesentlich feinere Linien als Holzschnitt.
Grössere Holzstiche aus mehreren kleinen Blöcken zusammengesetzt.
Weisse Linien perfekt anschliessend, schwarze oft nicht (Kupferstich,
Radierung: umgekehrt). – Referenzen: Van der Linden, Handbuch der
grafischen Techniken, 2. Aufl. 1986, S. 45-50. Heidtmann, Wie das
Photo ins Buch kam, 1984, S. 571-578 (Druckformenvervielfältigung).
Holzstich, ca. 1880, Ausschnitt im Original 7,5 x 5 cm
JAPANISCHER
FARBHOLZSCHNITT (1500-heute) – Andere Bezeichnungen:
Ukiyo-e – Verfahren: Hochdruck – Geschichte: Der Farbholzschnitt
war schon zur Zeit der Frühdrucker um 1500 bekannt. In der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand der japanische
Farbholzschnitt (Ukiyo-e) der grossen Einfluss auf die europäische
Kunst ausübte (Van Gogh, Monet usw.). – Beschrieb: Für
jede Farbe wird eine eigene Holzplatte geschnitten. Beim japanischen
Holzschnitt kommen noch spezielle Techniken hinzu: Verlaufende Farben,
Blinddruck, Glimmergrund usw. – Merkmale: Hochdruckmerkmale: Quetschrand
und Schattierung. Speziell beim japanischen Holzschnitt ist sehr
oft die Holzstruktur erkennbar. – Referenzen: Schwan, Handbuch japanischer
Holzschnitt, 2002. Sharaku, Ichikawa Ebizo IV in der Rolle des
Takemura Sadanoshin, japanischer Farbholzschnitt mit Glimmergrund
(Bleiglanz), 1794
KALOTYPIE (1841-1851)
– Andere Bezeichnungen: Salzpapierabzug ab Papiernegativ, Talbotypie
– Verfahren: Papiernegativ (mit Entwicklung) und Auskopierpapier
als Positiv – Geschichte: William Henri Fox Talbot gab sein erstes
Verfahren «photogenic drawing» im Januar 1839 noch vor
der Veröffentlichung der Daguerreotypie bekannt. 1841 veröffentlichte
er sein verbessertes Entwicklungs-Verfahren «Kalotypie»
(später «Talbotypie» genannt). – Beschrieb: Schreibpapier
wird mittels Silbernitrat und Kochsalz lichtempfindlich gemacht,
nach der Belichtung (1...8 min) in Pyrogallol entwickelt und mit
Natriumthiosulfat fixiert. Später auch als Auskopierpapier
mit Kollodiumplatten verwendet. – Merkmale: Schichtlos, meist stark
vergilbt, sodass retuschierte Stellen sich dunkel abheben. Eine
Kalotypie bleicht aus und ist hellbraun bis gelb (im Gegensatz dazu
dunkelt eine photogenische Zeichnung nach und ist dunkelbraun bis
lila). – Referenzen: Gernsheim, Geschichte der Photographie, 1983,
S. 160 ff. Museum Folkwang, Verfahren der Fotografie, 1989, S. 58
u. 83. Rundbrief Fotografie, Heft 19, S. 37.
Luigi Sacchi, Pezzo della porta che dal chiostro
malte alla Chiesa Certosa
KODAK EKTAFLEX PCT (1981-1987) – Verfahren: 1-Bad-Trennblattverfahren (Farbstoff-Diffusion) – Geschichte: 1981 von Kodak vorgestellt. Konnte sich nicht durchsetzen, 1987 Produktion eingestellt. – Beschrieb: Farbnegativ oder Dia wird auf entsprechendem Film belichtet, in Aktivator entwickelt und mit Photopapier laminiert. Nach 6...15 Minuten können die Blätter getrennt werden. – Merkmale: Relativ dickes Kunststoffpapier mit grauer Rückseite. Starker Chemiegeruch auch noch nach Jahren. – Referenzen: Koshofer, Farbfotografie, Bd. 3, Seite 138. Du, Juli/Aug. 2000, S. 118.
Sonnenblumenfeld zwischen Aubenas und Alès, Kodak Ektaflex PCT, 1982
KOMBINATIONS-FARBDRUCKE (1895-1920) – Verfahren: Kombinationsdruck – Geschichte: Um die Jahrhundertwende wurden Abbildungen in Reisebildbänden und Postkarten oft mit einem anderen Druckverfahren «koloriert». – Beschrieb: Verschiedene Lithographien (zur Kolorierung) werden mit einer Autotypie nach einer Schwarzweissaufnahme überdruckt. – Merkmale: Entsprechend den verwendeten Druckverfahren.
Diessenhofen, Postkarte, Kombinations-Farbdruck, ca. 1915,
Vergrösserung: Schwarzplatte = Autotypie,
Farben = Lithographie
KONTAKTPAPIER >>> Gaslichtpapier
KUPFERSTICH
(1446-1820) – Andere Bezeichnungen: Gravure au burin (f), line
engraving (e) – Verfahren: Tiefdruck – Geschichte: Seit 1446 bekannt.
Wichtigstes Illustrationsverfahren für Bücher bis etwa
1820. – Beschrieb: Linien werden mit Grabstichel in die Kupferplatte
geschnitten. – Merkmale: Tiefdruckmerkmale: Erhöhtes Farbbild
und Druckrand. Linienform spitz beginnend, breiter werdend und spitz
endend (Radierung: Linien stumpf beginnend und endend). – Referenzen:
Van der Linden, Handbuch der grafischen Techniken, 2. Aufl., 1986,
S. 105-115.
Friedrich III., Kupferstich, ca. 1600, Ausschnitt im Original
7,5 x 5 cm
Johann Caspar Lavater, Physiognomische Fragmente,
Kupferstich in Linienmanier, 1775, Ausschnitt im Original 7,5 x
5 cm
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